Gold verliert am Donnerstag deutlich an Boden. Der Kurs fällt um 2,08 Prozent auf 4.048,90 US-Dollar und gibt damit einen Großteil der Erholung vom Vortag wieder ab. Am Mittwoch hatte das Edelmetall noch bei 4.135,00 US-Dollar geschlossen. Der Grund für den Rückgang: Steigende Ölpreise und höhere Anleiherenditen setzen dem sicheren Hafen zu.
Iran-Konflikt treibt Ölpreis, drückt aber auch Gold
Im Zentrum der Bewegung steht die Lage im Nahen Osten. Das US-Militärkommando Centcom bestätigte am Mittwoch Angriffe auf militärische Ziele im Iran. Die Operationen sollen die Bedrohung für Handelsschiffe in der Straße von Hormus verringern.
Normalerweise stützen solche Eskalationen die Goldnachfrage. Anleger suchen dann Schutz vor Marktverwerfungen. Diesmal wirkt der Konflikt jedoch über einen anderen Kanal: Der Ölpreis der Sorte WTI springt um rund 4,5 Prozent auf etwa 90,76 US-Dollar.
Der teure Ölpreis schürt Inflationssorgen. Das wiederum verändert die Erwartungen an die Zinspolitik der Notenbanken — und genau das belastet Gold stärker, als der geopolitische Stress es stützt.
Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten
Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen haben sich über der Marke von 4,57 Prozent festgesetzt. Gold wirft keine Zinsen ab. Steigen die Anleiherenditen, verliert das Edelmetall relativ an Attraktivität gegenüber festverzinslichen Papieren.
Charttechnisch zeigt sich der Druck deutlich. Der Kurs fiel im frühen Handel zeitweise auf ein Tagestief von 4.041,53 US-Dollar. Damit rückt Gold wieder näher an sein 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar heran, nur 3,78 Prozent entfernt.
Zum langfristigen Aufwärtstrend fehlt derzeit die Kraft. Der Kurs notiert 4,80 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und sogar 10,85 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Das signalisiert eine spürbare Schwäche gegenüber dem längerfristigen Trend.
Zentralbanken bleiben strukturelle Stütze
Trotz der kurzfristigen Schwankungen bleibt das Interesse institutioneller Käufer hoch. Daten des World Gold Council zeigen: Die Nettokäufe der Zentralbanken lagen im Mai nahe an Rekordwerten. In einer aktuellen Umfrage erwarten 89 Prozent der befragten Notenbanken einen weiteren Anstieg ihrer Goldreserven innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Private Investoren aus dem Westen halten sich dagegen noch zurück. Kehrt diese Anlegergruppe zurück, sehen Marktbeobachter darin zusätzliches Aufwärtspotenzial für den Goldpreis.
Kurzfristig richten Händler den Blick auf anstehende US-Konjunkturdaten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und der Konjunkturindex der Chicago Fed liefern neue Hinweise zur wirtschaftlichen Stabilität. Bleiben die Anleiherenditen über 4,57 Prozent und der Ölpreis auf erhöhtem Niveau, dürfte der Druck auf Gold zunächst anhalten.
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