Ripple gibt Milliarden frei, der US-Senat bereitet eine historische Abstimmung vor — und XRP notiert trotzdem nahe seinem 52-Wochen-Tief. Der Token steht zum Auftakt des Juni 2026 unter dem Einfluss dreier gleichzeitiger Entwicklungen, die in dieselbe Richtung zeigen könnten, aber bislang keine Trendwende erzwingen.
Escrow-Freigabe: Mehr Schein als Sein
Am 1. Juni hat Ripple Labs planmäßig 1 Milliarde XRP aus dem Escrow-System freigegeben — aufgeteilt auf drei Transaktionen von 500, 400 und 100 Millionen Token. Zum aktuellen Kurs entspricht das einem Gegenwert von rund 1,33 Milliarden Dollar.
Den freien Markt trifft davon nur ein Bruchteil. Ripple re-escrowt den Großteil der freigegebenen Menge und nutzt nur einen kleinen Teil für den eigenen Bedarf. Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen bereits 3,5 Milliarden Token zurückgesperrt — aus der Juni-Freigabe könnten weitere 700 Millionen folgen. Von den insgesamt 100 Milliarden XRP, die je existieren werden, befinden sich derzeit rund 61,85 Milliarden im Umlauf.
CLARITY Act: Gesetz statt Auslegung
Der eigentliche Katalysator wartet im US-Senat. Der CLARITY Act, der XRP dauerhaft als digitales Rohstoff-Asset nach Bundesrecht klassifizieren würde, passierte das Senate Banking Committee am 14. Mai mit 15 zu 9 Stimmen überparteilich. Ein Plenumsvotum gilt als letzter verbleibender Schritt vor einer möglichen Unterzeichnung durch Präsident Trump.
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Marktbeobachter rechnen mit einer Abstimmung zwischen Juni und der frühen August-Pause. Das ursprüngliche Ziel der Weißen Hauses zum 4. Juli gilt inzwischen als ambitioniert — Streit um ein mögliches Verbot für Bundesbeamte, Krypto-Assets zu halten, verzögert den Prozess.
SEC und CFTC hatten XRP bereits im März 2026 gemeinsam als digitales Rohstoff-Asset eingestuft. Diese Klassifizierung ist jedoch eine Auslegungsmitteilung, kein Gesetz. Genau das soll der CLARITY Act ändern: Er würde das Urteil von Richterin Torres in dauerhaftes Bundesrecht überführen. Parallel dazu unterzeichnete Trump am 19. Mai eine Exekutivorder, die die Federal Reserve auffordert, innerhalb von 90 Tagen über den Zugang von Krypto-Unternehmen zur Zahlungsinfrastruktur zu entscheiden — Ripple gehört zu den drei namentlich genannten Firmen.
Starke Fundamentaldaten, schwacher Kurs
Die On-Chain-Aktivität erzählt eine andere Geschichte als der Kursverlauf. Die täglichen Transaktionen auf dem XRP Ledger stiegen im ersten Quartal 2026 um 35,3 Prozent auf durchschnittlich 2,48 Millionen täglich. Die tokenisierte Asset-Basis auf dem XRPL wuchs von knapp einer Milliarde Dollar zu Jahresbeginn auf 3,5 Milliarden Dollar. Anfang Mai schlossen JPMorgan, Mastercard, Ondo Finance und Ripple die erste grenzüberschreitende Einlösung tokenisierter US-Treasuries auf dem XRPL ab — in weniger als fünf Sekunden.
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Spot-XRP-ETFs, die im November 2025 starteten, verzeichneten bis Ende Mai kumulierte Netto-Zuflüsse von 1,41 Milliarden Dollar über fünf Anbieter. Morgan Stanley offenbarte im Q1-Filing Positionen in einem XRP-ETF. Standard Chartered prognostiziert bei einem Gesetzeserfolg des CLARITY Act zusätzliche ETF-Zuflüsse zwischen 4 und 8 Milliarden Dollar — mit einem Kursziel von 8,00 Dollar zum Jahresende, sofern die Zuflüsse 10 Milliarden Dollar erreichen.
Der Kurs selbst notiert bei 1,22 Dollar, rund 66 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 3,56 Dollar. Belastet hat zuletzt vor allem ein Abfluss von fast 3 Milliarden Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs über zehn Handelssitzungen, der Bitcoin unter 70.000 Dollar drückte und Altcoins mitzog.
Ein technisches Detail verdient Aufmerksamkeit: Das Liquidations-Mapping für XRP-Perpetuals auf Binance zeigt ein stark einseitiges Bild. Short-Positionen machen rund 90 Prozent der gehebelten Liquidationen aus — 227 Millionen Dollar auf der Short-Seite stehen lediglich 24 Millionen Dollar auf der Long-Seite gegenüber. Bricht der Kurs nach oben aus, könnte dieses Ungleichgewicht die Bewegung erheblich verstärken. Die Orderbuch-Liquidität auf Binance ist zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Januar 2020 gefallen — was solche Ausschläge in beide Richtungen wahrscheinlicher macht.
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