XRP notiert bei 1,09 US-Dollar und damit nur wenige Prozentpunkte über dem 52-Wochen-Tief von 1,01 US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat der Token fast 42 Prozent verloren. Doch während der Kurs schwächelt, meldet das XRP-Ledger-Ökosystem gleich mehrere technische Fortschritte.

Kernentwickler Denis Angell gab am 2. Juli bekannt, dass die sogenannte Batch-Amendment nach einem erfolgreichen Sicherheitsaudit ins Core-Repository zurückgeflossen ist. Das Feature steht nun zur Validator-Abstimmung an. Einmal aktiviert, erlaubt Batch atomare Transaktionen: Nutzer können mehrere Operationen wie Senden und Empfangen in einem einzigen Ledger-Eintrag bündeln.

Parallel dazu reichte ein Entwicklerteam den Vorschlag „AMM Swappable Curves“ bei den XRPL Standards ein. Die Idee dahinter: Liquiditätspools sollen künftig verschiedene Preiskurven nutzen können, statt nur das klassische Constant-Product-Modell. Konzentrierte Liquidität und StableSwap-Kurven sollen die Kapitaleffizienz für DeFi-Nutzer im Netzwerk verbessern.

Wettlauf um die institutionelle Kreditschicht

Die eigentliche Nagelprobe für das Netzwerk betrifft seine Zukunft als Kreditplattform. Zwei große Amendments laufen aktuell zur Abstimmung: XLS-65 für Single Asset Vaults und XLS-66 für ein Lending-Protokoll. Am 3. Juli lag XLS-65 bei 22,86 Prozent Zustimmung, XLS-66 bei 20 Prozent.

Beide brauchen für eine Aktivierung im Mainnet eine Zustimmung von 80 Prozent über zwei Wochen hinweg. Das Ziel ist ambitioniert: eine native, institutionstaugliche Kreditschicht auf der XRP Ledger. Off-Chain-Bonitätsprüfungen sollen unbesicherte Kredite für regulierte Finanzinstitute ermöglichen, abgewickelt über On-Chain-Laufzeitkredite.

RLUSD treibt die Netzwerkaktivität

Der von Ripple unterstützte Stablecoin RLUSD hat einen Meilenstein erreicht. Am 2. Juli bestätigten On-Chain-Daten, dass 51 bis 52 Prozent des gesamten RLUSD-Angebots mittlerweile auf der XRP Ledger liegen. Global bringt der Stablecoin es auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,7 Milliarden US-Dollar.

Allein auf der XRP Ledger wuchs der RLUSD-Bestand bis Ende Juni auf über 800 Millionen US-Dollar. Damit nähert sich die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung auf dem Netzwerk der Marke von einer Milliarde US-Dollar — aktuell liegt sie bei etwa 907 Millionen US-Dollar.

Dieses Wachstum fällt mit einem Sprung bei der Netzwerknutzung zusammen. Die täglich aktiven XRP-Adressen stiegen Ende Juni um 72 Prozent auf rund 39.500. Am 2. Juli erreichte die Neuanlage von Wallets mit 4.941 Adressen an einem Tag den höchsten Wert seit drei Monaten — nachdem zuvor gehebelte Positionen am Futures-Markt in großem Stil glattgestellt worden waren.

Regulierung bleibt der Unsicherheitsfaktor

Die Aufmerksamkeit richtet sich auch auf den US-Senat, der am 13. Juli aus der Sommerpause zurückkehrt. Der CLARITY Act, der digitale Assets rechtlich einordnen soll, hat nur noch ein enges Zeitfenster vor der August-Pause. Galaxy Digital senkte die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung in diesem Jahr kürzlich von 75 auf 60 Prozent und verwies auf Verzögerungen im Bankenausschuss des Senats.

Trotz dieser Unsicherheit und eines Kursrückgangs von rund 20 Prozent im Juni bleibt das institutionelle Interesse stabil. Die XRP-Spot-ETFs verzeichnen seit November 2025 kumulierte Nettozuflüsse von etwa 1,48 Milliarden US-Dollar. Der 30. Juni brachte zwar den ersten kleinen Nettoabfluss seit Wochen, doch das verwaltete Vermögen über die sieben XRP-ETFs hinweg liegt weiterhin bei rund 1,4 Milliarden US-Dollar, mit über 800 Millionen Token in diesen Fonds gebunden.

Charttechnisch bleibt der Token angeschlagen: Der RSI von 43,4 signalisiert weder Über- noch Unterverkauf, während der Kurs rund 27 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,49 US-Dollar liegt. Die kommenden zwei Wochen dürften zeigen, ob die Vault- und Lending-Amendments die nötige 80-Prozent-Schwelle erreichen — und ob das Netzwerkwachstum irgendwann auch den Kurs erreicht.