XRP notiert am Sonntag bei 1,04 US-Dollar und legt im Tagesverlauf um 2,26 Prozent zu. Die Erholung fällt in eine Phase, in der die Kryptowährung nur noch 3,47 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief steht. Nach einem Jahr mit Kursverlusten von rund zwei Dritteln bleibt die Nervosität unter Anlegern hoch, auch wenn sich am Wochenende erste Stabilisierungssignale zeigen.
Wale kaufen bei der Ein-Dollar-Marke
Auf der XRP Ledger zeichnet sich ein ungewöhnliches Muster ab: Großinvestoren haben binnen einer Woche mehr als 380 Millionen XRP zugekauft, wie Daten des Analysehauses Santiment zeigen. Ihr Gesamtbestand liegt damit bei rund 8,1 Milliarden Coins. Die Käufe konzentrieren sich exakt auf den Bereich um die psychologisch wichtige Marke von einem Dollar, die zuletzt mehrfach getestet wurde.
Parallel dazu ist im Monatschart ein Kaufsignal nach der TD-Sequential-Methode aufgetaucht, wie unter anderem auf Bitget berichtet wurde. Historisch folgten auf vergleichbare Signale kräftige Rallyes: Im April 2020 legte XRP anschließend um 1.074 Prozent zu, im August 2022 um 973 Prozent. Ein entsprechendes Verkaufssignal im April 2025 ging dagegen einem Kursrutsch von 57 Prozent voraus – die Methode liefert also keine Garantie. Als nächste Hürde gilt die Marke von 1,06 US-Dollar, an der zuletzt rund drei Milliarden XRP den Besitzer wechselten. Darüber rücken 1,35 und 1,64 US-Dollar als mögliche Ziele in den Blick.
Ripple selbst hat am 1. August 700 Millionen der geplanten Milliarde XRP aus dem Escrow-Programm gesperrt und damit das Angebot am Markt weiter verknappt. Dass die Wale ausgerechnet jetzt zukaufen, deutet darauf hin, dass Teile des Marktes den aktuellen Bereich als attraktiven Einstiegspunkt werten.
Handelsvolumen auf der Ledger bricht ein
Gegenläufig entwickelt sich das operative Bild auf der XRP Ledger selbst. Das Zahlungsvolumen ist von einem Spitzenwert von 614,9 Millionen XRP am 7. August um rund 90 Prozent eingebrochen. Analysten bewerten den Rückgang zwar nicht als kritisch, da er einem kurzen Volumenschub folgte, doch er unterstreicht die fragile Nachfragelage im laufenden Handel. Der relative Stärkeindex liegt bei rund 40 und signalisiert damit weder Überkauft- noch klare Verkaufssignale.
Als nächste Unterstützung gilt die Zone um 1,00 US-Dollar. Rutscht der Kurs darunter, rechnen Marktbeobachter mit einem weiteren Test der Region zwischen 0,95 und 0,97 US-Dollar. Eine Wettplattform hatte die Wahrscheinlichkeit für einen Fall unter die Ein-Dollar-Marke bis Ende August zuletzt von 50 auf bis zu 68 Prozent angehoben – ein Hinweis darauf, dass ein Teil der Marktteilnehmer weiterhin mit fallenden Notierungen rechnet.
ETF-Zuflüsse schwächeln, CLARITY Act erst im September
Die auf XRP lautenden Spot-ETFs verzeichneten zwar die vierte grüne Woche in Folge, das Zuflusstempo hat sich jedoch deutlich abgeschwächt. Im Juli kamen netto nur 27,29 Millionen US-Dollar hinzu – der zweitschwächste Monat seit Januar. Im bisherigen August summierten sich die Zuflüsse auf gerade einmal rund einen Million US-Dollar. Zum Vergleich: Bitcoin-ETFs zogen in der ersten Augustwoche 853,54 Millionen US-Dollar an, angeführt von BlackRocks IBIT.
Regulatorisch bleibt der CLARITY Act der zentrale Unsicherheitsfaktor. Mehrheitsführer John Thune stellte am Freitag einen Cloture-Antrag, die eigentliche Verfahrensabstimmung im US-Senat ist nun für den 15. September terminiert. Die Republikaner verfügen über 53 Sitze und benötigen sieben Stimmen aus dem Lager der Demokraten, um die nötige 60-Stimmen-Schwelle zu erreichen. Strittig sind unter anderem Regeln zu Stablecoins und ein vorgeschlagenes Divestment für Beteiligungen über einer Million US-Dollar.
Auf der institutionellen Seite gibt es dennoch Fortschritte: Ripple verfügt inzwischen über mehr als 50 Money-Transmitter-Lizenzen, darunter in New York und Texas, und erfüllt damit die Anforderungen des geplanten PACE Act für einen direkten Zugang zu den Fed-Zahlungssystemen Fedwire, FedNow und FedACH. Der ISO-20022-Standard soll dabei die technische Verbindung zwischen FedNow und der XRP Ledger herstellen. Das Gesetz ist allerdings noch nicht verabschiedet, eine zusätzliche Zulassung durch die Bankenaufsicht OCC wäre erforderlich – ein möglicher, aber noch nicht gesicherter Katalysator für die mittelfristige Entwicklung des Tokens.
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