Der Goldpreis steckt in einem Spannungsfeld. Schwache US-Inflationsdaten sprechen für niedrigere Zinsen und eigentlich für höhere Notierungen. Eskalierende Spannungen im Nahen Osten treiben aber den Ölpreis nach oben und dämpfen die Erholung.
Gold notiert aktuell bei 4.068,00 USD. Das entspricht einem Plus von 0,21 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 4.059,30 USD.
Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 0,48 Prozent zu Buche. Auf Monatssicht summiert sich der Rückgang sogar auf 6,07 Prozent.
US-Inflation kühlt deutlich ab
Die US-Verbraucherpreise für Juni überraschten die Märkte. Sie sanken im Monatsvergleich um 0,4 Prozent. Das ist der erste monatliche Rückgang seit sechs Jahren.
Die Jahresrate fiel auf 3,5 Prozent und blieb damit unter der Prognose von 3,8 Prozent. Die Kerninflation blieb im Monatsvergleich unverändert.
Diese Zahlen verschieben die Zinserwartungen deutlich. Swap-Händler taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Juli nur noch auf rund 17 Prozent. Zuvor lag dieser Wert bei etwa 50 Prozent.
Sinkende Zinserwartungen entlasten Gold grundsätzlich. Die Opportunitätskosten für das unverzinste Edelmetall fallen, wenn Zinsen niedriger ausfallen.
Nahost-Eskalation treibt den Ölpreis
Der positive Effekt der Inflationsdaten verpufft allerdings teilweise. Grund ist die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Seedrohnen griffen den Marinestützpunkt Bandar Abbas an. Zusätzlich droht eine Schließung der Straße von Hormus.
Die Ölpreise kletterten daraufhin auf ein Einmonatshoch. Öl notiert derzeit über der Marke von 80 USD.
Höhere Energiekosten schüren neue Inflationsängste. Sie schwächen damit den stützenden Effekt der VPI-Daten. Das CME FedWatch Tool signalisiert für September eine Zinserhöhungs-Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent. Bis Dezember steigt dieser Wert auf 80 Prozent.
Fed bleibt hart, Marke bei 4.000 USD hält
Fed-Chef Warsh dämpft trotz der schwächeren Inflationsdaten die Hoffnung auf eine lockere Geldpolitik. Für dauerhaft hohe Inflation gebe es keine Toleranz, so seine Botschaft. Zinserhöhungen blieben ein zentrales Werkzeug auf dem Weg zum 2-Prozent-Ziel.
Diese Haltung stützt den Dollar. Das bremst Gold zusätzlich.
Charttechnisch bleibt die Marke von 4.000 USD die entscheidende Unterstützung. Sie wurde in den vergangenen Handelstagen mehrfach erfolgreich verteidigt. Nach oben wartet Widerstand bei 4.140,69 USD.
Der Blick auf die gleitenden Durchschnitte zeigt das Ausmaß der Korrektur. Gold notiert 6,11 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.332,55 USD. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand sogar 10,40 Prozent.
Der RSI liegt bei 42,0. Das deutet auf eine neutrale bis leicht überverkaufte Marktlage hin, ebenso wie die annualisierte Volatilität von 28,11 Prozent.
Ein strukturelles Gegengewicht bleibt die Nachfrage der Zentralbanken. Schätzungen zufolge könnten sie 2026 bis zu 850 Tonnen Gold zukaufen. Kurzfristig hängt der Preis aber weiter von der Lage im Nahen Osten ab, ebenso von den anstehenden Erzeugerpreisdaten. Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 USD aus dem Januar fehlen aktuell noch 27,70 Prozent.
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