Ausgerechnet am dritten Jahrestag seines wichtigsten juristischen Sieges steckt XRP tief im Minus. Die Kryptowährung notiert bei 1,07 Dollar, fast 71 Prozent unter ihrem Hoch vom Juli 2025. Am heutigen Montag feiert die Community den „XRP Victory Day“ — drei Jahre nach dem Gerichtsurteil, das programmatische Verkäufe des Tokens an öffentlichen Börsen als keine Wertpapiergeschäfte einstufte. Eine neue Enthüllung wirft nun ein anderes Licht auf diesen Sieg.

Ripple stand kurz vor der Auflösung

Ripple-CEO Brad Garlinghouse hat in einem im Juli 2026 veröffentlichten Interview offengelegt, wie knapp es damals war. Nach der ursprünglichen SEC-Klage im Dezember 2020 habe das Unternehmen nur wenige Wochen von der Schließung entfernt gestanden. Intern diskutierte das Management sogar, die XRP-Bestände an Aktionäre auszuschütten und die Firma komplett aufzulösen.

Die Rechtsverteidigung kostete Ripple über vier Jahre rund 150 Millionen Dollar. Das Unternehmen entschied sich bewusst gegen eine frühe Einigung und klagte weiter — eine Entscheidung, die 2023 zum entscheidenden Urteil führte und 2025 mit einer Strafzahlung von 125 Millionen Dollar endgültig beigelegt wurde. Branchenbeobachter deuten diese Enthüllung als Neubewertung: XRP erscheint heute als gerichtlich abgesegnetes digitales Gut, das eine existenzielle Krise überstanden hat.

ETFs laufen, doch die Nachfrage kühlt ab

Der Weg vom Regulierungsziel zum institutionellen Anlagegut erreichte im März 2026 einen Meilenstein. SEC und CFTC stuften XRP gemeinsam als digitales Rohstoffgut ein. Diese Klarstellung öffnete die Tür für mehrere Spot-XRP-ETFs, die seit ihrem Start im November 2025 zusammen 1,48 Milliarden Dollar an Zuflüssen einsammelten.

Die jüngste Entwicklung fällt deutlich schwächer aus. In der vergangenen Woche flossen den XRP-ETFs nur noch rund 107.000 Dollar zu. Goldman Sachs, das Ende vergangenen Jahres noch eine Position von 153,8 Millionen Dollar in einem XRP-ETF hielt, hat diese Berichten zufolge bis Ende März 2026 komplett aufgelöst.

Whales ziehen sich zurück, Angst dominiert

Die Marktkapitalisierung von XRP liegt derzeit bei etwa 67,36 Milliarden Dollar, Rang sechs unter den Kryptowährungen. Das tägliche Handelsvolumen bewegt sich zwischen 828 und 836 Millionen Dollar. Der Kurs testet gerade die psychologisch wichtige Marke von 1,00 Dollar, die seit Juni als Unterstützung fungiert — das 52-Wochen-Tief liegt bei 1,01 Dollar und wurde erst am 26. Juni markiert.

Auf der Blockchain zeigt sich ein deutlicher Rückzug der Großanleger. Transaktionen über eine Million Dollar auf dem XRP Ledger fielen am 13. Juli auf nur noch zwei, verglichen mit einem Wochendurchschnitt von 70 Anfang des Monats. Diese Zurückhaltung der Whales trifft auf schwache Privatanleger-Nachfrage. Der Fear & Greed Index steht bei 28 Punkten und signalisiert „Angst“.

Technisch sieht die Lage angespannt aus. Der Kurs liegt 7,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,16 Dollar und mehr als 26 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,45 Dollar. Der RSI von 40,9 deutet auf keine überverkaufte Lage hin, lässt aber noch Spielraum nach unten.

Der Clarity Act als nächster Katalysator

Die kurzfristige Zukunft von XRP hängt eng am Digital Asset CLARITY Act. Das Gesetzesvorhaben soll die Einstufung digitaler Vermögenswerte in den USA formalisieren, steckt aber derzeit im Senat fest. Eine Abstimmung wird nicht vor Ende Juli 2026 erwartet.

Händler beobachten die Widerstandszone zwischen 1,18 und 1,20 Dollar. Nur ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke würde die aktuelle Abwärtsstruktur brechen. Rutscht der Tagesschlusskurs dagegen unter die Marke von 1,00 Dollar, rückt eine weitere Abwärtsbewegung bis auf 0,80 Dollar in den Bereich des Möglichen.