XRP steht an einem ungewöhnlichen Kreuzpunkt. Das Netzwerk meldet technische Fortschritte und regulatorische Erfolge — der Kurs aber fällt. Bei rund 1,04 US-Dollar kämpft die Kryptowährung darum, die psychologisch wichtige Marke von einem Dollar zu halten.

Neue Kreditinfrastruktur für institutionelle Anleger

Auf dem XRP Ledger hat die Abstimmung über zwei bedeutende Protokolländerungen begonnen: XLS-65 und XLS-66. Zusammen sollen sie native Kreditvergabe und eine standardisierte Leihinfrastruktur direkt ins Netzwerk bringen.

Das Konzept dahinter ist bewusst auf regulierte Finanzinstitute zugeschnitten. Kreditprüfung und Compliance bleiben außerhalb der Blockchain — bei lizenzierten Kreditgebern. Der XRP Ledger übernimmt dagegen Ausführung und Abwicklung: Kreditvergabe, Zinsberechnung, Rückzahlung. Gedacht ist das System für tokenisierte Vermögenswerte wie US-Staatsanleihen, Geldmarktfonds und Stablecoins.

Bisher haben rund 20 Prozent der 35 aktiven Netzwerk-Validatoren für die Änderungen gestimmt. Für eine Aktivierung braucht es 80 Prozent — und zwar über 14 Tage hinweg ohne Unterbrechung.

MiCA-Lizenz öffnet Europa

Seit dem 1. Juli 2026 gilt die europäische Kryptoregulierung MiCA vollständig. Ripple hat sich dabei besser positioniert als viele Konkurrenten. Die Luxemburger Finanzaufsicht hat dem Unternehmen eine vorläufige Zulassung als Krypto-Dienstleister erteilt. Damit darf Ripple seine Dienste in allen 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums anbieten.

Binance hingegen hat in mehreren EU-Ländern Einschränkungen kassiert, weil die Plattform keine MiCA-Lizenz vor Ablauf der Frist sichern konnte. Für Ripple bedeutet die Zulassung einen klaren Vorteil — besonders für grenzüberschreitende Zahlungen mit XRP und dem eigenen Stablecoin RLUSD.

Kurs unter Druck, Netzwerk erholt sich

Das Bild auf der Preisseite ist weniger erfreulich. XRP hat seit seinem 52-Wochen-Hoch von 3,65 Dollar im Juli 2025 mehr als 70 Prozent verloren. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus fast 45 Prozent. Der RSI liegt bei 32 — technisch nahe an überverkauftem Terrain.

Auf dem Netzwerk selbst sieht es besser aus. Die täglichen aktiven Adressen auf dem XRP Ledger sind auf über 43.000 gestiegen — ein Anstieg von 53 Prozent gegenüber den Tiefständen Mitte Juni. RLUSD kommt inzwischen auf rund 12 Prozent des Handelsvolumens auf dem Ledger, nach weniger als einem Prozent Ende 2024. Jede RLUSD-Transaktion erfordert weiterhin XRP für Netzwerkgebühren — das sichert dem Token seine Rolle als Basisasset.

Planmäßig hat Ripple am 1. Juli außerdem eine Milliarde XRP aus dem monatlichen Escrow-Programm freigegeben. Ob und wie viel davon auf den Markt gelangt, bleibt offen — historisch legt Ripple einen Großteil davon wieder in neue Escrow-Verträge zurück.