Im XRP Ledger schlummerte über ein Jahrzehnt lang ein Fehler, der die eherne Obergrenze der Kryptowährung hätte aushebeln können. Entdeckt wurde er erst jetzt. Ausgenutzt wurde er nach Angaben der XRP Ledger Foundation nie.
Wie der Fehler funktioniert hätte
Seit dem Start des Netzwerks 2012 ist die Gesamtmenge auf 100 Milliarden XRP begrenzt. Ein Programmierfehler aus dem Jahr 2015 hätte diese Grenze theoretisch umgehbar gemacht. Ursache war ein Rechenfehler bei besonders großen Zahlen: Überschreitet eine Berechnung den technisch zulässigen Höchstwert, springt das Ergebnis auf einen viel kleineren Wert zurück.
Betroffen war die Abwicklung von Zahlungen, die mehrere Handelsangebote gleichzeitig ausführen. Ein Angreifer hätte Hunderte künstliche Angebote platzieren und mit einer einzigen Transaktion aufkaufen können. Dem Käufer wäre durch den Überlauf nur ein verschwindend geringer Betrag berechnet worden. Die Verkäuferkonten hätten dagegen den vollen XRP-Gegenwert erhalten, also faktisch neu erzeugte Coins.
Warum er so lange unentdeckt blieb
Gewöhnliche Transaktionen erreichen die extremen Zahlenwerte, die den Fehler auslösen, schlicht nicht. Aufgespürt haben die Schwachstelle der Sicherheitsforscher Cayden Liao und Veria AI. Für Entdeckung und Meldung floss eine Belohnung von 250.000 Dollar.
Hinweise auf einen Missbrauch im öffentlichen Netzwerk gibt es laut Foundation nicht. Es entstanden keine unrechtmäßigen XRP. RippleX hat ein Sicherheitsupdate veröffentlicht, das einen möglichen Angriff verhindert.
Kurs bleibt unter Druck
Am Montagnachmittag notiert XRP bei 1,40 Dollar. Auf Sicht einer Woche steht ein Minus von mehr als sieben Prozent zu Buche. Die Sicherheitslücke erklärt diese Schwäche allerdings kaum, denn sie wurde erst im Zuge des Updates bekannt, und ein tatsächlicher Schaden blieb aus.
Für das Vertrauen in das Netzwerk zählt vor allem eines: Die Mengenbegrenzung hat gehalten, und der Fehler ist nun behoben. Ob der Kurs nach der Wochenschwäche Halt findet, hängt vom allgemeinen Krypto-Umfeld ab. Dort belasten zuletzt Sorgen um den Ölpreis, nicht Probleme im XRP Ledger.
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