Nahost-Entspannung drückt Ölpreise und beflügelt Gold
Die USA und der Iran haben ihre gegenseitigen Angriffe am Wochenende ausgesetzt. Präsident Trump hatte einen vorübergehenden Stopp der Attacken auf iranische Ziele verkündet, Teheran erklärte im Gegenzug, seine Vergeltungsschläge einzustellen, solange auch Washington stillhält. Die Entspannung an der Straße von Hormus schickte die Ölpreise auf Talfahrt: Brent-Öl fiel am Montag um mehr als sieben Prozent auf unter 90 US-Dollar je Barrel, auch die US-Sorte WTI gab deutlich nach. Der Rückgang der Energiepreise nahm den Anlegern zumindest kurzfristig die Sorge vor neuer Inflation und trieb Kapital zurück in den sicheren Hafen Gold, das binnen der Handelswoche mehrfach neue Tageshochs markierte, nachdem es zuvor unter dem Druck steigender Zinserwartungen gestanden hatte.
Fed-Sitzung als nächster Prüfstein
Die US-Notenbank tagt an diesem Dienstag und Mittwoch, und die meisten Marktteilnehmer erwarten einen Zinsstopp. Dennoch rechnet gut ein Drittel der Anleger mit einer Anhebung noch in dieser Woche, für September wird an den Terminmärkten sogar eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent für einen Zinsschritt gehandelt. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh betonte zuletzt, die Notenbank werde alle verfügbaren Instrumente einsetzen, um die Preisstabilität zu sichern. Fed-Vizepräsident Jefferson hält eine Zinserhöhung für nötig, sollte sich die Inflation nicht abkühlen. Der schwächere Dollar, der auf die nachlassenden Nahost-Sorgen reagierte, wirkte zusätzlich stützend für Gold, da das Metall in der US-Währung notiert und für Käufer außerhalb des Dollarraums damit günstiger wird.
Spekulanten und Zentralbanken bauen Positionen aus
Auch die Terminmarktdaten deuten auf wachsendes Vertrauen in steigende Goldpreise hin. In der Woche bis zum 21. Juli erhöhten spekulative Investoren ihre Netto-Long-Positionen am COMEX um 4.438 auf 123.586 Kontrakte. Parallel dazu kaufte die chinesische Zentralbank im Juni weitere 14,93 Tonnen Gold und setzte damit ihre Käuferserie fort. Diese Kombination aus privater Nachfrage und offizieller Reservebildung gilt als struktureller Faktor, der den Goldpreis unabhängig von kurzfristigen geopolitischen Nachrichten stützt. Auch Silber, Platin und Palladium profitierten von der insgesamt risikofreundlicheren Stimmung an den Rohstoffmärkten.
Analysten uneins über den weiteren Kursverlauf
Die Einschätzungen der Häuser gehen weit auseinander. Goldman Sachs hob sein Kursziel für Ende 2026 von 4.900 auf 5.400 US-Dollar je Feinunze an und begründet dies mit einer verschärften Konkurrenz zwischen Zentralbanken und Privatanlegern um das begrenzte Angebot. TD Securities-Analyst Bart Melek sieht den Goldpreis dagegen in zwölf Monaten bei nur noch 3.900 US-Dollar, belastet durch einen kurzfristig starken Dollar und hohe Fed-Zinsen.
Eine Umfrage von Kitco unter Marktbeobachtern zeigt ein ähnlich gespaltenes Bild: 22 Prozent der Befragten erwarten weiter steigende Preise, 39 Prozent rechnen mit einem Rückgang, weitere 39 Prozent sehen eine Seitwärtsbewegung. Für Anleger dürfte die Fed-Entscheidung in dieser Woche zum unmittelbaren Richtungsgeber werden: Ein bestätigter Zinsstopp würde die jüngste Erholung des Goldpreises stützen, eine überraschende Anhebung könnte den positiven Trend rasch bremsen.
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