XRP kämpft weiter um seine psychologisch wichtige Marke: Der Token notiert aktuell bei 1,04 US-Dollar und liegt damit 69,01 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,35 Dollar, das im August vergangenen Jahres erreicht wurde. Zum gleitenden 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand 4,54 Prozent nach unten. Der Grund für die Schwäche ist nicht neu, aber er wirkt inzwischen wie ein Dauerzustand: Der US-Senat hat die Abstimmung über den CLARITY Act erneut verschoben, dieses Mal auf Mitte September.

Verschobene Abstimmung drückt auf die Stimmung

Senatsmehrheitsführer John Thune reichte am Freitag einen Antrag auf Verfahrensabstimmung (Cloture) ein, eine Entscheidung vor der parlamentarischen Sommerpause kam damit nicht mehr zustande. Frühestens am 15. September könnte der Senat nun über das Gesetz abstimmen, das digitale Vermögenswerte regulatorisch einordnen soll. Der Weißes-Haus-Berater Patrick Witt machte die Demokraten für die Verzögerung verantwortlich, unter anderem nannte er den Namen von Chuck Schumer. Rechnerisch brauchen die Republikaner, die 53 Sitze halten, 60 Stimmen für die nötige Zweidrittelmehrheit. Galaxy Research senkte die von ihr geschätzte Wahrscheinlichkeit einer Gesetzesverabschiedung bereits Ende Juli von 50 auf 30 Prozent. Auf der Prognoseplattform Polymarket wird die Chance auf ein Gesetz bis Ende 2026 nur noch mit 21 Prozent gehandelt, bei Kalshi liegt der entsprechende Wert bei 17 Prozent. Bleibt der CLARITY Act bis zum 3. Januar 2027 unverabschiedet, müsste der Gesetzgebungsprozess von Neuem beginnen.

Wale kaufen, institutionelle Fonds bluten

Während der Kurs schwächelt, greifen große Halter offenbar zu: Nach Angaben aus der On-Chain-Analyse akkumulierten XRP-Wale binnen einer Woche 380 Millionen Token, ihr Gesamtbestand liegt inzwischen bei 8,13 Milliarden XRP. Auch Ripple selbst bewegte Bestände: Das Unternehmen gab 1 Milliarde XRP aus dem Escrow frei, überführte davon aber 700 Millionen wieder in die Verwahrung. Ganz anders das Bild bei institutionellen Fondsprodukten. Der Grayscale XRP Trust verkaufte im ersten Halbjahr 103 Millionen XRP im Gegenwert von 180,78 Millionen Dollar und reduzierte seine Bestände von 122 auf 55 Millionen Token. Das Nettovermögen des Trusts schrumpfte dadurch von 223 Millionen Dollar im Dezember auf nur noch 57 Millionen Dollar Ende Juni, bei realisierten Verlusten von 34 Millionen und unrealisierten Verlusten von weiteren 17 Millionen Dollar. Auch der Canary XRP ETF verzeichnete im ersten Halbjahr einen Rückgang des Nettovermögens um 81,6 Millionen auf 241,2 Millionen Dollar, obwohl netto 82,36 Millionen Dollar an frischem Kapital zuflossen – die unrealisierte Wertminderung der gehaltenen XRP-Bestände von 159,7 Millionen Dollar zehrte den Zufluss vollständig auf. Der Fonds hält inzwischen dennoch 31,7 Prozent mehr Token als zum Jahresende.

ETF-Zuflüsse laufen weiter, aber deutlich langsamer

Die Zuflüsse in XRP-Spot-ETFs setzten sich zwar fort, verloren aber merklich an Tempo. Nach Angaben von SoSoValue sackten die Zuflüsse in der laufenden Woche um rund 93 Prozent auf nur noch etwa 1 Million Dollar ab, nachdem im Juli noch 27,29 Millionen Dollar in die Produkte geflossen waren. Am Freitag kehrten die Fonds nach einem kurzen Abfluss von 3,58 Millionen Dollar – dem ersten seit dem 8. Juli – wieder ins Plus zurück, mit Nettozuflüssen von 3,45 Millionen Dollar, angeführt von Bitwise mit 2,89 Millionen und Franklin Templeton mit 561.560 Dollar. CoinDesk beschreibt die Lage als eine Situation, in der XRP trotz anhaltender ETF-Nachfrage bei der jüngsten Erholung im Kryptomarkt zurückbleibt, während Bitcoin, Ethereum und Solana in der vergangenen Woche zwischen einem und vier Prozent zulegten.

Regulatorische Fortschritte als Hoffnungsschimmer

Abseits der Kursbewegung mehren sich positive regulatorische Signale. Ripple erhielt Anfang Juli eine MiCA-Zulassung als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen von der luxemburgischen Aufsicht CSSF und darf damit regulierte Dienste in 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums anbieten – das Unternehmen verfügt nun über mehr als 75 Lizenzen weltweit. Zudem wird Ripple in einer Initiative des britischen Finanzministeriums für digitale Großhandelsmärkte genannt, die mit 33 Milliarden Pfund bewertet wird und bis 2035 jährliche Steuereinnahmen von 14 Milliarden Pfund einbringen soll; ein Pilotprojekt für den Repo-Markt ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Der Vermögensverwalter Aviva Investors, der 253 Milliarden Pfund verwaltet, hat im Juli bereits eine erste tokenisierte Anteilsklasse aufgelegt. Auf der XRP Ledger selbst wuchs der Wert tokenisierter Vermögenswerte binnen eines Jahres von 150 Millionen auf 4 Milliarden Dollar.

Analysten bleiben gespalten

Geoffrey Kendrick von Standard Chartered hält an seinem Fernziel von 28 Dollar bis 2030 fest, kappte sein kurzfristiges Kursziel für 2026 aber um 65 Prozent auf 2,80 Dollar – abhängig von der Verabschiedung des CLARITY Acts und weiteren regulatorischen Weichenstellungen. Kurzfristig bleibt die Marke von einem Dollar die entscheidende Unterstützung, ein Ausbruch über den Widerstand bei 1,06 Dollar gilt als nächstes technisches Signal für eine Erholung in Richtung der Ziele von 1,35 und 1,64 Dollar.