Private Anleger ziehen sich aus Gold zurück. Notenbanken kaufen dafür so viel wie nie zuvor in einem zweiten Quartal. Dieser Gegensatz prägt aktuell den Goldmarkt – und zeigt, wer den Preis derzeit wirklich stützt.

Notenbanken kaufen Gold in Rekordtempo

Der World Gold Council meldet für das zweite Quartal 2026 Nettokäufe der Zentralbanken von 288,9 Tonnen. Das ist ein Plus von rund 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist zugleich der höchste je gemessene Wert für ein zweites Quartal.

Bemerkenswert: Die Käufe fielen in eine Phase fallender Preise. Gold verzeichnete im selben Zeitraum seinen stärksten Quartalsrückgang seit rund einem Jahrzehnt.

Polen und China führen die Käuferliste an. Die polnische Notenbank stockte ihre Reserven um 51 Tonnen auf insgesamt 632 Tonnen auf.

China baute seine Bestände um 33 Tonnen auf rund 2.346 Tonnen aus. Analysten deuten dieses Verhalten als Zeichen für eine geopolitisch motivierte Abkehr vom US-Dollar.

Zinssorgen belasten privates Investment

Dem Kaufrausch der Notenbanken steht eine Schwäche bei privaten Anlegern gegenüber. Gold-ETFs verzeichneten im zweiten Quartal Nettoabflüsse von 45 Tonnen. Allein im Juni zogen Anleger rund 8,9 Milliarden US-Dollar aus goldgesicherten Fonds ab.

Der Grund liegt in der straffen Geldpolitik der US-Notenbank. Der Leitzins liegt aktuell zwischen 3,50 und 3,75 Prozent. Mehrere Fed-Mitglieder votierten zuletzt erneut für eine weitere Anhebung.

Der Markt preist für die September-Sitzung eine Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent für eine weitere Zinserhöhung ein. Diese Erwartung stützt den Dollar. Sie erhöht zugleich die Opportunitätskosten für das Halten von unverzinstem Gold.

Neue Standards für die Goldgewinnung

Auf der Angebotsseite gibt es ebenfalls Bewegung. Der World Gold Council und die Dynacor Group unterzeichneten am 10. August 2026 eine Absichtserklärung. Ziel ist es, den handwerklichen und kleinbetrieblichen Goldbergbau zu formalisieren.

Die Partnerschaft will verantwortungsvoll produziertes Gold besser in globale Lieferketten integrieren. Dafür sollen neue Technologien zur Herkunftsprüfung und zentrale Verarbeitungsanlagen sorgen. Die Minenproduktion stieg im zweiten Quartal nur moderat um zwei Prozent – Transparenz bei kleineren Förderquellen gewinnt damit an Bedeutung.

Gold notiert aktuell bei 4.446,40 US-Dollar. Zum 200-Tage-Durchschnitt fehlen nur noch 2,05 Prozent – die Erholung der vergangenen Wochen hat den Abstand deutlich verkleinert.

Der RSI von 68,3 signalisiert nach dem jüngsten Anstieg bereits eine überkaufte Lage. Kurzfristige Gewinnmitnahmen sind damit nicht ausgeschlossen. Solange die Zinspfade in den USA nach oben zeigen, bleibt die Nachfrage der Notenbanken aber der entscheidende Stabilitätsfaktor für den Goldpreis.