Steigende Ölpreise, ein erstarkender Dollar und ein Fed-Direktor, der offen über Zinserhöhungen spricht — Gold bekommt das alles gerade gleichzeitig zu spüren. Das Edelmetall notiert am Mittwoch bei rund 4.498 US-Dollar je Feinunze und hat damit binnen zwei Tagen kaum Boden gewonnen.
Nahost-Spannungen ohne klare Auflösung
Der Nahe Osten bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor. US-Präsident Trump sprach Ende vergangener Woche von einer nahenden Finalisierung eines Memorandum of Understanding mit dem Iran — ein iranischer Militärsprecher widersprach jedoch und betonte, die Straße von Hormus bleibe unter voller iranischer Souveränität. Berichte über US-Militärschläge in Südiran, die Washington als Selbstverteidigung einstufte, Teheran hingegen als Verstoß gegen ein Waffenstillstandsabkommen wertete, dämpften Hoffnungen auf eine rasche Deeskalation weiter.
Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus treibt den Brent-Preis nach oben. Die Internationale Energieagentur sieht darin eine der größten Energiekrisen aller Zeiten.
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Warum Gold trotz Inflation fällt
Höhere Energiepreise bedeuten höhere Inflation — eigentlich ein klassisches Argument für Gold als Schutzanlage. Der Mechanismus dreht sich jedoch gerade um: Weil die Teuerung energiegetrieben ist, rechnen Märkte mit einer restriktiveren Fed, nicht mit einer nachgiebigeren.
Fed-Direktoriumsmitglied Christopher Waller formulierte das am 22. Mai ungewohnt direkt. Er plädierte dafür, Zinssenkungen aus der offiziellen Fed-Kommunikation zu streichen — eine Erhöhung sei nicht weniger wahrscheinlich als eine Senkung. Hintergrund: Die Inflationsrate lag im April bei 3,8 Prozent, fast doppelt so hoch wie das Fed-Ziel von 2 Prozent.
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Ein stärkerer Dollar verstärkt den Druck auf Gold zusätzlich, weil das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer wird.
Was bis zur Fed-Sitzung zählt
Die nächste Zinsentscheidung fällt am 17. Juni. Bis dahin dürften US-Wirtschaftsdaten den Ton angeben — insbesondere Inflations- und Arbeitsmarktdaten, die Waller und seine Kollegen in ihrer Einschätzung bestätigen oder korrigieren könnten. Solange die Märkte eine Zinserhöhung nicht ausschließen, bleibt der Gegenwind für Gold strukturell.
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