Ein technischer Effekt drückt den Kurs von Almonty Industries in den Keller — obwohl das operative Geschäft gerade erst Fahrt aufnimmt. Der Wolfram-Produzent verlor binnen eines Monats mehr als 30 Prozent, allein am Freitag ging es um 4,96 Prozent auf 15,51 kanadische Dollar nach unten. Der Grund liegt nicht in schlechten Zahlen, sondern in einem freiwilligen Rückzug von der Börse.
Zwangsverkäufe nach dem Rückzug aus Toronto
Freitag, der 31. Juli 2026, war der letzte Handelstag von Almonty an der Toronto Stock Exchange. Das Unternehmen zieht sich bewusst zurück und bündelt die Liquidität künftig am Nasdaq Capital Market unter dem Ticker ALM sowie an der Frankfurter Börse unter ALI1.
Marktbeobachter führen den jüngsten Ausverkauf auf technische Faktoren zurück, nicht auf fundamentale Probleme. Der Austritt aus dem TSX-Index zwingt viele Indexfonds und ETFs zum Verkauf ihrer Bestände — sie dürfen ausschließlich TSX-notierte Werte halten. Diese erzwungenen Verkäufe drückten den Kurs deutlich unter den 200-Tage-Durchschnitt von 19,28 kanadischen Dollar. Der RSI von 32,7 signalisiert inzwischen eine beginnende Überverkauft-Situation.
Sangdong-Mine startet die Produktion
Während der Aktienkurs unter dem Indexumbau leidet, hat Almonty operativ einen wichtigen Schritt gemacht. Am 1. Juli 2026 nahm das Unternehmen die Verarbeitung in der Sangdong-Wolframmine in Südkorea offiziell auf.
Die Anlage verarbeitet aktuell rund 139.700 Tonnen gelagertes Erz zu verkaufsfähigem Wolframkonzentrat. Damit vollzieht Almonty den Übergang vom reinen Entwicklungsprojekt zum umsatzgenerierenden Betrieb. Sangdong gilt als eine der größten Wolfram-Lagerstätten außerhalb Chinas — ein Standortvorteil, der an Bedeutung gewinnt. Die USA planen ab 2027 ein Verbot von chinesischem Wolfram in der Verteidigungsbeschaffung.
Bilanz und Liefervertrag stützen die Story
Trotz eines Rückgangs von mehr als 53 Prozent gegenüber dem 52-Wochen-Hoch bei 33,35 kanadischen Dollar bleibt die Bilanz robust. Zum Ende des ersten Quartals 2026 verfügte Almonty über eine Kassenposition von 259,9 Millionen US-Dollar. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 221 Prozent auf 25,4 Millionen US-Dollar.
Rückenwind liefert zudem ein erweiterter Liefervertrag mit Global Tungsten & Powders. Die wichtigsten neuen Konditionen im Überblick:
- Verlängerung der Laufzeit um sechs Jahre
- Erhöhung des Gesamtvolumens um 40 Prozent
- Verbesserte Preiskonditionen, rund 6,3 Prozent höher als zuvor
- Erwarteter Gesamtumsatz von etwa 490 Millionen US-Dollar über die 21-jährige Laufzeit des Vertrags
Nächster Termin: Delisting von der ASX
Für die Handelswoche ab Montag, den 3. August, richtet sich der Blick darauf, ob der Nasdaq den restlichen Verkaufsdruck aus dem kanadischen Marktaustritt aufnehmen kann. Anleger beobachten zudem, ob sich der Kurs von der technischen Störung durch das TSX-Delisting löst.
Der nächste strukturelle Termin steht bereits fest. Der Handel mit den CHESS Depositary Interests an der Australian Securities Exchange soll am 28. August 2026 enden, das endgültige Delisting greift zum 1. September 2026. Bis dahin dürften der Produktionshochlauf in Sangdong und die Preisentwicklung bei strategischen Metallen die wichtigsten Einflussfaktoren für den Kurs bleiben.
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