Die großen Adressen auf dem XRP Ledger sind praktisch abgetaucht. Innerhalb einer Woche brachen Transaktionen über einer Million Dollar um 97 Prozent ein. Das fällt just in eine Phase, in der der Kurs von XRP unter Druck gerät.
Wal-Aktivität bricht binnen Tagen ein
Die Daten stammen von Santiment und wurden vom Analysten Ali Martinez veröffentlicht. Am 8. Juli zählte die Blockchain noch mehr als 52 Transaktionen über einer Million Dollar pro Tag. Ab dem 9. Juli kippte das Bild abrupt.
Bis zum 12. Juli fiel die Zahl von zuvor 70 solcher Transaktionen auf gerade noch zwei. Martinez beschreibt die Entwicklung als deutliche Abkühlung der Großanleger-Aktivität. Was die Daten nicht zeigen: ob die Wale komplett ausgestiegen sind, ihre Aktivität abseits der Chain verlagert haben, oder ihre Transfers einfach in kleinere Beträge aufgeteilt haben.
Kurs verliert Juli-Gewinne fast komplett
Der Rückgang der Großtransaktionen fällt mit einer schwachen Kursentwicklung zusammen. XRP verlor in der vergangenen Woche mehr als 6 Prozent. Das drückte den Monatsgewinn von einem Zwischenhoch bei 14 Prozent auf nur noch 3,5 Prozent.
Aktuell notiert XRP bei 1,08 Dollar. Auf Tagesbasis steht ein Minus von 1,88 Prozent, auf Wochensicht ein Rückgang von 6,85 Prozent. Damit bewegt sich der Token nur noch gut 6 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, das erst am 26. Juni erreicht wurde.
Zum Vergleich: Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 3,65 Dollar, XRP hat sich davon um über 70 Prozent entfernt. Auch der langfristige Trend bleibt schwach — der Kurs liegt fast 26 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,45 Dollar. Der RSI von 41,8 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand, sondern schlicht fehlende Dynamik.
Nach einem Erholungsversuch von rund 1,01 Dollar Anfang Juli testete XRP kurz die Widerstandszone bei 1,20 Dollar. Verkäufer wiesen diesen Vorstoß jedoch zurück. Seither pendelt der Kurs zwischen etwa 1,09 und 1,12 Dollar. Auch Mittelabflüsse aus XRP-ETFs spielen eine Rolle: Sie beendeten zuletzt eine neunwöchige Serie ununterbrochener Zuflüsse.
Was der Rückzug der Wale bedeuten könnte
Ein Einbruch bei den Großtransaktionen ist kein automatisches Verkaufssignal. Analysten warnen ausdrücklich davor, die Zahlen vorschnell bearish zu deuten. Häufig zeigt ein solcher Rückgang schlicht geringere Marktbeteiligung der großen Adressen an.
In Kombination mit der Kursschwäche deutet das aber darauf hin, dass große Investoren derzeit abwarten. Möglicherweise wollen sie erst eine klarere Marktbestätigung sehen, bevor sie wieder aktiv werden.
Technisch verläuft der kurzfristige Kampf zwischen der Unterstützung bei 1,01 Dollar und dem Widerstand bei 1,10 Dollar. Ein Schlusskurs unterhalb des unteren Bollinger-Bands könnte die Marken von 1 und 0,95 Dollar zurück ins Blickfeld rücken. Eine Erholung über 1,10 Dollar hinaus würde die Struktur dagegen verbessern und den Weg zum oberen Bollinger-Band bei rund 1,16 Dollar öffnen — für eine stärkere Kontrolle der Käufer müsste XRP anschließend aber auch die Marke von 1,20 Dollar überwinden.
Regulatorik bleibt im Hintergrund präsent
Am 17. Juli steht eine Anhörung im US-Kongress an. Der Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses befasst sich unter dem Titel „Building the Future of Finance“ mit den möglichen Marktauswirkungen des CLARITY Act.
Die Senatoren kehrten am 13. Juli aus der Sommerpause zurück, was neue Gespräche wahrscheinlicher macht. Ein offizieller Termin für eine finale Abstimmung im Senat steht allerdings noch nicht fest. Die Anhörung dürfte daher eher politischen Rückenwind erzeugen, als noch vor der August-Pause zu einer verabschiedeten Gesetzgebung zu führen.
Ob die Großanleger auf den Ledger zurückkehren, oder ob die aktuelle Flaute sich über den Sommer hinzieht — das bleibt vorerst offen. Fest steht: Solange die Millionen-Transfers ausbleiben, fehlt XRP ein wichtiger Impulsgeber für eine nachhaltige Erholung über die 1,10-Dollar-Marke.
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