Während FuelCell Energy binnen zwölf Monaten um mehr als das Vierfache zugelegt hat, kämpfen Nel ASA, Plug Power und Ballard Power weiter mit schwachen Volumina und schrumpfender Liquidität. ITM Power steht dazwischen, gestützt von britischen Fördergeldern, aber von Analysten skeptisch beäugt. Der Wasserstoff-Sektor zerfällt damit diesen Sommer in zwei Lager— und die Nachfrage aus Rechenzentren zieht die Trennlinie.

Zwei Geschwindigkeiten im Sektor

Die Branche hat sich in diesem Monat sichtbar gespalten. Auf der einen Seite profitieren Unternehmen mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren von neuem Anlegerinteresse und Kurszielanhebungen. Auf der anderen Seite kämpfen klassische Elektrolyseur- und Brennstoffzellen-Hersteller mit schwachem Auftragseingang, schrumpfenden Auftragsbüchern und wiederholten Kapitalerhöhungen.

FuelCell Energy hat sich klar als Profiteur der Rechenzentrums-Story positioniert. Nel ASA, Ballard Power und Plug Power dagegen leiden unter schwachen Absatzzahlen und angespannter Liquidität. ITM Power bewegt sich in der Mitte— gestützt durch staatliche Förderung aus Großbritannien, aber weiterhin mit Zweifeln konfrontiert, ob sich Zuschüsse und Partnerschaften in nachhaltige Profitabilität übersetzen lassen. Ein roter Faden zieht sich durch fast den gesamten Sektor: Verwässerung durch Kapitalerhöhungen, wobei die jüngste Großemission von FuelCell Energy das bislang auffälligste Kapitalmarkt-Ereignis markiert.

Nel ASA: Auftragswachstum reicht nicht gegen den Verlust

Beim norwegischen Elektrolyseur-Spezialisten wuchs der Auftragseingang im zweiten Quartal spürbar, konnte den operativen Verlust aber nicht ausgleichen— belastet auch durch eine Ausgleichszahlung im Rahmen der Iwatani-Einigung. Das Auftragsbuch liegt inzwischen bei umgerechnet gut einer Milliarde norwegischer Kronen, die Kassenreserve bei 1,3 Milliarden Kronen.

Hoffnung setzt das Management auf die neue druckbeaufschlagte Alkali-Plattform, die Stellfläche und Investitionskosten deutlich senken soll. Erste Bestellungen werden in den kommenden Monaten erwartet. Bis Ende 2026 will Nel eine Fertigungskapazität von 500 Megawatt erreichen, 2027 soll sie sich auf ein Gigawatt verdoppeln— unterstützt durch EU-Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe.

An der Börse hat das bislang wenig verfangen. Die Aktie notiert am Donnerstag bei 0,2010 Euro und liegt binnen zwölf Monaten mit -12,23 Prozent im Minus, nach einem Rückgang von 5,19 Prozent allein im vergangenen Monat. Das durchschnittliche Analystenurteil bleibt auf Verkaufen gestellt— kein Analyst empfiehlt derzeit den Kauf.

ITM Power: Fördergelder gegen Ausführungszweifel

Der britische Elektrolyseur-Hersteller erhielt jüngst einen millionenschweren Zuschuss vom zuständigen Energieministerium. Ergänzt wird das durch neue Partnerschaften— eine Forschungskooperation mit DB Systemtechnik sowie eine strategische Zusammenarbeit mit Protium für grüne Wasserstoffprojekte in Großbritannien.

Die Analystenmeinungen bleiben gespalten. Berenberg hat sein Kursziel deutlich angehoben, während Goldman Sachs an seiner Verkaufsempfehlung festhält. Der Kurs zeigt die Nervosität: Nach einem Rückgang von 4,90 Prozent am Donnerstag notiert die Aktie bei 1,26 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 74,43 Prozent zu Buche— ein Beleg dafür, wie stark die Erholung von den Tiefstständen im Februar bereits war, auch wenn der jüngste Rücksetzer die Stimmung eintrübt.

Plug Power: Verkäufe von Anlagen schaffen Luft

Der US-Wasserstoffpionier setzt verstärkt auf den Verkauf von Infrastruktur, um die Bilanz zu entlasten. Der Verkauf des Projekts in Graham, Texas soll Ende Juli abgeschlossen werden und zusätzliche Liquidität in zweistelliger Millionenhöhe bringen. Zusammen mit dem ersten Abschluss im New Yorker Gateway-Projekt sollen die Transaktionen kurzfristig weiteres Kapital freisetzen.

Trotzdem bleibt der Kurs unter Druck. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 1,93 Euro, nach einem Minus von 16,44 Prozent im Monatsverlauf. Die Analystenmeinungen gehen auseinander: Susquehanna senkte das Kursziel, während Morgan Stanley seine Einschätzung leicht anhob— ein Zeichen, dass der Markt die Bilanzsanierung honoriert, die Wachstumsstory aber weiterhin infrage stellt.

Ballard Power: Kostensenkung ohne Gewinn

Bei den Kanadiern zeigt sich ein ähnliches Muster wie bei Plug Power: operative Fortschritte, aber noch keine schwarzen Zahlen. Der Mittelabfluss aus dem operativen Geschäft ging deutlich zurück, während schwächere Bus-Umsätze durch stärkere Bahn- und Stationärgeschäfte kompensiert wurden. Die Kassenreserve liegt weiterhin im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Die Konsensmeinung der Analysten bleibt bei „Reduzieren“— mehrheitlich Halten-Einstufungen, einige Verkaufsempfehlungen. Der Kurs gab am Donnerstag um 3,38 Prozent nach auf 2,63 Euro, konnte sich aber auf Wochensicht mit einem Plus von 11,63 Prozent deutlich erholen. Die nächsten Quartalszahlen Ende Juli dürften zeigen, ob sich der eingeschlagene Sparkurs fortsetzt.

FuelCell Energy: Kapitalerhöhung treibt Rechenzentrums-Wette

Kein anderes Unternehmen im Sektor hat diesen Monat für mehr Bewegung gesorgt. FuelCell Energy platzierte eine deutlich aufgestockte Aktienemission und sammelte damit brutto rund 225 Millionen Dollar ein— deutlich mehr als ursprünglich angepeilt. Parallel meldete das Unternehmen die mögliche Wiederveräußerung von Millionen weiterer Aktien aus ausgeübten Optionsscheinen.

Die Verwässerung ging einher mit einer spürbaren Neubewertung der Wachstumsstory. Der Umsatz im zweiten Fiskalquartal sank zwar leicht, doch inzwischen entfallen fast 90 Prozent der stark gewachsenen Auftragspipeline auf Projekte für Künstliche Intelligenz und Rechenzentren. Eine strategische Vereinbarung mit Fit Energy sichert dem Unternehmen ein Geschäft zur Versorgung von Rechenzentren mit sauberer Grundlaststrom-Leistung. UBS-Analyst Manav Gupta hob seine Einstufung auf Kaufen an und begründete das mit mehreren parallel laufenden Wachstumskatalysatoren.

Der Kurs reagierte entsprechend. Am Donnerstag ging es um 3,91 Prozent nach oben auf 20,45 Euro, auf Wochensicht steht ein Plus von 26,51 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert damit nahezu verdreifacht.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Unternehmen erzählen trotz gemeinsamer Wasserstoff-Klammer inzwischen sehr unterschiedliche Geschichten:

  • FuelCell Energy: entkoppelt sich dank KI-Pipeline vom Rest des Sektors, trotz spürbarer Verwässerung
  • Plug Power und Ballard Power: setzen auf Vermögensverkäufe und Kostendisziplin statt Umsatzwachstum
  • Nel ASA: verbessert den Auftragseingang, bleibt aber mit Verkaufen-Konsens das Sorgenkind der Analysten
  • ITM Power: hängt zunehmend an britischen Fördergeldern statt an kommerziellem Momentum
  • Gemeinsamer Nenner: nahezu jedes Unternehmen hat zuletzt Kapital aufgenommen, Anlagen verkauft oder sich auf Zuschüsse gestützt

Wasserstoff-Branche zwischen Hoffnungsträger und Kapitalhunger

Die kommenden Wochen bringen mehrere Termine, die die Stimmung im Sektor neu justieren könnten. Ballard Power legt Ende Juli seine Quartalszahlen vor— ein Test, ob die operativen Fortschritte die skeptische Analystenhaltung aufweichen können. Zeitgleich soll der Verkauf des Texas-Projekts von Plug Power abgeschlossen werden, ein wichtiger Baustein der Liquiditätsstrategie.

Bei Nel ASA wird entscheidend sein, ob sich die neue Elektrolyseur-Plattform tatsächlich in Bestellungen übersetzt. ITM Power muss beweisen, dass aus einmaligen Fördergeldern ein tragfähiges Auftragsbuch wird. FuelCell Energy schließlich steht vor der Aufgabe, das Wachstum der KI-getriebenen Pipeline gegen die frische Verwässerung zu verteidigen— und damit zu zeigen, ob die Prämie gegenüber dem Rest des Sektors gerechtfertigt bleibt.