Der Goldpreis pendelt zwischen zwei Kräften, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Auf der einen Seite treibt der eskalierende Nahost-Konflikt Anleger in den sicheren Hafen. Auf der anderen Seite schieben steigende Ölpreise die Inflationserwartungen nach oben — und damit die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung. Am Mittwoch gab das Edelmetall einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder ab.
Zinssorgen bremsen die Rally
Erst am Dienstag war Gold kräftig gestiegen, gestützt von Hoffnungen auf eine Deeskalation zwischen den USA und dem Iran sowie robusten Notenbankkäufen. Am Mittwochmorgen erreichte der aktivste Gold-Future noch ein Zwei-Wochen-Hoch von rund 4.132 Dollar pro Feinunze, bevor die Notierungen wieder nachgaben.
Der Grund: Die andauernden US-Angriffe auf iranische Ziele — mittlerweile im elften Tag in Folge — haben die Ölpreise weiter angetrieben. WTI kletterte auf 85,51 Dollar, Brent auf 92,38 Dollar. Laut CME-FedWatch-Tool preisen die Terminmärkte inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent ein, dass die US-Notenbank ihren Leitzins bis Mitte September anhebt.
Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuletzt selbst durchblicken lassen, dass eine Zinserhöhung in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich sei. Steigende Zinsen verteuern die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls — ein klassischer Gegenwind für Gold. Hinzu kommt ein starker US-Dollar, der das Metall für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert, besonders in Schwellenländern wie China und Indien.
Zentralbanken bleiben auf der Käuferseite
Während kurzfristige Zinsspekulationen den Kurs belasten, bauen Notenbanken ihre Goldreserven strukturell weiter aus. Der World Gold Council registrierte im ersten Quartal Käufe von 244 Tonnen, nach 208 Tonnen im Quartal davor.
Goldman Sachs bezifferte allein die Käufe im Mai auf rund 81 Tonnen, davon 48 Tonnen durch China. Über die vergangenen drei Monate kauften Notenbanken im Schnitt 67 Tonnen pro Monat — ein Tempo, das die Bank als strategische Umschichtung statt kurzfristiger Positionierung deutet.
Eine Umfrage unter 74 Notenbanken zeigt: 45 Prozent von ihnen wollen ihre Goldbestände auch im kommenden Jahr weiter aufstocken — ein Rekordwert. Dieses strukturelle Kaufinteresse dürfte den Preis auch bei kurzfristigen Rückschlägen stützen.
Die Lage in der Straße von Hormuz bleibt derweil angespannt. Die Schiffsdurchfahrten sind binnen einer Woche von 157 auf 53 eingebrochen, Tanker meiden die Route aus Furcht vor Beschuss. Das hält die geopolitische Risikoprämie im Ölpreis hoch — und damit indirekt auch das Zinskalkül, das derzeit über den Goldpreis entscheidet.
Die nächste geldpolitische Sitzung der Fed steht in der kommenden Woche an. Bis dahin bleibt der Goldpreis im Spannungsfeld zwischen Krisenangst und Zinssorgen gefangen.
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