XRP verbringt das Wochenende um den amerikanischen Unabhängigkeitstag ohne das Signal, auf das Trader seit Monaten hoffen. Der CLARITY Act, der XRP als Rohstoff statt als Wertpapier einstufen würde, verpasst sein ursprüngliches Ziel vom 4. Juli. Der Token bewegt sich damit weiter unter Druck.
Senatskalender verschiebt Abstimmung in den Spätsommer
Der US-Senat ist seit dem 29. Juni in der Sommerpause und kehrt erst am 13. Juli zurück. Die Führung will die erste Woche danach für ein Verteidigungsgesetz nutzen. Damit rückt die Abstimmung zum CLARITY Act frühestens auf Ende Juli oder die erste Augustwoche.
Das Gesetz braucht 60 Stimmen im Senat. Rund sieben Demokraten müssten dafür die Seiten wechseln. Verhandlungen scheiterten vergangene Woche an einer Ethik-Klausel, die sich auf die eigenen Krypto-Bestände von Präsident Trump bezieht.
Wie Märkte auf Fortschritte reagieren können, zeigte sich bereits im Mai. Am 14. Mai sprang XRP um rund 4,5 Prozent auf 1,49 Dollar — ausgelöst allein durch eine Ausschussabstimmung, die den Gesetzentwurf vorantrieb. Eine vollständige Verabschiedung könnte eine deutlich stärkere Reaktion auslösen.
Kurs klebt an kritischer Marke
Ohne den politischen Katalysator bestimmen fast ausschließlich Chartmarken die kurzfristige Richtung. Aktuell notiert XRP bei 1,09 Dollar, nach einem Plus von 3,25 Prozent am Freitag und einem Wochenzuwachs von 4,24 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von gut 10 Prozent zu Buche.
Der Blick auf die längere Frist zeigt das Ausmaß der Korrektur deutlicher. Seit Jahresbeginn hat XRP über 42 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar mehr als die Hälfte seines Werts. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 trennen den Token aktuell rund 70 Prozent.
Die Marke von 1,01 Dollar markiert das 52-Wochen-Tief, erreicht erst am 26. Juni. Zwischen 1,00 und 1,06 Dollar hat sich eine dichte Kaufzone gebildet, die bislang weiteren Rückgängen entgegenwirkt. Ein Tagesschluss unter 1 Dollar könnte den Weg Richtung 0,80 Dollar öffnen. Nach oben begrenzt eine Widerstandszone bei 1,18 bis 1,20 Dollar den Spielraum.
Der RSI von 42,9 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Der Kurs liegt rund 27 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,49 Dollar — ein Zeichen, wie stark der übergeordnete Trend noch nach unten zeigt.
ETF-Zuflüsse trotzen der Kursschwäche
Während der Preis lahmt, klettert die institutionelle Nachfrage über börsengehandelte Produkte weiter. XRP-Spot-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von 22,99 Millionen Dollar — die achte Zuwachswoche in Folge. Bitwise führte dabei die Liste an: Allein am 26. Juni flossen 11,18 Millionen Dollar in den hauseigenen XRP-ETF.
Der Kontrast zum breiteren Krypto-ETF-Markt fällt deutlich aus. Bitcoin-ETFs verzeichneten an einem einzigen Tag Abflüsse von 444,50 Millionen Dollar, als BTC unter die Marke von 60.000 Dollar rutschte. Die sieben aktiven XRP-Fonds kommen inzwischen zusammen auf ein verwaltetes Vermögen von fast einer Milliarde Dollar, ohne einen einzigen Abfluss-Tag in der vergangenen Woche.
Netzwerk-Aktivität zieht an
Unter der ruhigen Preisoberfläche zeigt die Netzwerknutzung Lebenszeichen. Ende Juni entstanden binnen eines Tages fast 5.000 neue Wallets auf dem XRP Ledger — der stärkste Wachstumsschub seit drei Monaten. Auch die Stimmung in Online-Diskussionen hat sich gedreht: Positive Kommentare übertreffen negative inzwischen im Verhältnis von etwa 3,7 zu 1, der höchste Wert seit drei Monaten.
Blick auf Makrolage und Kursziele
Solange der CLARITY Act auf sich warten lässt, orientieren sich Analysten stärker an Technik und Makrodaten als an Ripple-spezifischen Nachrichten. Entscheidend bleiben Bitcoins Preisniveau und die nächsten Zinsschritte der Fed. Die Zone zwischen 1,00 und 1,20 Dollar trennt dabei eine mögliche Erholung von einem erneuten Abrutschen.
Auch die langfristige Einschätzung der Wall Street ist vorsichtiger geworden. Standard Chartered senkte sein Kursziel für Ende 2026 nach dem Ausverkauf im Februar von 8,00 auf 2,80 Dollar. Das Ziel für 2030 beließ die Bank unverändert bei 28,00 Dollar.
Die Senatsdebatte zur Ethik-Klausel um Trumps Krypto-Bestände bleibt der entscheidende Stolperstein für einen Zeitplan. Bis zur Rückkehr des Senats am 13. Juli dürfte sich an der Ausgangslage wenig ändern.
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