XRP notiert am Mittwoch bei 1,06 US-Dollar und gibt im Tagesverlauf um 1,09 Prozent nach. Die Kryptowährung bewegt sich damit nur noch 5,16 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 1,01 Dollar, das erst am 26. Juni markiert wurde. Seit dem Jahreshoch von 3,38 Dollar im vergangenen August hat das Token mehr als zwei Drittel seines Wertes verloren. Während der Kurs technisch angeschlagen wirkt, verdichten sich im Hintergrund die Signale für ein wachsendes institutionelles Ökosystem rund um das XRP Ledger.
Open Interest fällt auf Sechsmonatstief
Das offene Interesse an XRP-Futures ist auf 2,25 Milliarden Dollar gesunken, den niedrigsten Stand seit sechs Monaten. Noch im Juni lag der Wert bei rund 3 Milliarden Dollar. Parallel dazu verzeichneten Terminkontrakte im Juli einen Rückgang um rund 700 Millionen Dollar, während Long-Positionen im Wochenvergleich deutlich stärker liquidiert wurden als im Durchschnitt der vergangenen drei Monate. Der Analyst Ali Charts bezeichnet die Marke von 1,06 Dollar als entscheidend: Halte sie, seien Ziele von 1,35 und später 1,64 Dollar realistisch. Rutsche der Kurs darunter, drohten Rückgänge auf 0,80 und im Extremfall 0,62 Dollar. Der Analyst Alejandro Arrieche sieht bei einem Verlust der psychologischen Ein-Dollar-Marke steigende Chancen auf einen Test von 0,80 Dollar.
Auch bei den Spot-ETFs kühlte sich die Nachfrage zuletzt ab. Die Zuflüsse im Juli summierten sich auf rund 27 Millionen Dollar, ein Rückgang von 54 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ohne späte Zuflüsse Ende Juli wäre die Bilanz sogar negativ ausgefallen. Zuletzt meldeten die Produkte allerdings vier Handelstage in Folge positive Nettozuflüsse von zusammen 15,4 Millionen Dollar, sodass sich die kumulierten Zuflüsse seit Start auf rund 1,51 Milliarden Dollar belaufen.
Institutionelles Fundament wächst trotz Kursschwäche
Während der Terminmarkt schrumpft, expandiert die Infrastruktur rund um das XRP Ledger sichtbar. Die auf der Blockchain tokenisierten realen Vermögenswerte erreichten 4,34 Milliarden Dollar – das 59-Fache des Standes von Januar 2025, als lediglich 73 Millionen Dollar verbucht waren. Ripple-Präsidentin Monica Long sprach am Dienstag von einem Wendepunkt: Banken würden ihre Pilotprojekte auf dem Ledger nun in den produktiven Betrieb überführen. Ripple selbst investierte am Montag in die Firmen ZILO, die Transferagentur-Dienstleistungen anbietet, und Licuido, ein von der britischen Finanzaufsicht reguliertes Emissionshaus – beides Bausteine für die Kapitalmarktinfrastruktur auf dem Ledger.
Zusätzlichen Rückenwind liefert die Freigabe von FXRP als Sicherheit in einem RLUSD-Tresor auf der Lending-Plattform Morpho, wodurch Halter erstmals gegen ihr XRP Kredite aufnehmen können, ohne die Token verkaufen zu müssen. Auf regulatorischer Seite hatte Ripple bereits Anfang Juli von der luxemburgischen Aufsichtsbehörde CSSF eine vollständige MiCA-Lizenz als Kryptowertdienstleister erhalten. Diese erlaubt dem Unternehmen, regulierte Kryptozahlungen in allen 30 Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums anzubieten, kombiniert mit einer bestehenden E-Geld-Lizenz. Mitte Juli folgte die Aufnahme in das ESMA-Register.
CLARITY Act bleibt Unsicherheitsfaktor
Auf regulatorischer Ebene in den USA sorgt das Gesetzesvorhaben CLARITY Act weiter für Unsicherheit. Der Senat geht am Freitag in die Sommerpause, ohne dass bislang ein Termin für eine entscheidende Verfahrensabstimmung feststeht. Die Erfolgsaussichten für eine Verabschiedung noch in diesem Jahr sind laut Prognosemärkten von 82 Prozent im Februar auf rund 23 Prozent zu Wochenbeginn gefallen. Demokraten blockieren das Vorhaben bislang wegen ungeklärter Ethikfragen, während für eine Verfahrensabstimmung mindestens sieben zusätzliche demokratische Stimmen nötig wären. Bitwise-CIO Matt Hougan zeigte sich dennoch gelassen: Die Kryptobranche werde ein Scheitern des Gesetzes im Senat verkraften, zumal die Aufsichtsbehörde SEC unter ihrer aktuellen Führung ohnehin kryptofreundlichere Regeln in Aussicht stelle.
Für Anleger bleibt XRP damit ein Papier mit zwei Gesichtern: kurzfristig technisch angeschlagen und von schrumpfendem Terminmarkt-Interesse geprägt, langfristig getragen von einer wachsenden institutionellen Nutzung des zugrunde liegenden Netzwerks.
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