XRP tritt an der Stelle. Während Bitcoin und Ethereum von der freundlicheren Stimmung am Kryptomarkt profitieren, bleibt der Ripple-Token der schwächste Wert unter den großen Kryptowährungen — und das schon seit Wochen.

Der Kurs notiert bei rund 1,03 Dollar, nur knapp über der psychologischen Marke von einem Dollar. Auf Wochensicht steht ein Minus von fast fünf Prozent, während Bitcoin und Ethereum im gleichen Zeitraum zulegten. Der Grund liegt weniger im Chart als im Kalender: Der US-Senat ist ohne Abstimmung über den Digital Assets Market Clarity Act in die Sommerpause gegangen.

Der Clarity Act als Belastung

Für XRP hängt an diesem Gesetz mehr als an jeder anderen großen Kryptowährung. Die geplante Einstufung als digitales Rohstoffgut würde die regulatorische Unsicherheit beseitigen, die institutionelle Nachfrage seit Jahren bremst. Mehrheitsführer John Thune hat vor der Pause zwar eine Verfahrensabstimmung für den 15. September festgelegt, die entscheidende Abstimmung selbst braucht aber 60 Stimmen gegen den Filibuster — und die fehlen den Republikanern bislang.

Die Marktstimmung hat diese Verzögerung bereits eingepreist. Im Juli hatten Meldungen, Präsident Trump könnte eine umstrittene Ethik-Klausel im Gesetz akzeptieren, die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung auf Prognosemärkten von 32 auf 43 Prozent steigen lassen und eine kurze Rally auf rund 1,15 Dollar ausgelöst. Diese Bewegung erwies sich als Bull Trap: Der Kurs fiel danach zurück und bewegt sich seither in tieferen Hochs und tieferen Tiefs.

ETF-Zuflüsse brechen ein

Auch das institutionelle Interesse lässt nach. Die wöchentlichen Zuflüsse in amerikanische XRP-ETFs sind um rund 93 Prozent auf etwa eine Million Dollar eingebrochen, nachdem in der Vorwoche noch knapp 15 Millionen Dollar geflossen waren. Im gesamten Juli sammelten die Fonds nur rund 27 Millionen Dollar ein — verglichen mit über 600 Millionen Dollar im ersten Handelsmonat November 2025.

Der Canary Capital XRP ETF zeigt die Folgen deutlich: Die Nettovermögenswerte sanken von rund 323 Millionen Dollar Ende 2025 auf etwa 241 Millionen Dollar zum 30. Juni. Im ersten Halbjahr 2026 verlor XRP über 43 Prozent an Wert und fiel von 1,84 auf gut einen Dollar. Gegenläufig dazu kauften große Wallets mit Beständen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Token in die Schwäche hinein und bauten ihren Anteil am Umlauf leicht aus — ein Hinweis darauf, dass nicht alle Marktteilnehmer pessimistisch sind.

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt oberhalb des aktuellen Kurses, ein sogenannter Death Cross zwischen kurz- und langfristigem gleitendem Durchschnitt signalisiert eine mittelfristig negative Tendenz. Die Zone zwischen 1,06 und 1,08 Dollar hat Verkäufer bislang mehrfach verteidigt, während die Unterstützung an der runden Marke von einem Dollar hält — allerdings ohne klare Erholungsdynamik.

Bis zur Verfahrensabstimmung am 15. September dürfte der Kurs damit vor allem an politischen Nachrichten hängen, nicht an fundamentalen Impulsen. Ein Ausbruch über 1,08 Dollar mit Volumen wäre das erste Signal für eine echte Trendwende, ein Rutsch unter die Marke von einem Dollar würde die nächste Unterstützung erst im Bereich um 0,97 Dollar finden.