Ripples eigener Stablecoin RLUSD hat auf dem XRP Ledger erstmals mehr Wert im Umlauf als Ethereum. Rund 810 Millionen US-Dollar stecken mittlerweile in RLUSD, verglichen mit etwa 756 Millionen Dollar bei Ethereum auf derselben Blockchain. Für Ripple ist das ein symbolischer Meilenstein — und ein Beleg dafür, dass sich das Netzwerk zunehmend als Infrastruktur für institutionelle Stablecoin-Ausgabe etabliert.

XRP selbst bewegt sich unterdessen kaum. Die Kryptowährung notiert bei 1,08 US-Dollar, das 50-Tage-Mittel liegt bei 1,11 Dollar — XRP handelt also leicht unter seinem kurzfristigen Trend. Vom Jahreshoch bei 3,37 Dollar aus dem August 2025 trennen den Coin fast 68 Prozent.

Ripple knüpft neue Partnerschaften

Der Ausbau der RLUSD-Infrastruktur läuft parallel zu einer Reihe von Kooperationen mit traditionellen Finanzinstituten. Am 20. Juli verkündete Ripple Partnerschaften mit Mastercard, JPMorgan, OKX und Ondo Finance. Ziel ist es, Brücken zwischen klassischem Finanzwesen und digitalen Assets zu schlagen.

Vier Tage später folgten zwei weitere Schritte. Ripple kooperiert nun mit dem Compliance-Netzwerk Notabene, um RLUSD-Zahlungen regelkonform abzuwickeln. Am selben Tag startete Ripple „Mint“ — eine Plattform, über die Institutionen RLUSD ausgeben, einlösen und verwalten können, wahlweise per Web-Konsole oder API.

Protokoll-Update mit Sicherheitslücken-Historie

Während RLUSD wächst, bereitet sich das XRP Ledger auf ein technisches Update vor. Das Release xrpld 3.3.0 soll kommende Woche erscheinen und bringt fünf vorgeschlagene Erweiterungen mit sich. Zwei davon waren zuvor bereits zurückgezogen worden, nachdem Forscher Fehler entdeckt hatten, die unautorisierte Transaktionen oder das Abschöpfen von Gebühren ermöglicht hätten.

Laut RippleX-Produktchefin Jazzi Cooper zählen zu den fünf Erweiterungen unter anderem „Confidential MPT“ — native Privatsphäre für Multi-Purpose-Token — sowie „Batch“. Letzteres erlaubt es, bis zu acht Transaktionen über verschiedene Konten hinweg gleichzeitig in einem einzigen Ledger auszuführen. Marktbeobachter verknüpfen das Update bereits direkt mit der Preisstimmung und werten es als möglichen Katalysator, da neben Confidential MPT und Batch auch Permission Delegation, Sponsored Fees und Dynamic MPT eingeführt werden.

Wenig Bewegung im Orderbuch

Trotz der Nachrichtenlage bleibt XRP in einer engen Spanne gefangen. Die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei rund 29 Prozent — kein Ausreißer nach oben oder unten. Die Wochenperformance liegt mit minus 1,6 Prozent nahe null, der RSI von 46,3 signalisiert weder Überkauf noch Ausverkauf.

Auf den Derivatemärkten zeigt sich allerdings ein auffälliges Muster. In den vergangenen 24 Stunden traf Zwangsliquidation Long-Positionen rund 3,9-mal so oft wie Short-Positionen. Gleichzeitig fielen die Gesamtliquidationen auf niedrige 243.000 Dollar. Technische Analysten lesen daraus ein mögliches Setup: Wenig Verkaufsdruck könnte einem Short Squeeze den Weg bereiten, sollte der Kurs anziehen.

Makro-Gegenwind bremst Altcoins

Hohe US-Staatsanleiherenditen und ein robuster Dollar dämpfen derzeit spekulative Kapitalzuflüsse in Altcoins generell — XRP bildet da keine Ausnahme. Der RLUSD-Meilenstein und das anstehende Ledger-Update liefern dem Netzwerk jedoch Gesprächsstoff jenseits reiner Kursspekulation.

Ripple stützt seine langfristige Positionierung weiterhin auf zwei Säulen: die Integration von XRP in grenzüberschreitende Zahlungen und den Fortschritt bei regulatorischer Klarheit. Ob das reicht, um die Kluft zwischen Netzwerk-Fortschritt und Kursentwicklung zu schließen, bleibt vorerst offen — das für nächste Woche angekündigte Update dürfte dafür ein erster Test sein.