XRP ist zum ersten Mal seit November 2024 unter die Marke von einem Dollar gefallen. Am 11. August markierte der Token ein neues Bärenmarkt-Tief von 0,9952 Dollar. Während Kleinanleger die Nerven verlieren, kaufen große Halter munter weiter zu.

Der Bruch der psychologisch wichtigen Ein-Dollar-Schwelle fiel zusammen mit einem Sicherheitsvorfall. Eine Brücke zwischen der TX Chain und dem XRP Ledger wurde ausgenutzt. Der Angreifer verschob dabei nie echtes XRP. Er bewegte lediglich einen Token zwischen zwei eigenen Wallets und hängte eine Deposit-Memo an. 28 Relayer mit identischem Code lasen das fälschlich als eingehende Zahlung.

Aktuell notiert XRP bei 1,01 Dollar, ganz in der Nähe seines 52-Wochen-Tiefs. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag der Kurs noch bei 3,35 Dollar. Das entspricht einem Rückgang von 70 Prozent.

Technisches Bild bleibt schwach

Der Chart zeigt derzeit wenig Ermutigung für Bullen. Der Kurs liegt unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der 50-Tage-Schnitt bei 1,08 Dollar, der 100-Tage-Schnitt bei 1,18 Dollar und der 200-Tage-Schnitt bei 1,31 Dollar sinken allesamt weiter. Der RSI steht bei 36 und signalisiert damit noch keine überverkaufte Lage, aber deutlich angespannte Stimmung.

Große Halter bauen Position aus

Trotz der Kursschwäche kaufen große Adressen zu. In der Woche bis zum 9. August kamen mehr als 380 Millionen XRP zu bestehenden Beständen hinzu. 81 Prozent aller Binance-Abhebungen flossen dabei in private Wallets.

Die Zahl der Wallets mit mindestens einer Million XRP ist in den vergangenen drei Monaten um 32 auf rund 2.033 gestiegen. Im selben Zeitraum fiel die Marktkapitalisierung um 29 Prozent. Der Kursrückgang hat also keine großen Halter vertrieben, sondern offenbar neue angezogen.

Auch Daten von CryptoQuant stützen dieses Bild. Am 3. August gingen 81 Prozent aller von Binance abgezogenen XRP an große Halter, verglichen mit 72 Prozent über alle Börsen hinweg. Coins auf einer Börse lassen sich in Sekunden verkaufen. Coins in privaten Wallets müssen erst zurückgeschickt werden — ein Schritt, den kurzfristige Verkäufer selten gehen.

Eine mit Ripple verknüpfte Adresse sorgt derweil für Fragezeichen. Am 13. August wurden 50 Millionen XRP im Wert von 50,5 Millionen Dollar an eine unbekannte Wallet verschoben. Diese hatte bereits am 7. August 150 Millionen XRP von einer Ripple-Wallet erhalten. Von den neu erhaltenen 50 Millionen Token wurde bislang nur eine Million weiterbewegt — Richtung einer Wallet mit Binance-Verbindung. Ein möglicher Hinweis auf Verkaufsabsichten, während die restlichen 49 Millionen Token noch dort liegen.

Hebel steigt, Spot-Kurs bewegt sich kaum

Im Terminmarkt wächst die Spekulation, während der Spot-Preis stillsteht. Das Open Interest auf Binance erreichte 435,1 Millionen Token und liegt damit über dem 30-Tage-Durchschnitt. Der 30-Tage-Z-Score kletterte auf etwa 1,20. Diese Diskrepanz zwischen steigendem Hebel und seitwärts laufendem Kurs erhöht das Risiko scharfer Liquidationen, sobald die Volatilität anzieht.

Regulierung als Belastungsfaktor

Ein Teil des Verkaufsdrucks lässt sich auf politische Verzögerungen zurückführen. Der US-Senat hat die Verabschiedung des CLARITY Act, der klare Regeln für die Kryptobranche schaffen soll, wiederholt verschoben. Das nährt die schwache Stimmung bei XRP-Anlegern zusätzlich.

Ein näherer Termin steht dennoch bevor. Die US-Börsenaufsicht SEC hat für den 14. August eine Abstimmung über die sogenannte „Regulation Crypto“ angesetzt. Diese könnte den regulatorischen Rahmen für digitale Assets in den USA vorantreiben. Einige Trader positionieren sich bereits vorab, obwohl der Ausgang offen bleibt.

Entscheidende Marke: 1,00 bis 1,015 Dollar

Analysten sehen in der Zone zwischen 1,00 und 1,015 Dollar den Schlüsselbereich für die kommenden Tage. Hält XRP dieses Band, bleibt der Token in der Konsolidierung. Fällt der Kurs darunter, droht ein tieferer Rückgang. Ein Anstieg über 1,022 Dollar wäre dagegen das erste ernstzunehmende Erholungssignal und könnte den Weg zur Widerstandszone bei 1,05 bis 1,07 Dollar öffnen.