Steigende Ölpreise, fallender Goldkurs — die Nahost-Krise dreht das übliche Muster um. Normalerweise profitiert das Edelmetall von geopolitischer Angst. Diesmal drückt die Sorge vor höherer Inflation den Kurs nach unten.
Der Goldpreis fiel am Donnerstag um knapp zwei Prozent auf 4.053,40 Dollar. Am Freitag setzte sich der Rückgang fort, die Notierung rutschte Richtung 4.040 Dollar je Unze.
Trump droht mit militärischer Eskalation
Auslöser ist eine schärfere Rhetorik zwischen Washington und Teheran. US-Präsident Donald Trump warnte vor einer Ausweitung militärischer Aktionen gegen den Iran. Er kündigte an, Teheran für künftige Houthi-Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer zur Verantwortung zu ziehen.
Diese Drohung trieb den Ölpreis kräftig nach oben. Brent-Rohöl kletterte erstmals seit Mai über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Höhere Energiepreise schüren Inflationsängste. Das wiederum nährt die Erwartung einer strafferen Fed-Politik — und genau das belastet zinslose Anlagen wie Gold. Aktuell rechnet der Markt nur mit 34 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in der kommenden Woche. Für September ist die Wahrscheinlichkeit bereits auf über 78 Prozent gestiegen.
Neue Zölle verstärken die Unsicherheit
Neben dem Nahost-Konflikt belasten auch neue US-Zölle die Stimmung. Washington verhängte frische Abgaben von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe wichtiger Handelspartner. Diese Mischung aus geopolitischem Konflikt, Zinsspekulation und Handelspolitik sorgt für erhöhte Nervosität an den Rohstoffmärkten.
Trotz des Rücksetzers bleibt die Wochenbilanz für Gold leicht positiv. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 0,80 Prozent zu Buche. Der RSI liegt bei 44,5 — ein neutraler Wert, der weder auf Überkauft- noch auf Überverkauft-Zustand hindeutet. Die grundsätzliche Nachfrage nach dem sicheren Hafen bleibt damit intakt, auch wenn kurzfristige Verkaufswellen den Kurs drücken.
Vorgeschichte: Eskalation seit Tagen
Der Nahost-Konflikt beschäftigt die Märkte bereits seit mehreren Tagen. Die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen erklärten, zwei saudische Öltanker angegriffen zu haben. Das weckte Sorgen über einen neuen Engpass in der globalen Ölversorgung.
Parallel dazu führten die USA in der zwölften aufeinanderfolgenden Nacht Schläge gegen den Iran aus. Diese Entwicklungen hatten bereits am Vortag für einen Rückgang unter die 4.100-Dollar-Marke gesorgt — kurz nachdem Gold noch ein Zwei-Wochen-Hoch erreicht hatte.
Fed-Sitzung und PMI-Daten im Blick
Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf mehrere Termine. Dazu zählen Äußerungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Signale der Fed vor ihrer Sitzung Ende Juli. Auch vorläufige US-PMI-Daten und neue Entwicklungen in der Straße von Hormuz und im Roten Meer stehen im Fokus.
Die nächste Zinsentscheidung der Fed dürfte richtungsweisend für den weiteren Kursverlauf sein. Bis dahin bleibt der Goldmarkt zwischen zwei Kräften gefangen: Sicherer-Hafen-Nachfrage auf der einen, steigende Realzins-Erwartungen auf der anderen Seite.
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