Eine überraschende Waffenpause zwischen den USA und dem Iran nimmt dem Ölmarkt den Schrecken. Gold profitiert von der Entspannung. Allerdings entscheidet die US-Notenbank schon in dieser Woche über die Zinsen – und die Markterwartungen gehen deutlich auseinander.
Waffenpause dämpft Ölpreise und Inflationsangst
Die Lage im Nahen Osten hatte sich zuvor deutlich verschärft. Kampfhandlungen störten die Versorgungswege von der Straße von Hormus bis zum Roten Meer. Gold geriet in den vergangenen Wochen unter Druck.
Am Wochenende kam die Entspannung überraschend. Die USA stellten ihre knapp zweiwöchige Angriffskampagne gegen den Iran ab Freitagabend ohne offizielle Ankündigung ein. Teheran erklärte, seine Vergeltungsschläge zu stoppen, und führte Gespräche mit Oman über die Straße von Hormus.
Der Iran betonte zudem seine Bereitschaft zur Deeskalation. Solange die USA ihre Militäroperationen pausieren, will Teheran auf weitere Angriffe verzichten.
Gold notiert aktuell bei 4.081,10 US-Dollar, ein Plus von 0,63 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 1,73 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, wie stark die Waffenpause den Markt bewegt hat.
Fed-Sitzung als nächster Prüfstein
Die Waffenruhe verändert auch die Erwartungshaltung gegenüber der US-Notenbank. Anleger warten auf die Zinsentscheidung am Mittwoch. Die Märkte preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent für eine Zinserhöhung in dieser Woche ein, für September liegt sie bei etwa 80 Prozent.
Die meisten Marktteilnehmer erwarten, dass die Fed die Zinsen am Mittwoch zunächst unverändert lässt und erst im September anhebt. Einige Beobachter halten aber auch ein sofortiges Handeln für möglich, falls der Inflationsdruck erneut zunimmt.
Notenbanknachfrage bleibt struktureller Anker
Unabhängig von der kurzfristigen Zinsdebatte bleibt die physische Nachfrage ein stabilisierender Faktor. Die chinesische Zentralbank weitete ihre Kaufserie zuletzt deutlich aus. Im Juni 2026 kaufte die People’s Bank of China 14,93 Tonnen Gold – der größte Einmonatszukauf seit 2023.
Es ist bereits der 20. Monat in Folge mit Zukäufen. Das macht die aktuelle Serie zur längsten dokumentierten Kaufphase seit mindestens 2015.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. China kaufte ausgerechnet in jenem Monat kräftig zu, als Gold bei rund 4.002 US-Dollar je Feinunze ein Tief markierte – den schwächsten Stand seit November 2025.
Diese Käufe folgen anderen Motiven als kurzfristige Anleger. China hält im Vergleich zu westlichen Notenbanken deutlich weniger Gold in seinen Reserven. Diese Lücke liefert einen langfristigen Grund für weitere Käufe, unabhängig von aktuellen Preisen oder Zinsentscheidungen. Die PBoC-Kaufserie hat bereits jeden Fed-Kommunikationszyklus seit November 2024 überstanden.
Der World Gold Council befragte für seine bislang größte Umfrage 76 Notenbanken. 89 Prozent erwarten einen Anstieg der globalen Goldreserven binnen der nächsten zwölf Monate. Ein Rekordanteil von 45 Prozent plant, die eigenen Bestände weiter aufzustocken.
Marktausblick zwischen Geopolitik und Geldpolitik
In Asien zeigt sich derweil ein gemischtes Bild. In Indien weiteten sich die Goldabschläge auf ein Sieben-Wochen-Hoch aus, weil hohe Preise die Nachfrage bremsen. In China verbesserte sich das Kaufinteresse dagegen spürbar.
Trotz der jüngsten Erholung bleibt Gold weit von seinem Rekordhoch entfernt. Der Preis notiert rund 27 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar aus Ende Januar 2026.
Am Mittwoch entscheidet die Fed über die Zinsen. Hält die Waffenpause im Nahen Osten, dürfte der Inflationsdruck über die Ölpreise weiter nachlassen – und damit auch der Handlungsdruck auf die Notenbank sinken.
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