Neuer Fed-Chef, möglicher Iran-Deal, robuste Zentralbankkäufe — der Goldmarkt verarbeitet am Pfingstmontag gleich drei strukturelle Signale auf einmal. Das Ergebnis ist kein einfaches Auf oder Ab, sondern eine komplexe Neubewertung.
Warsh als Falke — und der Iran-Faktor
Kevin Warsh wurde am Freitag als neuer Federal-Reserve-Vorsitzender vereidigt. Er gilt als geldpolitischer Falke, was für Gold unter normalen Umständen Gegenwind bedeuten würde. Die April-FOMC-Protokolle stützen dieses Bild: Die Formulierung zur geldpolitischen Flexibilität fiel, eine Mehrheit der Mitglieder signalisierte, dass Zinserhöhungen wahrscheinlich angemessen werden — falls die Inflation dauerhaft über zwei Prozent bleibt.
Parallel dazu sorgen Berichte über mögliche Fortschritte in den US-Iran-Gesprächen für eine unerwartete Gegenbewegung. Trump erklärte am Wochenende, ein Friedensabkommen sei „weitgehend ausgehandelt“. Irans Fars-Nachrichtenagentur widersprach umgehend und verwies auf ungelöste Differenzen beim Nuklearprogramm und der Kontrolle der Straße von Hormus. Der Konflikt ist also alles andere als beigelegt.
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Entscheidend ist, was ein möglicher Deal für den Ölpreis bedeuten würde. Sinkende Ölpreise nehmen Druck aus der Inflationsdebatte — und könnten damit ausgerechnet den Spielraum für Zinssenkungen wieder öffnen, den Warsh gerade zu schließen scheint.
Silber überholt Gold
Am Montag zogen beide Edelmetalle scharf an. Gold handelte bei rund 4.523 Dollar je Unze — ein Plus von knapp 0,05 Prozent auf Tagesbasis, während die 30-Tage-Bilanz mit minus 4,2 Prozent noch das Konsolidierungsbild der vergangenen Wochen widerspiegelt. Silber legte stärker zu und trieb das Gold-Silber-Verhältnis auf 58,9 — ein Niveau, das historisch als Schwellenwert gilt, ab dem industrielle und Investmentnachfrage Silber gleichzeitig stützen.
Charttechnisch bleibt das Bild zweigeteilt. Gold notiert unter der 50- und 100-Tage-EMA, der kurz- bis mittelfristige Trend ist damit negativ. Die 200-Tage-EMA hält jedoch als Unterstützung — der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt.
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Zentralbanken kaufen breiter
Unabhängig vom tagesaktuellen Nachrichtenfluss liefert die strukturelle Nachfrage ein stabiles Fundament. Der World Gold Council meldete für das erste Quartal 2026 Netto-Käufe der Zentralbanken von 244 Tonnen — 17 Prozent mehr als im Vorquartal. Besonders aktiv waren Polen, Usbekistan und China.
Bemerkenswert ist die Verbreiterung der Käuferbasis. Neben den üblichen Akteuren kauften zuletzt auch Zentralbanken aus Guatemala, Indonesien und Malaysia. Chinas PBoC setzt ihre Kaufserie bereits seit 17 aufeinanderfolgenden Monaten fort. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der World Gold Council Zentralbankkäufe zwischen 700 und 900 Tonnen.
Die laufende Woche bringt mit den US-BIP-Daten für das erste Quartal und den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung die nächsten Impulse für die Zinsdebatte — und damit für die Frage, wie weit Warsh seinen hawkishen Kurs tatsächlich durchsetzen kann.
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