Ripple hat am 1. September 700 Millionen XRP im Gegenwert von rund 952 Millionen Dollar in neue Escrow-Verträge zurückgesperrt und damit erneut Angebotsdisziplin demonstriert. 300 Millionen Token verblieben in aktiven Wallets.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der Anleger auf ein anderes Ereignis blicken: Am 15. September steht im US-Senat die Cloture-Abstimmung über den CLARITY Act an, jenes Gesetz, das die Aufsicht über Digital Assets zwischen SEC und CFTC klar aufteilen soll.
Politischer Termin mit ungewissem Ausgang
SEC-Chairman Paul Atkins äußerte sich zuversichtlich, dass der Senat den CLARITY Act noch im September voranbringt und das Gesetz anschließend an Präsident Trump geht. Das Repräsentantenhaus hatte die Vorlage bereits im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen verabschiedet.
Die Wettplattform Kalshi räumt dem Gesetz derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 49 Prozent ein, in diesem Jahr tatsächlich in Kraft zu treten – Polymarket sieht die Chance mit 15 Prozent deutlich pessimistischer, während Kalshi für einen längeren Zeithorizont sogar 30 bis 50 Prozent nennt.
Die Kryptobranche hat für diese Ziele Gewicht in die Waagschale geworfen: In den vergangenen 18 Monaten bis Juni flossen 206 Millionen Dollar in politische Spenden, eingebettet in insgesamt 646 Millionen Dollar an Unternehmensspenden aus der Branche insgesamt.
Der Kurs reagiert bislang verhalten auf diese Gemengelage. XRP notiert aktuell bei 1,37 Dollar und legt am heutigen Handelstag 1,5 Prozent zu. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,7 Prozent zu Buche, während sich der 30-Tage-Blick mit einem Plus von 27 Prozent deutlich freundlicher darstellt. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 7,5 Prozent zeigt, dass sich der mittelfristige Trend zuletzt gedreht hat.
Institutionelles Fundament wächst unabhängig vom Senat
Losgelöst von der politischen Zitterpartie verdichtet sich die institutionelle Infrastruktur rund um XRP. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) veröffentlichte am Dienstag ein Arbeitspapier über ein System, das offizielle Bankenstatistiken auf dem XRP Ledger verankert.
Getestet wurde es anhand konsolidierter Bankenstatistiken aus drei Ländern über zwölf Quartale, mit einer medianen Latenz von drei bis fünf Sekunden und Kosten unter einem US-Cent. Der zugehörige Code liegt unter Apache-2.0-Lizenz offen.
Auf dem Ledger selbst zeigt sich eine Verschiebung der Nutzung: Das tägliche Orderbuch-Volumen im zweiten Quartal 2026 stieg um 79 Prozent auf durchschnittlich 3,57 Millionen XRP, während die Zahl aktiver Handelskonten von 1.864 auf 1.111 zurückging – der Handel konzentriert sich also auf weniger, aber deutlich aktivere Akteure.
Der Stablecoin RLUSD wuchs parallel kräftig: Sein Angebot auf dem XRP Ledger kletterte von 73 Millionen auf 539 Millionen Dollar, sein Anteil am gesamten On-Chain-Wert von 20 auf 34 Prozent.
Auch bei den Spot-ETFs auf XRP hält der Zufluss an: In der Woche bis zum 28. August kamen 110 Millionen Dollar hinzu, kumuliert stehen die Produkte bei 1,66 Milliarden Dollar. Goldman Sachs hält darüber mittlerweile rund 87 Millionen Dollar in XRP-ETFs.
Regulatorischer Rückenwind aus mehreren Richtungen
Zusätzlich zum CLARITY Act bewegt sich auch an anderer Stelle etwas: Die SEC schlug am Dienstag vor, die Regeln für Transfer Agents zu modernisieren und Blockchain-Technologie offiziell als Eigentumsregister zuzulassen – ein Vorschlag, der noch eine 60-tägige Kommentarfrist durchlaufen muss.
Parallel bereitet sich die geplante Übernahme von Evernorth durch Armada auf ihren Abschluss vor: Das SEC-Formular S-4 ist wirksam, die Aktionärsabstimmung findet am 30. September statt, danach soll das fusionierte Unternehmen unter dem Nasdaq-Ticker XRPN notieren.
Für Anleger bleibt der 15. September damit der entscheidende Termin. Fällt die Cloture-Abstimmung positiv aus, hätte XRP als eines der am stärksten regulatorisch diskutierten Digital Assets viel zu gewinnen – scheitert sie, dürfte die Unsicherheit über die Aufsichtsstruktur den Markt vorerst weiter begleiten.
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