Nach einem Schlusskurs von 3.969,41 US-Dollar am Donnerstag pendelt das Edelmetall am Freitag knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 Dollar. Aktuell notiert Gold bei 3.999,00 US-Dollar, nach einem Wochenverlust von 3,12 Prozent. Damit liegt der Kurs nur noch rund 2,5 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom Oktober vergangenen Jahres – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark sich das Bild seit dem Rekordhoch im Januar gedreht hat.

Iran-Konflikt treibt Öl, doch nicht das Gold

Eigentlich liefert die geopolitische Lage im Nahen Osten reichlich Nährboden für eine Flucht in sichere Häfen. Die USA griffen am Freitag bereits die sechste Nacht in Folge Ziele im Iran an – Brücken, Hafenanlagen und Stromversorgung in Städten wie Bandar Abbas und Chabahar wurden getroffen, ein eingestürzter Turm im Hafen Chabahar sowie Dutzende Tote und Verletzte wurden gemeldet. Der Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf US-Einrichtungen in Katar, Kuwait, Bahrain und Syrien. Die Straße von Hormus gilt als weitgehend blockiert, Teheran droht zusätzlich mit einer Schließung der Meerenge Bab al-Mandeb. Ein zuvor vereinbarter Waffenstillstand ist damit endgültig gescheitert, das Weiße Haus betont jedoch laut einer Sprecherin, der Iran stehe trotz der Angriffe weiterhin mit den USA in Gesprächen.

Die Eskalation trieb die Ölpreise binnen einer Woche um rund zehn Prozent nach oben und schürt neue Inflationssorgen. Normalerweise wäre das ein Umfeld, in dem Gold als Absicherung gefragt ist. Diesmal überwiegt jedoch die Furcht vor einer restriktiveren Geldpolitik: Höhere Energiepreise nähren die Erwartung, dass die Federal Reserve die Zinsen doch noch anheben könnte, statt sie zu senken – und das drückt stärker auf den Goldpreis, als die geopolitische Unsicherheit ihn stützt.

Fed-Vertreter bleiben auf Kurs der Straffung

Mehrere Notenbanker befeuerten diese Zinssorgen zuletzt gezielt. Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte in einer Anhörung, der Kampf gegen die Inflation sei noch nicht gewonnen, und bezeichnete die zuletzt schwächeren Verbraucherpreis- und Erzeugerpreisdaten für Juni als „unvollkommene Messgrößen“. Er warnte vor anhaltendem Preisdruck bei Dienstleistungen und Wohnkosten sowie vor möglichen kurzfristigen Preiseffekten durch KI-bedingte Investitionen. Fed-Vize Philip Jefferson signalisierte ebenfalls Offenheit für eine Zinserhöhung, sollte sich die Inflation nicht weiter abschwächen, und verwies dabei explizit auf den Nahost-Konflikt, Zölle und KI als Risikofaktoren. Dallas-Fed-Chefin Lorie Logan argumentierte in die gleiche Richtung. Nach Markterwartungen liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis Dezember bei etwa 75 Prozent – ein Umfeld, das klassischerweise zinsloses Gold belastet.

Analysten uneins über die Richtung

Die Bank of America hat ihr Jahresendziel für Gold jüngst gesenkt, auf 4.360 US-Dollar, und warnt zugleich vor einem möglichen Rückgang bis in eine Zone zwischen 3.702 und 3.605 Dollar. Technisch orientierte Analysen sehen eine wichtige Unterstützung bei 3.942,50 Dollar; wird diese unterschritten, rücken nach dieser Einschätzung als nächstes 3.900 Dollar und im schlimmsten Fall sogar 3.500 Dollar in Reichweite. Auf der Oberseite gelten 4.000, 4.070 und 4.200 Dollar als Widerstandszonen. Nicht alle Marktbeobachter sind pessimistisch: Ein Fidelity-Fondsmanager namens Samson rechnet mit einer Erholung des Goldpreises bis 2027. Kurzfristig dürfte die Richtung des Metalls jedoch vor allem davon abhängen, wie sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiterentwickelt – und ob die Fed bei ihrer nächsten Sitzung Ende Juli tatsächlich an ihrer restriktiven Rhetorik festhält.