Der Goldpreis klettert weiter. Am Mittwoch steigt die Notierung auf 4.481 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,2 Prozent zum Vortag. Damit nähert sich Gold einem Zehn-Wochen-Hoch. Drei Faktoren treiben den Kurs: US-Inflationsdaten, die Zinspolitik der Federal Reserve und die Lage an der Straße von Hormus.
Widersprüchliche Signale aus Hormus
Geopolitische Unsicherheit bleibt ein zentraler Preistreiber. Pakistans Verteidigungsminister erklärte, die USA und Iran seien „nahe an einer Art Vereinbarung“ zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Präsident Donald Trump behauptete dagegen, die USA hätten bereits „vollständige Kontrolle“ über die Wasserstraße.
Diese widersprüchlichen Aussagen verunsichern die Märkte. Gold profitiert davon als klassische Absicherung gegen geopolitische Risiken.
Zentralbanken kaufen unbeirrt
Neben der politischen Unsicherheit stützt eine strukturelle Kraft den Goldpreis: die Zentralbanken. Chinas Notenbank erhöhte ihre Goldreserven im Juli um rund 20 Tonnen. Es war bereits der 21. Monat in Folge mit Zukäufen.
Global kauften Zentralbanken im zweiten Quartal schätzungsweise 289 Tonnen Gold. Diese Käufe folgen keiner kurzfristigen Marktlogik. Sie verleihen dem Goldpreis eine strukturelle Stütze, selbst wenn einzelne Konjunkturdaten kurzfristig Gegenwind erzeugen.
Inflationsdaten dämpfen Zinssorgen
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand am Mittwoch der US-Verbraucherpreisindex für Juli. Ökonomen hatten einen Anstieg der Jahresrate auf 3,4 Prozent erwartet. Ein heißer Wert hätte die Chancen auf eine Fed-Zinserhöhung im September gestärkt.
Die tatsächlichen Verbraucherpreise stiegen weitgehend im Rahmen der Prognosen. Das dämpfte die Sorgen vor einer unmittelbaren Zinserhöhung. Zusammen mit dem schwachen Arbeitsmarktbericht der Vorwoche ermutigte das schwächere Inflationsbild Investoren, ihre Erwartungen für eine Septembererhöhung zurückzunehmen. Diese Entwicklung stützte die Nachfrage nach Gold zusätzlich.
Analysten uneinig über weiteren Verlauf
Trotz der jüngsten Stärke mahnen manche Marktbeobachter zur Vorsicht. Harshal Barot von Metals Focus prognostizierte am 10. August, dass Gold bis Ende 2026 einen Bereich zwischen 4.800 und 5.000 US-Dollar pro Unze erreichen könnte. Die technische Langfristlage bleibe trotz der jüngsten Rally herausfordernd, so Barot.
Andere Analysten sehen im aktuellen Anstieg lediglich eine Gegenbewegung innerhalb eines längerfristigen Trends. Zur Einordnung: Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.586,20 Dollar aus Ende Januar liegt Gold noch 20 Prozent entfernt.
Die kommenden Handelstage dürften zeigen, welcher der drei Treiber die Oberhand gewinnt. Fed-Erwartungen, die Entwicklung an der Straße von Hormus und die anhaltenden Zentralbankkäufe bestimmen gemeinsam die nächste Richtung.
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