Steigende Ölpreise durch die Eskalation im Nahen Osten drücken den Goldpreis. Gleichzeitig belasten neue US-Zölle die Handelsströme. Trotzdem hält sich Gold über der psychologisch wichtigen 4.000-Dollar-Marke.

Am Freitag schloss Gold bei 4.055,70 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,08 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 0,86 Prozent zu Buche. Der Aufwärtstrend der vergangenen Tage bleibt damit intakt, auch wenn die Dynamik zuletzt nachließ.

Ölpreis über 100 Dollar setzt Gold unter Druck

Präsident Trump drohte mit einer ausgeweiteten Militäraktion gegen den Iran. Der Grund: mögliche künftige Houthi-Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer. Die Warnung trieb Brent-Rohöl erstmals seit Mai über die Marke von 100 Dollar je Barrel.

Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen. Das wiederum stärkt die Erwartung einer strafferen Fed-Politik. Nicht verzinsliche Anlagen wie Gold verlieren dadurch an Attraktivität.

Hinzu kommen neue US-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe aus wichtigen Handelspartnern. Diese Maßnahme verstärkt die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten zusätzlich. Trotz der doppelten Belastung rutschte Gold aber nicht in den freien Fall.

China kauft, Indien zögert

Ein Blick auf die physische Nachfrage zeigt ein gespaltenes Bild. In Indien weiteten sich die Gold-Discounts auf ein Sieben-Wochen-Hoch aus. Höhere Preise schrecken indische Käufer derzeit ab.

In China verläuft die Entwicklung entgegengesetzt. Dort verbessert sich das Kaufinteresse trotz des hohen Preisniveaus. Die Divergenz zeigt: Konsumenten in den beiden größten Goldmärkten der Welt reagieren völlig unterschiedlich auf Preise über 4.000 Dollar.

Fed-Sitzung und EZB-Entscheidung im Blick

Kommende Woche richtet sich der Fokus auf die US-Notenbank. Die Fed dürfte die Zinsen zunächst unverändert lassen. Die Märkte preisen aber eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.

Die Europäische Zentralbank hatte ihre Leitzinsen bereits am Donnerstag unverändert belassen. Diese Entscheidung prägt den globalen geldpolitischen Rahmen für Edelmetalle mit.

Zentralbanken stützen den langfristigen Trend

Über die kurzfristigen Schwankungen hinaus bleibt eine Nachfragequelle konstant: die Notenbanken. Sie kauften 2025 insgesamt 863,3 Tonnen Gold. Das entspricht rund 17,3 Prozent der weltweiten Nachfrage.

Diese strukturelle Komponente dürfte auch in den kommenden Wochen stabilisierend wirken. Selbst wenn geopolitische und geldpolitische Nachrichten kurzfristig für Ausschläge sorgen.

Mit dem 50-Tage-Durchschnitt bei 4.242,92 US-Dollar notiert Gold aktuell rund 4,4 Prozent darunter. Der RSI von 44,7 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Situation. Entscheidend für die kommende Woche wird sein, ob die Fed-Sitzung die Zinserwartungen bestätigt und ob China die Nachfragelücke aus Indien weiter füllt.