Ripple stand während des Rechtsstreits mit der US-Börsenaufsicht SEC näher am Abgrund, als bisher bekannt war. CEO Brad Garlinghouse offenbarte bei einem Vortrag an der University of Kansas School of Business, dass das Unternehmen nach der Klage von 2020 eine komplette Schließung erwogen hatte. Der Plan sah vor, die XRP-Bestände anteilig an die Aktionäre zu verteilen.

Garlinghouse nannte die Auflösung die „einfachere Option“ im Kampf gegen eine Behörde mit enormen Ressourcen. Ripple entschied sich dennoch für den Rechtsweg, um hunderte Arbeitsplätze zu erhalten. Die Verteidigung kostete das Unternehmen am Ende rund 150 Millionen Dollar an Anwaltskosten.

Kurs bleibt trotz Rechtssicherheit gedämpft

Die Enthüllung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem XRP bei etwa 1,09 Dollar notiert. Der Kurs legte am Freitag um 0,39 Prozent zu, auf Wochensicht steht ein Plus von 0,63 Prozent. Der Blick auf die letzten 30 Tage zeigt jedoch ein Minus von 3,89 Prozent.

Der SEC-Fall wurde bereits am 1. Juli beigelegt. Der Markt honoriert das kaum. XRP notiert weiterhin rund 70 Prozent unter seinem Zyklushoch von 3,65 Dollar aus dem Juli 2025 und liegt seit Jahresbeginn 41,75 Prozent im Minus.

Der Token bewegt sich derzeit nur acht Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, erreicht Ende Juni. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1,46 Dollar fehlen gut 25 Prozent. Ein RSI von 44 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen — der Markt sucht offenbar noch seine Richtung.

Wale kaufen, während Kleinanleger zögern

Trotz der schwachen Kursentwicklung deutet die Kettenanalyse auf eine bemerkenswerte Verschiebung hin. Am 11. Juli flossen rund 123 Millionen XRP von zentralen Börsen ab — ein Anstieg des Abflussvolumens um 200 Prozent gegenüber den Vorwochen. Große Halter, sogenannte Wale, verschieben ihre Bestände offenbar in Richtung langfristiger Lagerung.

Parallel dazu durchläuft das XRP-Ledger einen technischen Umbau. Die Server-Software Version 3.2.0 hat unter den Validatoren der Unique Node List eine Akzeptanz von 89 Prozent erreicht und damit die für eine netzwerkweite Aktivierung nötige Schwelle von 80 Prozent überschritten. Bei den gesamten aktiven Nodes im Netzwerk läuft die aktualisierte Client-Version bislang jedoch erst bei 43 Prozent.

Neue Lizenz in Luxemburg, Rückzug bei ETFs

Ripple baut seine regulatorische Präsenz in Europa weiter aus. Am 11. Juli erhielt das Unternehmen in Luxemburg die vollständige Zulassung als Krypto-Dienstleister nach MiCA-Standard. Diese Lizenz gilt automatisch in allen 27 EU-Mitgliedstaaten und erlaubt Ripple, regulierte Zahlungs- und Verwahrdienste in der gesamten Region anzubieten.

Das spekulative Interesse an XRP kühlt sich dennoch ab. US-amerikanische Spot-XRP-ETFs verzeichneten zuletzt Nettoabflüsse von 7,29 Millionen Dollar — und beendeten damit eine Serie von neun Wochen mit positiven Zuflüssen in Folge.

Der US-Senat kommt am 13. Juli wieder zusammen. Marktteilnehmer richten den Blick auf mögliche Fortschritte beim CLARITY Act, der die rechtliche Einordnung digitaler Assets klären soll. Ein klarer regulatorischer Rahmen gilt als potenzieller Auslöser für weitere institutionelle Nachfrage nach dem XRP-Ledger.