Während XRP in den vergangenen zwölf Monaten rund 43 Prozent seines Wertes verloren hat und aktuell bei 1,30 US-Dollar notiert, läuft im Hintergrund eine bemerkenswerte Expansion. Rippls Stablecoin RLUSD knackte am 28. Mai die Marktkapitalisierung von 1,7 Milliarden Dollar — und das Unternehmen verschiebt aktiv Liquidität, um den XRP Ledger als institutionelles Abwicklungsnetzwerk zu etablieren.
Milliarden-Schicht auf dem XRP Ledger
Innerhalb von 48 Stunden führte Ripple eine gezielte Liquiditätsoperation durch: RLUSD-Token im Wert von 100 Millionen Dollar wurden auf Ethereum vernichtet, während auf dem XRP Ledger (XRPL) zeitgleich über 200 Millionen Dollar in RLUSD neu geprägt wurden. Das Ergebnis: Die native RLUSD-Liquidität auf dem XRPL stieg auf über 690 Millionen Dollar, die gesamte Stablecoin-Versorgung des Netzwerks überschritt die Marke von 1,1 Milliarden Dollar.
Marktbeobachter werten den Schritt als klares Signal, dass Ripple den XRPL gezielt für Banken und Zahlungsdienstleister attraktiver machen will. Relevant dabei: Transaktionsgebühren auf dem XRPL werden in XRP bezahlt. Mehr Stablecoin-Aktivität bedeutet also direkt mehr Netzwerkauslastung für das Basis-Asset.
Mastercard, J.P. Morgan, Copper
Der institutionelle Rückhalt wächst. Ein am 27. Mai veröffentlichter Bericht bestätigt erfolgreiche Pilotprojekte mit Mastercard und J.P. Morgan, bei denen RLUSD für tokenisierte Treasury-Abwicklungen eingesetzt wurde. Der institutionelle Krypto-Verwahrer Copper integrierte den Stablecoin in der Woche vom 22. bis 23. Mai in seine Plattform — Hedgefonds und Asset Manager können RLUSD damit direkt in bestehenden Compliance-Strukturen halten und für grenzüberschreitende Zahlungen nutzen.
Kursdruck trifft auf On-Chain-Signal
Beim Kurs sieht das Bild anders aus. XRP liegt rund 63 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,56 Dollar und notiert deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Das 30-Tage-MVRV-Verhältnis — ein Maß dafür, ob Halter im Gewinn oder Verlust sitzen — fiel laut Analyseplattform Santiment auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2020. Kurzfristige Halter sitzen im Schnitt auf nicht realisierten Verlusten von rund 55 Prozent.
Historisch markierten solche Extremwerte häufig den Boden einer Konsolidierungsphase. Großinvestoren scheinen das zu antizipieren: In der vergangenen Woche akkumulierten sogenannte Whales rund 71 Millionen XRP-Token, während der breitere Markt noch abwartete.
SEC-Einigung als regulatorischer Wendepunkt
Rückenwind kommt auch von der juristischen Seite. Die US-Börsenaufsicht SEC hat laut Berichten vom 28. Mai zugestimmt, ihre Berufung im langjährigen Rechtsstreit mit Ripple fallen zu lassen. Die Einigung sieht eine Zivilstrafe von 50 Millionen Dollar vor — statt der ursprünglich geforderten 125 Millionen. Parallel schreitet der „Digital Asset Market CLARITY Act“ im US-Senat voran, der XRP als Brückenwährung im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr regulatorisch absichern könnte.
Das Fundament baut Ripple also konsequent aus. Ob der Kurs folgt, hängt davon ab, wie schnell institutionelle Nutzung in tatsächliche XRP-Nachfrage übersetzt wird — und ob die regulatorische Entspannung Kapital zurück in den Markt zieht.
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