XRP notiert bei 1,08 US-Dollar und verliert am heutigen Handelstag 2,45 Prozent – nur gut sieben Prozent trennen den Kurs damit noch vom 52-Wochen-Tief bei 1,01 US-Dollar, das erst Ende Juni markiert wurde. Während der Token um seine Jahrestiefstände kämpft, entscheidet sich in Washington zeitgleich das Schicksal des CLARITY Act, jenes Gesetzes, das die US-Kryptoregulierung neu ordnen soll. Für den Kurs von XRP ist beides eng verzahnt: Sinkende Handelsvolumina und ein politisch blockiertes Regelwerk drücken gleichermaßen auf die Stimmung.

Kursrutsch trotz technischer Erholungssignale

Der aktuelle Kurs liegt 24,43 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,44 US-Dollar – ein Indiz dafür, dass der mittelfristige Abwärtstrend intakt bleibt, auch wenn kurzfristige Stabilisierungsversuche zu beobachten sind. Traders Union führte den heutigen Rückgang auf einen erneuten Test der Unterstützungszone sowie überverkaufte Signale zurück, die weiteren Verkaufsdruck begrenzen könnten. Auf dem Monatschart identifizierte COINTURK NEWS bereits am 16. Juli ein TD-Sequential-Kaufsignal bei 1,109 US-Dollar, das auf eine mögliche Erschöpfung des Verkaufsdrucks hindeutet – historisch gilt der Juli laut derselben Quelle als überdurchschnittlich starker Monat für XRP.

Fundamental zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Laut AOL ist die auf Börsen gehaltene XRP-Menge in neun Monaten von 3,76 Milliarden auf rund 1,6 Milliarden Token gefallen – ein Sieben-Jahres-Tief, das auf steigende Selbstverwahrung und ETF-Zuflüsse zurückgeht. Spot-ETFs zogen demnach rund 970 Millionen XRP aus dem Umlauf, während Wale in sechs Monaten weitere 1,53 Milliarden Token aufkauften und mittlerweile 74 Prozent des Angebots kontrollieren. Dass der Preis trotz sinkender Börsenliquidität nicht steigt, führt AOL auf die parallel schwache Nachfrage zurück – zuletzt flossen laut CCN.com binnen einer Woche 7,18 Millionen US-Dollar aus XRP-ETFs ab, nachdem FXStreet zuvor nur magere Zuflüsse von 107.000 US-Dollar registriert hatte.

CLARITY Act: Ethik-Streit blockiert Senat

Politisch steht der 17. Juli im Mittelpunkt: Präsident Trump trifft an diesem Tag Senatoren, um den CLARITY Act voranzubringen, der die Aufsicht über digitale Vermögenswerte zwischen SEC und CFTC neu aufteilen soll. Trump hatte den finalen Gesetzestext bereits am 16. Juli abgesegnet, nachdem der Senate Banking Committee das Vorhaben im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen vorangebracht hatte; das Repräsentantenhaus billigte eine frühere Fassung bereits im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen.

Die eigentliche Hürde bleibt jedoch die fehlende demokratische Unterstützung. Republikaner verfügen über 52 Senatssitze und benötigen sieben demokratische Stimmen, um die 60-Stimmen-Schwelle zu erreichen. Senatorin Warren fordert von Trump eine aktualisierte Offenlegung seiner Krypto-Einkünfte bis zum 23. Juli, nachdem seine Erklärung für 2025 Einnahmen von rund 1,4 Milliarden US-Dollar auswies – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Sie argumentiert, das Gesetz könne bestehende Interessenkonflikte noch verstärken. Prognosemärkte spiegeln die Unsicherheit: Bei Polymarket lag die Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung 2026 zuletzt bei 41 Prozent, bei Kalshi bei 36 Prozent, während die Chance auf eine Senatsabstimmung überhaupt mit 79 Prozent beziffert wurde. Senatorin Lummis rechnet laut BigGo Finance dennoch mit einer Abstimmung noch in der kommenden Woche. Ripple-Chefjustiziar Stuart Alderoty kritisierte ablehnende Senatoren scharf und warnte, ohne das Gesetz blieben Krypto-Inhaber schutzlos gegenüber Betrügern.

Institutionen setzen auf Ripple trotz Volatilität

Abseits der politischen Hängepartie mehren sich institutionelle Signale rund um Ripple. Die Depository Trust & Clearing Corporation, die nach eigenen Angaben Vermögenswerte im Umfang von 114 Billionen US-Dollar verwaltet, startete erste Aktien-Tokenisierungstransaktionen auf XRP-kompatibler Infrastruktur, wobei Citadel Securities die ersten Trades ausführte. Citadel hatte im Oktober 2025 bereits 500 Millionen US-Dollar in Ripple investiert. Der Marktwert des ripple-eigenen Stablecoins RLUSD überschreitet inzwischen 1,5 Milliarden US-Dollar.

Ripple engagiert sich zudem für die Wholesale-Digital-Markets-Initiative des britischen Finanzministeriums, die laut Schätzungen bis 2035 einen jährlichen BIP-Effekt von 33 Milliarden Pfund bringen könnte. Ripple-CEO Brad Garlinghouse offenbarte dabei, das Unternehmen sei nach der SEC-Klage im Dezember 2020 nahe an der Schließung gewesen und habe rund 150 Millionen US-Dollar an Rechtskosten aufgewendet. Auf technischer Ebene meldete Analytics Insight, das XRP Ledger habe die Marke von acht Millionen aktivierten Konten überschritten, während tokenisierte reale Vermögenswerte auf der Blockchain einen Wert von über vier Milliarden US-Dollar erreichten. Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite stehen wachsende institutionelle Anbindungen, auf der anderen ein Kurs, der sich dem Jahrestief nähert und auf die politische Entscheidung in Washington wartet.