Ripple wirft sein gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale. Die Chance auf ein Gesetz, das der Kryptobranche endlich klare Regeln geben soll, schrumpft aber von Tag zu Tag. Prognosemärkte sehen die Erfolgsaussichten inzwischen nur noch bei rund einem Drittel.

Im Zentrum steht der CLARITY Act, ein Gesetzentwurf im US-Senat. Er soll festlegen, welche Behörde für welche Kryptowerte zuständig ist. Für XRP ist das keine akademische Frage: Ripple kämpfte vier Jahre lang gegen die US-Börsenaufsicht SEC um genau diese Zuständigkeit.

Ripple drückt aufs Tempo

Ripples Chefjustiziar Stuart Alderoty wurde am Donnerstag deutlich. Eine Stimme gegen den CLARITY Act sei eine Stimme für den regulatorischen Wildwuchs, den Betrüger ausnutzen, sagte er. Lauren Belive, bei Ripple für globale Politik zuständig, argumentiert ähnlich: Es gehe primär um Verbraucherschutz, nicht um Industrie-Interessen.

Aktuell wissen viele der geschätzten 67 Millionen US-Krypto-Anleger nicht, welche Behörde im Ernstfall zuständig ist. Alderoty verweist dabei gerne auf den Zusammenbruch von FTX als Warnbeispiel. Der Gesetzentwurf soll das ändern: Investment-Contract-Assets sollen zur SEC gehen, digitale Rohstoffe zur Terminaufsicht CFTC.

Der Kalender wird zum Gegner

Republikaner drängen auf eine Abstimmung noch in der Woche ab dem 20. Juli. Der 7. August gilt als eigentliche Deadline, bevor der Senat in die parlamentarische Sommerpause geht.

Für die nötigen 60 Stimmen braucht es mindestens sieben demokratische Überläufer zur geschlossenen Republikaner-Fraktion. Im Ausschuss kamen bislang nur zwei Demokraten zustande. Fünf weitere in einem Wahljahr zu finden, ist das eigentliche Problem.

Die Demokraten blockieren aus einem konkreten Grund: Sie wollen keinen Entwurf mittragen, der Präsident Trumps Krypto-Gewinne von schätzungsweise 1,4 Milliarden Dollar unangetastet lässt. Trumps eigene Offenlegung wies 635 Millionen Dollar an Meme-Coin-Lizenzen aus, dazu rund 515 Millionen Dollar aus dem Verkauf von World-Liberty-Financial-Token.

Senatorin Kirsten Gillibrand macht durchsetzbare Ethikregeln für Amtsträger zur Bedingung ihrer Zustimmung. Senatorin Cynthia Lummis, eine der Architektinnen des Entwurfs, kündigte eine überarbeitete Fassung an — die Ethikklausel könnte dabei zunächst ausgeklammert werden. Der Präsident selbst führt derweil Gespräche mit Senatoren, ein weiteres Treffen war für Donnerstag angesetzt.

Wettmärkte werden skeptischer

Die Stimmung hat sich in den vergangenen Tagen spürbar eingetrübt. Auf der Plattform Polymarket lag die Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des Gesetzes bis Jahresende zuletzt bei 32 Prozent — der niedrigste Stand seit Start dieses Marktes. Das sind rund 30 Prozentpunkte weniger als bei der Eröffnung des Handels.

Andere Tracker zeichnen ein ähnliches Bild. Ein separater Polymarket-Kontrakt zur Unterschrift des Gesetzes im Jahr 2026 notiert bei 34 Prozent, bei einem Handelsvolumen von rund 1,9 Millionen Dollar seit Januar. Auch Alex Thorn von Galaxy Digital hat seine interne Schätzung nach unten korrigiert, auf etwa 50 Prozent. Als Grund nennt er schlicht den Kalender: Zwischen Trumps Lobbyarbeit Mitte Juli und der Deadline am 7. August bleiben nur rund drei Wochen für Debatte, Änderungen und Abstimmung.

Was das für XRP bedeutet

Der Token selbst zeigt sich von der politischen Unsicherheit bislang erstaunlich unbeeindruckt. Bei 1,09 Dollar liegt XRP nur rund 7,5 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, das erst Ende Juni markiert wurde. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,43 Dollar fehlen dagegen rund 24 Prozent — ein Zeichen, dass der mittelfristige Trend nach unten zeigt, während der Token kurzfristig eine Bodenbildung versucht.

Die Marke von einem Dollar hat XRP über den ganzen Sommer verteidigt. Genau diese Zone dürfte entscheidend bleiben, sollte die Abstimmung scheitern oder verschoben werden.

Ob Ripples öffentliche Kampagne noch genug demokratische Stimmen mobilisiert, entscheidet sich in den kommenden zwei bis drei Wochen. Gelingt der Durchbruch vor der Sommerpause, bekäme XRPs regulatorischer Status eine gesetzliche Absicherung, die eine einzelne Behördenentscheidung allein nicht bieten kann. Scheitert die Abstimmung am 7. August, verschiebt sich die Debatte frühestens in den Herbst.