Ripple baut sein Geschäft aus. XRP verliert trotzdem an Wert. Diese Kluft zwischen Unternehmensfortschritt und Token-Kurs prägt das Wochenende für Anleger.

Der XRP-Kurs notiert aktuell bei 1,10 US-Dollar. Das liegt knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,11 US-Dollar und satte 69 Prozent unter dem Rekordhoch von 3,55 US-Dollar aus dem Juli 2025. Seit Jahresbeginn hat der Token über 41 Prozent verloren.

Ripple startet Mint und expandiert in Europa

Am 24. Juli hat Ripple gleich zwei Neuigkeiten präsentiert. Zunächst die Partnerschaft mit Notabene: Über deren Compliance-Netzwerk sollen Banken künftig einfacher RLUSD-Zahlungen abwickeln können.

Am selben Tag folgte der Start von Ripple Mint. Die neue Plattform lässt Institutionen den Stablecoin RLUSD prägen, einlösen und verwalten – über eine Web-Oberfläche oder per API.

Der Push kommt nicht ohne Grund. RLUSD zeigt echte Traktion: Die Umlaufmenge liegt bei rund 1,51 Milliarden US-Dollar, gedeckt durch Reserven von etwa 1,62 Milliarden US-Dollar. Bargeld, Bargeldäquivalente und kurzfristige US-Staatsanleihen sichern den Stablecoin vollständig ab.

Ripple hat zudem eine vollständige Lizenz als Krypto-Dienstleister in Europa erhalten. Der Konzern kann damit regulierte Services im gesamten europäischen Wirtschaftsraum anbieten. Das Management beschreibt die Strategie klar: XRP soll als Brückenliquidität dienen, RLUSD als reguliertes Abwicklungs-Asset.

Der Chart zeigt ein anderes Bild

Während das Geschäft wächst, bleibt die Charttechnik angespannt. Der Kurs hat die 50-Tage-Linie bei 1,11 US-Dollar und die 200-Tage-Linie unterschritten – ein Bruch, der aus einem mehrwöchigen symmetrischen Dreieck nach unten herausführte.

Die Volatilität ist mit knapp 30 Prozent auf 30-Tage-Basis moderat, der RSI liegt bei 47 – weder überkauft noch überverkauft. Das technische Bild hat sich damit von neutral zu leicht bärisch gedreht.

Nächste Woche dürfte die Zinsentscheidung der US-Notenbank am 28. und 29. Juli die Richtung vorgeben. Steigende Anleiherenditen und ein starker Dollar halten Investoren derzeit von Kryptowährungen fern.

ETF-Zuflüsse kühlen ab

Auch bei den Spot-ETFs auf XRP lässt der Schwung nach. Nach Daten von SoSoValue verzeichneten die Fonds in der vergangenen Woche nur einen Zuwachs von 8,15 Millionen US-Dollar, bei einem Gesamtvermögen von 999,25 Millionen US-Dollar. Zwei Tage brachten Zuflüsse, drei Tage blieben komplett ohne Aktivität.

Der kumulierte Nettozufluss seit Auflage liegt bei 1,49 Milliarden US-Dollar. Die jüngste Flaute zeigt aber: Was einst ein verlässlicher Rückenwind war, wirkt inzwischen deutlich schwächer.

Ripple bringt mit Mint, der EU-Lizenz und wachsendem RLUSD-Volumen einige der stärksten institutionellen Argumente der gesamten Kryptobranche mit ins letzte Juli-Wochenende. Für den Kurs entscheidet trotzdem vor allem das Makroumfeld. Solange Zinssignale und Dollarstärke das Bild dominieren, dürfte der Unternehmensfortschritt an der Börse zunächst zweitrangig bleiben.