Krieg zwischen den USA und Iran, steigende Ölpreise, Inflationssorgen. Normalerweise ein Steilpass für Gold als sicheren Hafen. Trotzdem kommt das Edelmetall kaum vom Fleck.

Der Goldpreis steigt am Dienstag um 1,31 Prozent auf 4.064,20 US-Dollar je Feinunze. Damit liegt er nur 4,18 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar vom 28. Oktober 2025. Auf Monatssicht steht sogar ein Minus von 3,46 Prozent.

Der Grund für die Schwäche liegt nicht im Nahen Osten. Er liegt in Washington.

Zinserwartungen drücken auf den Preis

Die US-Notenbank hat ihre Tonlage verändert. Statt über Zinssenkungen spricht die Fed inzwischen über Erhöhungen. Der Auslöser: steigende Ölpreise durch den Iran-Konflikt schüren Inflationsängste.

Die Märkte preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent für eine Fed-Zinserhöhung im September ein. Am Vortag lag der Wert noch bei 51 Prozent. Für Dezember kalkulieren Investoren sogar mit 80 Prozent, vor einer Woche waren es 73 Prozent.

Auch aus der Fed selbst kommt Rückenwind für die Falken. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack schloss sich zuletzt jenen Notenbankvertretern an, die weitere Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung fordern. Die US-Staatsanleiherenditen kletterten daraufhin in dieser Woche deutlich nach oben.

Für Gold ist das ein Problem. Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten des zinslosen Edelmetalls. Genau das drückt den Preis, obwohl die geopolitische Lage eigentlich für höhere Nachfrage sprechen würde.

Geopolitische Lage bleibt angespannt

Die US-Angriffe auf Iran gehen inzwischen in den zehnten aufeinanderfolgenden Tag. Präsident Donald Trump warnte, Iran werde für den Tod von drei US-Soldaten zur Verantwortung gezogen. Die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen kündigten zudem ein Seeembargo gegen Saudi-Arabien an. Das schürt Sorgen um die Energielieferungen über das Rote Meer.

Am Wochenende hatte sich die Lage noch verschärft. Das US-Militär flog nach eigenen Angaben neue Luftangriffe gegen Iran. Teheran erklärte daraufhin, die Waffenruhe mit den USA sei faktisch zusammengebrochen, und meldete, vier Schiffe in der Straße von Hormus abgefangen zu haben.

Es gibt aber auch erste Anzeichen einer Entspannung. Iran erklärte, Vermittler hätten Vorschläge zur Deeskalation unterbreitet. Berichte deuten auf eine mögliche zehntägige Waffenruhe hin.

Die Folgen der Eskalation zeigen sich vor allem beim Öl. Die Ölpreise sind seit ihren Tiefständen im Juli um rund 30 Prozent gestiegen. Das erhöht das Risiko, dass Notenbanken ihre Geldpolitik straffen, um die importierte Inflation einzudämmen.

Silber zieht deutlich stärker an

Während Gold nur moderat zulegt, erholt sich Silber kräftiger. Das Metall kletterte am Dienstag über 58 US-Dollar je Unze. Anleger setzen dabei auf eine mögliche Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran.

Vermittler arbeiteten bereits am Montag daran, beide Seiten zu einer neuen Waffenruhe zu bewegen. Sollte das gelingen, könnten die Inflationsrisiken über die Ölpreise sinken. Das würde auch den Druck auf die Fed für weitere Zinserhöhungen nehmen.

Die Grundstimmung bleibt trotzdem fragil. Trumps Warnung an Iran zeigt: Von einer echten Entspannung ist der Konflikt noch weit entfernt.

Der Goldpreis steckt damit zwischen zwei Kräften fest. Gelingt die zehntägige Waffenruhe, dürfte der Ölpreis-Druck nachlassen und die Zinserhöhungswahrscheinlichkeiten sinken. Setzen sich stattdessen die Fed-Falken durch, bleibt Gold nahe seinem Jahrestief gefangen.