Eine globale Krise treibt normalerweise den Goldpreis. Im ersten Halbjahr versagte dieser Mechanismus. Nach neuen Rekordhochs im Winter erlebte das Edelmetall einen dramatischen Absturz.
Der World Gold Council zieht in seinem aktuellen Bericht eine drastische Bilanz. Im Januar kletterte der Preis noch auf ein Rekordhoch von knapp 5.627 US-Dollar. Danach kippte die Stimmung.
Aktuell pendelt die Feinunze um die Marke von 4.185 US-Dollar. Auf Monats-Sicht büßte das Edelmetall rund sechs Prozent ein. Der Juni brachte den stärksten Rückschlag seit der Finanzkrise.
Zinsangst schlägt Krisenprämie
Die Ursache für den Preisverfall überrascht auf den ersten Blick. Der eskalierende Iran-Konflikt verteuert weltweit Energie. Das heizt die allgemeine Inflation wieder an. Höhere Teuerungsraten zwingen die Notenbanken, die Zinsen oben zu halten.
Die Folge: Gold verliert seine Attraktivität. Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Höhere Leitzinsen machen festverzinsliche Papiere für Investoren lukrativer. Die Zinspolitik bleibt laut WGC die wichtigste Stellschraube für die kommenden Monate.
Zentralbanken stützen den Kurs
Ein völliger Einbruch bleibt bislang aus. Langfristige Käufer stabilisieren den Markt nahe der 4.000-Dollar-Marke. Vor allem Zentralbanken und institutionelle Investoren greifen auf diesem Niveau massiv zu.
Viele Analysten blicken daher optimistisch auf den Rest des Jahres. Die Commerzbank erwartet bis Dezember einen Anstieg auf 4.800 US-Dollar.
Auf längere Sicht sehen die Experten noch mehr Potenzial. Für das Jahr 2027 rufen sie ein Kursziel von 5.200 US-Dollar aus. Auch das Londoner Research-Haus Metals Focus bleibt zuversichtlich. Die Experten prognostizieren für 2026 einen Durchschnittspreis von 4.920 US-Dollar.
Das zweite Halbjahr bringt ein hartes Ringen. Eine straffe Geldpolitik bremst den Kurs, während Zentralbanken die Nachfrage hochhalten. Hält die wichtige Unterstützung bei 4.000 US-Dollar, rücken die optimistischen Analystenziele wieder in greifbare Nähe.
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