Der amerikanische Kongress ringt weiter um ein zentrales Regelwerk für Digitalwährungen – und XRP steht mitten im Spannungsfeld zwischen politischem Stillstand und technischer Stabilisierung. Während der sogenannte CLARITY Act im Senat an einer fehlenden Mehrheit scheitert, notiert die Kryptowährung bei 1,13 US-Dollar und verliert im Tagesverlauf 1,03 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 1,01 US-Dollar, markiert am 26. Juni 2026, beträgt der Abstand nur noch 11,66 Prozent – ein Zeichen dafür, wie nah der Kurs trotz der politischen Unsicherheit an seinen Jahrestiefständen verharrt.
Ethikstreit blockiert Abstimmung vor der Sommerpause
Senatsmehrheitsführer John Thune plant für die kommende Woche eine Abstimmung über den CLARITY Act, das zentrale Gesetz zur Marktstruktur für Digitalwerte. Republikaner veröffentlichten am 22. Juli 2026 einen überarbeiteten, rund 620 Seiten starken Entwurf, der Präsidenten und Bundesbeamten das Ausgeben oder Sponsern digitaler Assets untersagt – eine direkte Reaktion auf die Kritik an Donald Trumps Krypto-Geschäften. Laut der New York Times verdiente Trump im Jahr 2025 bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar aus Krypto-Unternehmen. Die Ethikklausel läuft am 20. Januar 2029 aus und soll vom Justizministerium durchgesetzt werden.
Genau daran entzündet sich der Streit. Mehrere demokratische Senatoren – darunter Alsobrooks, Booker, Cortez Masto, Gallego, Hickenlooper, Warner und Warnock – erklärten laut CoinDesk, der Entwurf falle bei Ethik, Verbraucherschutz und der Bekämpfung illegaler Finanzströme zu kurz. Senatorin Alsobrooks kündigte an, gegen den aktuellen Text zu stimmen, solange allein das Justizministerium für die Durchsetzung zuständig ist. Republikaner verfügen über 53 Sitze und benötigen mindestens sieben demokratische Stimmen für die nötige 60-Stimmen-Hürde. Die Wettplattform Polymarket senkte ihre Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung in diesem Jahr von 43 auf rund 35 Prozent. Auch innerhalb der Republikaner regt sich Widerstand: Senator Thom Tillis lehnt den Entwurf ohne weitere Änderungen ab, während Senator John Kennedy von zusätzlichen Bedenken in der eigenen Fraktion berichtet. Bankenverbände wie die American Bankers Association warnen zudem, eine Stablecoin-Regelung im Entwurf könnte das Zinsverbot des Genius Act umgehen und nach Einschätzung des US-Finanzministeriums Einlagen von 6,6 Billionen US-Dollar gefährden.
Ripple-Stimmen drängen auf schnelle Verabschiedung
Ripple-Chef Brad Garlinghouse forderte den Senat auf, das Gesetz zu verabschieden, ebenso Coinbase-CEO Brian Armstrong, der von einem überparteilichen Kompromiss „auf der Ziellinie“ sprach. Der auf XRP spezialisierte Anwalt John Deaton kritisierte die demokratische Ablehnung der DOJ-Durchsetzung scharf und warnte vor einem regulatorischen Flickenteppich der Bundesstaaten. Senator Kevin Cramer sagte gegenüber Fox Business, der Entwurf gewinne an Klarheit und müsse vor der Sommerpause verabschiedet werden – XRP sei bereits gerichtlich als Ware eingestuft, das Gesetz würde diesen Status lediglich zementieren. Ripple-Rechtschef Stuart Alderoty verwies darauf, dass mittlerweile 67 Millionen Amerikaner – jeder vierte Erwachsene – Kryptowährungen besitzen, mit zwölf Millionen neuen Haltern im vergangenen Jahr.
Technisches Bild: Widerstand im Fokus, Wale bauen Positionen aus
Abseits der Politik zeigt sich XRP charttechnisch angespannt, aber nicht ohne Hoffnungssignale. Wallets mit Beständen zwischen 100.000 und 100 Millionen XRP bauten ihre Positionen innerhalb von fünf Wochen um 2,8 Prozent aus, während Kleinanleger mit weniger als 0,1 XRP ihre Bestände um 5,2 Prozent reduzierten. XRP-ETFs verzeichneten am 21. Juli einen Nettozufluss von 5,66 Millionen US-Dollar, kumuliert seit Auflegung rund 1,49 Milliarden US-Dollar. Auf dem XRP Ledger wurden zudem mehr als eine Million sogenannter agentischer Transaktionen verarbeitet. Der Teucrium-CEO bezeichnete die jüngste Kursschwäche als seltene Kaufgelegenheit, während charttechnische Analysten einen monatlichen Kaufsignal-Indikator (TD Sequential) sehen: Ein Ausbruch über die Marke von 1,13 US-Dollar könnte demnach eine Rally von bis zu 20 Prozent in Richtung 1,35 US-Dollar auslösen, sofern der Widerstandsbereich zwischen 1,16 und 1,20 US-Dollar überwunden wird.
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