XRP notiert bei 1,02 US-Dollar und legt am heutigen Mittwoch um 1,26 Prozent zu – ein kleines Lebenszeichen nach einer Woche, in der die Kryptowährung zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von einem Dollar gefallen war. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 4,62 Prozent, seit Jahresbeginn hat XRP fast die Hälfte seines Wertes verloren.

Die entscheidende Frage für Anleger lautet derzeit: Reicht die Unterstützung bei einem Dollar, oder folgt der nächste Rutsch? Die Marktkapitalisierung von XRP ist in den vergangenen drei Monaten um 29 Prozent gefallen, während der Kurs rund 69 Prozent unter seinem Hoch aus dem Sommer 2025 bei 3,66 Dollar liegt. Das 52-Wochen-Tief von 0,9929 Dollar wurde erst am Dienstag markiert, der aktuelle Kurs liegt nur gut drei Prozent darüber.

Große Halter kaufen trotz fallender Kurse

Auffällig ist die Divergenz zwischen Kurs und Halterstruktur. Laut Daten der Analyseplattform Santiment ist die Zahl der XRP-Wallets mit mindestens einer Million Token in den vergangenen drei Monaten um 32 auf insgesamt 2.038 gestiegen – trotz des deutlichen Wertverlusts.

Allein in der Woche bis Dienstag haben große Halter rund 380 Millionen XRP hinzugefügt. Ein Großteil der Abflüsse von der Handelsplattform Binance, laut den ausgewerteten Daten 81 Prozent, wandert in Self-Custody-Wallets – ein Signal, dass Anleger ihre Bestände langfristig halten statt kurzfristig zu handeln wollen.

Gleichzeitig kühlt das institutionelle Interesse über ETF-Produkte merklich ab. Die Netto-Zuflüsse in XRP-ETFs sind laut den ausgewerteten Fondsdaten binnen einer Woche um 93 Prozent auf nur noch rund 1,01 Millionen Dollar eingebrochen, nachdem sie zuvor bei 14,86 Millionen Dollar gelegen hatten.

Der Grayscale XRP Trust verzeichnete im ersten Halbjahr Nettoabflüsse von über 100 Millionen Token. Diese Gegenläufigkeit – Wal-Akkumulation bei schwacher ETF-Nachfrage – deutet auf ein gespaltenes Bild zwischen langfristig orientierten Großanlegern und kurzfristig orientierten institutionellen Fondskäufern hin.

Bridge-Hack belastet zusätzlich

Zur ohnehin angespannten Stimmung kam am Sonntag ein Sicherheitsvorfall hinzu: Eine Cross-Chain-Bridge zwischen dem XRP Ledger und der Blockchain Coreum wurde binnen 97 Minuten um rund 200.000 XRP im Gegenwert von etwa 200.000 Dollar erleichtert.

Laut Berichten des Portals CoinDesk nutzte der Angreifer eine Schwachstelle in der Erkennung von Einzahlungen aus, wodurch gefälschte Deposits als echt erkannt wurden. Von 28 Relayern bestätigten 17 die betrügerischen Transaktionen.

Der Betreiber tx stoppte die Bridge, patchte die Lücke und erstattete Anzeige bei der US-Bundespolizei FBI. Der XRP Ledger selbst war von dem Vorfall nicht betroffen, eine Entschädigung der Geschädigten steht noch aus.

Institutionelle Projekte laufen weiter

Trotz der Turbulenzen schreitet die technische und institutionelle Weiterentwicklung des Netzwerks voran. Ripple unterstützt die Ledger-Erweiterungen XLS-65 für sogenannte Single Asset Vaults und XLS-66 für befristete Kreditvergabe direkt auf der Blockchain, für die XRPL Commons bereits 257 erfolgreiche Tests im Entwicklernetzwerk meldet.

Parallel hat die britische Vermögensverwaltung Aviva Investors eine tokenisierte Anteilsklasse ihres US-Dollar-Liquiditätsfonds auf dem XRP Ledger aufgelegt, genehmigt von der Zentralbank Irlands.

Das Fondsvolumen liegt bei rund 1,23 Milliarden Dollar, verwahrt wird es über Komainu und BNY Mellon. XRP selbst ist dabei nicht der zugrunde liegende Vermögenswert, dient aber als Infrastruktur für die Abwicklung.

Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Technologische Fortschritte und wachsende institutionelle Nutzung des Ledgers stehen einer schwachen kurzfristigen Preisentwicklung und einem Sicherheitsvorfall gegenüber, der das Vertrauen in die Bridge-Infrastruktur belastet hat.