Während sich XRP mühsam über der Marke von einem Dollar hält, sorgt ein Sicherheitsvorfall an einer angeschlossenen Bridge für neue Unruhe. Rund 200.000 XRP im Wert von etwa 202.000 Dollar wurden Anfang der Woche über eine Schwachstelle in der Einzahlungslogik einer Bridge des Projekts Tx erbeutet — technisch betrifft das nicht die XRP Ledger selbst, wirft aber ein Schlaglicht auf die Infrastruktur rund um das Netzwerk.
Wie der Angriff ablief
Laut Angaben des Projekts registrierte die Bridge-Software fälschlicherweise Transaktionen als Einzahlungen, obwohl gar keine XRP eingegangen waren. Der Angreifer nutzte diese Lücke, um ungedeckte XRP auf der angeschlossenen Chain zu erzeugen und anschließend gegen echte XRP einzutauschen. Über 94 Zahlungen innerhalb von 97 Minuten wurden so freigegeben, jede davon von 17 der 28 Relayer autorisiert, die eigentlich beide Chains überwachen sollten.
Eine unabhängige Analyseplattform widersprach dabei einer ersten Erklärung, wonach das XRPL-Feature „Rippling“ für den Abfluss verantwortlich sei — native XRP lässt sich technisch gar nicht so bewegen. Der tatsächliche Fehler lag in der Relayer-Logik, die Eigenzahlungen des Angreifers als reguläre Einzahlungen interpretierte. Die gestohlenen Mittel wurden anschließend über mehrere Umwege in Ethereum getauscht und über den Mixer Tornado Cash verschleiert. Die Bridge bleibt vorerst offline, das Projekt hat eine Anzeige beim FBI eingereicht und Forensik-Spezialisten eingeschaltet.
Der Kurs reagierte auf den Vorfall kaum. XRP notiert weiterhin nahe der Ein-Dollar-Marke, bei einer Marktkapitalisierung von rund 64 Milliarden Dollar. Auf Wochensicht steht ein Minus von etwa 4,5 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat der Token rund 46,5 Prozent verloren.
Der eigentliche Belastungsfaktor sitzt in Washington
Wichtiger als der isolierte Bridge-Vorfall bleibt für XRP die politische Lage. Der Clarity Act, der Kryptowährungen einen klaren regulatorischen Rahmen geben soll, wurde erneut verschoben — die Abstimmung im US-Senat ist nun für den 15. September angesetzt. Bis dahin fehlt institutionellen Investoren die Rechtssicherheit, auf die viele seit dem Ende des Rechtsstreits zwischen Ripple und der US-Börsenaufsicht SEC gehofft hatten.
Diese Unsicherheit zeigt sich in den Fondszahlen. In der Woche bis zum 8. August flossen lediglich 1,01 Millionen Dollar in die sieben verfügbaren Spot-XRP-ETFs, in der Vorwoche waren es noch 14,86 Millionen Dollar gewesen — ein Rückgang um rund 93 Prozent. Zusammen verwalten die Fonds aktuell knapp eine Milliarde Dollar.
Ein gegenläufiges Signal liefern große Wallets: Nach Analystenangaben haben sogenannte Wale in der vergangenen Woche mehr als 380 Millionen XRP aufgekauft, während die Netzwerkaktivität gleichzeitig deutlich zurückging. Dieser Widerspruch zwischen institutionellem Rückzug und Akkumulation großer Adressen prägt derzeit das Bild.
Charttechnisch bleibt die Zone um einen Dollar die entscheidende Unterstützung, während bei etwa 1,06 Dollar ein größerer Widerstand liegt, an dem in der Vergangenheit viel Handelsvolumen umgesetzt wurde. Ob der Kurs bis zur Senatsabstimmung am 15. September Kraft für einen Ausbruch findet, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die ETF-Zuflüsse wieder stabilisieren.
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