Ripple hat am Dienstag im Rahmen des monatlichen Zeitplans 1 Milliarde XRP aus dem Escrow freigegeben – und einen Großteil davon umgehend wieder gesperrt. Von den drei Transaktionen über 500, 400 und 100 Millionen XRP wanderten am Mittwoch bereits 700 Millionen Token zurück in die Verwahrung, im Wert von rund 952 Millionen US-Dollar.
Für Anleger ist das ein vertrautes Muster: Der Krypto-Anwalt Bill Morgan sieht darin die wiederholte Widerlegung der These, Ripple würde den Markt mit Verkäufen belasten.
Der Kurs reagierte trotzdem verhalten. XRP notiert aktuell bei 1,33 US-Dollar und gibt am heutigen Tag um 3,6 Prozent nach, nach einem Wochenminus von 7,2 Prozent.
Auf Monatssicht bleibt mit plus 23 Prozent aber ein deutliches Plus stehen – Ausdruck einer Erholungsbewegung, die seit dem 52-Wochen-Tief von 0,9887 Dollar Mitte August eingesetzt hatte. Zum bisherigen Jahreshoch von 3,18 Dollar aus dem vergangenen September fehlen dem Token weiterhin 58 Prozent.
ETF-Nachfrage bleibt robust
Während der Escrow-Mechanismus für Nervosität sorgt, zeigt sich auf der institutionellen Seite ein anderes Bild. Die US-amerikanischen Spot-XRP-ETFs verbuchten in der Woche bis zum 28. August Nettozuflüsse von 110,49 Millionen Dollar – ein Jahresrekord und ein Plus von 177 Prozent gegenüber der Vorwoche.
Die kumulierten Zuflüsse seit Start liegen nach unterschiedlichen Zählungen zwischen 1,6 und 1,79 Milliarden Dollar. Laut einem Bloomberg-Analysten halten sich die Zuflüsse damit robust, obwohl der Kurs selbst schwankt.
Unter den Fondsanbietern führt der Bitwise XRP Spot ETF mit einem verwalteten Vermögen von 507,23 Millionen Dollar und einem Marktanteil von knapp 35 Prozent. Franklin und Canary folgen mit 370 respektive 341,6 Millionen Dollar. Auch Großanleger positionieren sich direkt im Token: Goldman Sachs hält laut den Zahlen 87,45 Millionen Dollar in XRP, Jane Street und Millennium jeweils rund 16 Millionen Dollar.
Ripple baut Geschäft jenseits des Tokens aus
Parallel zur Marktbewegung treibt Ripple sein institutionelles Angebot voran. Am Mittwoch ging die Delta-One-Sparte von Ripple Prime live, die Total-Return-Swaps auf US-Aktien, Indizes und digitale Vermögenswerte anbietet – gestützt auf ein Eigenkapital von über einer Milliarde Dollar, eine Privatplatzierung über 275 Millionen Dollar und eine Kreditfazilität von 200 Millionen Dollar.
Zudem kooperiert Ripple Custody seit dieser Woche mit dem Unternehmen SettleMint, um den Lebenszyklus tokenisierter Vermögenswerte in Asien zu vereinfachen. Laut Boston Consulting Group könnten tokenisierte Assets bis 2035 ein Volumen von 88 Billionen Dollar erreichen.
Auf technischer Ebene arbeitet das XRP-Ledger-Netzwerk an einem Upgrade auf Version 3.3.0, das mit „Confidential Transfers“ verschlüsselte Salden für institutionelle Multi-Purpose-Token ermöglichen soll. Die vorherige Version 3.2.0 hat mittlerweile die für Sicherheitsänderungen nötige Zustimmung von über 80 Prozent der Default-Validatoren erreicht.
Für Anleger bleibt das Bild gespalten: Kurzfristig belastet der übergeordnete Marktrücksetzer, zu dem auch eine geopolitische Iran-Warnung von Donald Trump beigetragen haben soll, den Kurs. Mittelfristig sprechen die anhaltenden ETF-Zuflüsse und die Expansion von Ripples Geschäftsmodell für ein strukturell wachsendes institutionelles Interesse an XRP, das sich vom kurzfristigen Kursverlauf zunehmend entkoppelt.
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