015,40 Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,88 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Erholung kommt nach einer der schwächsten Handelswochen der vergangenen Monate. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 Dollar, erreicht am 29. Januar 2026, trennen das Edelmetall inzwischen 28,64 Prozent. Auch zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.304,04 Dollar liegt der aktuelle Kurs mit 6,71 Prozent im Rückstand – ein Zeichen dafür, dass die kurzfristige Erholung den mittelfristigen Abwärtstrend noch nicht gebrochen hat.
Fed-Entscheid rückt näher
Die US-Notenbank tagt am 29. Juli, Marktteilnehmer rechnen laut vietnamesischen Wirtschaftsmedien mit rund 90 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine unveränderte Zinspolitik. Für die September-Sitzung lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am Morgen des 18. Juli bei nahe 50 Prozent. Ein höheres Zinsniveau würde zinslos gehaltenes Gold tendenziell unattraktiver machen, was Analysten als einen der Gründe für die jüngste Schwäche des Edelmetalls anführen.
Bank of America warnt, andere Häuser bleiben optimistisch
Die Einschätzungen der großen Häuser gehen weit auseinander. Bank-of-America-Analyst Paul Ciana sieht die Korrektur noch nicht als abgeschlossen und hält einen Rückgang bis 3.600 Dollar für möglich. Er verweist auf ein Ende Juni entstandenes „Death Cross“, bei dem der 50-Tage-Durchschnitt unter den 200-Tage-Durchschnitt gefallen ist – ein Signal, das seit 1975 in 70 Prozent der Fälle zu weiteren Kursverlusten über die folgenden 40 bis 50 Handelssitzungen führte. Bank of America priorisiert Käufe unterhalb von 4.000 Dollar, will bei 3.700 bis 3.600 Dollar aufstocken und rechnet für 2026 im Schnitt mit 4.360 Dollar, für 2027 hält das Haus sogar 6.000 Dollar für erreichbar.
Deutlich zuversichtlicher zeigt sich UBS, das Gold auf 5.200 Dollar taxiert. State Street sieht in einem Basisszenario mit 70 Prozent Wahrscheinlichkeit ein Ziel von 5.000 Dollar bis zum ersten Quartal 2027, mit einer Bandbreite von 4.750 bis 5.500 Dollar; im Bär-Szenario mit 25 Prozent Wahrscheinlichkeit hält das Haus 4.000 bis 4.750 Dollar für möglich. Das Institut verweist auf eine globale Verschuldung von 353 Billionen Dollar im ersten Halbjahr 2026 als strukturelle Stütze für Gold. Commerzbank senkte ihre Jahresendprognose für 2026 auf 4.800 Dollar, Citi rechnet binnen drei Monaten mit einem Rückgang auf 4.300 Dollar, und Morgan Stanley reduzierte sein Ziel für das zweite Halbjahr auf 5.200 Dollar.
Notenbanken kaufen weiter, Chinas Privatnachfrage schwächelt
Trotz der Kursschwäche bleiben Zentralbanken auf der Käuferseite. Die chinesische Notenbank erwarb im Juni 15 Tonnen Gold, den 20. Monat in Folge, und hält damit inzwischen 2.346 Tonnen in ihren Reserven. Polen stockte seine Bestände um 18 Tonnen auf über 614 Tonnen auf. Insgesamt kauften Notenbanken im Mai netto 41 Tonnen, ein Anstieg von 115 Prozent gegenüber April. Einer Umfrage zufolge erwarten 89 Prozent der befragten Reservemanager weltweit steigende Goldbestände, 45 Prozent planen konkret eine Aufstockung.
Auf privater Ebene zeichnet sich in China dagegen ein anderes Bild ab. Der World Gold Council berichtet, die physische Goldnachfrage im Land habe im Juni ein Zehnjahrestief erreicht. Die Abflüsse aus der Shanghai Gold Exchange summierten sich im ersten Halbjahr auf 598 Tonnen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Chinesische Gold-ETFs verzeichneten im Juni Abflüsse von umgerechnet 2,2 Milliarden Dollar, das verwaltete Vermögen sank um 16 Prozent. In Indien wiederum brach die Schmucknachfrage im ersten Quartal um 19 Prozent ein, nachdem die Einfuhrzölle von 6 auf 15 Prozent angehoben worden waren, während die Investmentnachfrage im selben Zeitraum um 54 Prozent zulegte. Chinas Nachfrage nach Goldbarren und -münzen erreichte im ersten Quartal mit 207 Tonnen dagegen einen Rekordwert, ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Während die offizielle Reservepolitik der Notenbanken den Preis strukturell stützt, belastet die schwächelnde Privatnachfrage in einem der größten Absatzmärkte kurzfristig die Stimmung.
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