Die Zentralbank Irlands hat einer der bislang größten Tokenisierungs-Initiativen im europäischen Fondsgeschäft grünes Licht gegeben. Aviva Investors, ein Vermögensverwalter mit rund 350 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen, startet eine tokenisierte Anteilsklasse seines USD-Liquiditätsfonds auf der XRP Ledger. Es ist die erste Tokenisierung eines Aviva-Fonds überhaupt – und für Ripple ein weiterer Beleg dafür, dass die eigene Blockchain im institutionellen Fondsgeschäft ankommt.

Aviva bringt ersten tokenisierten Fonds auf die Ledger

Der zugrunde liegende Fonds existiert bereits seit 2020, Anlageziele und Risikoprofil bleiben unverändert. Neu ist lediglich die technische Hülle: Nach dem sogenannten Digital-Twin-Modell bildet ein On-Chain-Token den weiterhin off-chain verwalteten Fonds ab, während BNY Mellon die Vermögenswerte verwahrt. Komainu übernimmt die Krypto-Custody, Licuido die Tokenisierungs-Infrastruktur. Die Partnerschaft zwischen Aviva und Ripple besteht bereits seit Februar. Irland verwaltet nach eigenen Angaben rund 5,4 Prozent der weltweiten Fondsvermögen – ein Umfeld, in dem eine solche Genehmigung Signalwirkung für weitere Asset Manager haben dürfte. Die XRP Ledger selbst kommt inzwischen auf gut vier Milliarden Transaktionen und rund acht Millionen Wallets, betrieben über mehr als 130 Validatoren.

Der Deal reiht sich in eine Serie institutioneller Zuflüsse ein, die den XRP-Markt seit Wochen begleitet. Die in den USA gehandelten XRP-Spot-ETFs haben nach eigenen Angaben der Anbieter kumulierte Nettozuflüsse von 1,5 Milliarden Dollar erreicht – ein Rekordwert. Allein am Mittwoch vergangener Woche flossen 584.710 Dollar netto zu, die erste positive Tagesbewegung seit dem 25. Juli. Unter den Anbietern dominiert der Fonds XRPZ von Franklin Templeton mit rund 254 Millionen Dollar verwaltetem Vermögen und mehr als 540.000 absorbierten XRP. Nach Angaben mehrerer Marktbeobachter verzeichnen die Produkte damit bereits die neunte Woche in Folge Nettozuflüsse.

Kurs bewegt sich seitwärts trotz institutioneller Nachfrage

Die positive Nachrichtenlage hat den Kurs bislang kaum bewegt. XRP notiert aktuell bei 1,08 US-Dollar und legt im Tagesvergleich um 0,78 Prozent zu. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 42,35 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch von 3,37 Dollar aus dem vergangenen August trennen den Kurs weiterhin 67,92 Prozent. Die Diskrepanz zwischen institutionellem Interesse und Kursentwicklung fällt auch Analysten auf: Nach Einschätzung von Marktbeobachtern bleibt das verwaltete Vermögen der ETFs mit knapp 989 Millionen Dollar noch deutlich hinter den kumulierten Nettozuflüssen von 1,5 Milliarden Dollar zurück, was auf Bewertungsverluste im Portfolio hindeutet.

Auch die Bankenseite bleibt gespalten. Standard Chartered hat sein Kursziel für das laufende Jahr um 65 Prozent gekappt, hält aber am Ziel von 28 Dollar für das Jahr 2030 fest – eine Bewertung, die einer Marktkapitalisierung von mehr als 2,1 Billionen Dollar entspräche. JPMorgan wiederum warnt, dass die anhaltende Verzögerung des sogenannten Clarity Act zum Belastungsfaktor für den gesamten Kryptomarkt werden könnte, und beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des Gesetzes bis Jahresende auf 37 Prozent.

Clarity Act bremst, Wale kaufen weiter

Der US-Senat hat den Clarity Act, der die Zuständigkeiten von SEC und CFTC für Kryptowährungen klären soll, am Montag erneut vertagt und geht bereits am 7. August in die Sommerpause. Mehr als 100 Änderungsanträge haben den Gesetzestext von ursprünglich 278 auf inzwischen 616 Seiten anschwellen lassen, Senatorin Elizabeth Warren reichte allein über 40 Anträge ein. Senatorin Cynthia Lummis zeigte sich zuletzt sichtlich ungeduldig mit dem Tempo der Beratungen. Finanzminister Scott Bessent forderte den Senat unterdessen öffentlich zu einer Abstimmung auf.

Trotz der politischen Hängepartie mehren sich Berichte über zunehmende Bestände großer Wallets sowie über historisch hohe Auszahlungen von der Handelsbörse Binance – Signale, die manche Beobachter als wachsende langfristige Überzeugung institutioneller Anleger deuten. Ob sich das auch kurzfristig im Kurs niederschlägt, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob der Clarity Act nach der Senatspause im Herbst tatsächlich vorankommt.