Der Goldpreis bewegt sich zur Wochenmitte in ruhigen Bahnen, während Anleger auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag warten. Am gestrigen Dienstag schloss die Feinunze bei 4.143,60 US-Dollar, ein Plus von 0,80 Prozent. Von seinem Rekordhoch aus Ende Januar bleibt das Edelmetall damit weiterhin deutlich entfernt – der Abstand beträgt gut 26 Prozent. Diese Korrektur hat die strukturelle Nachfrage nach dem Metall jedoch nicht gebremst, im Gegenteil: Zentralbanken kaufen so viel Gold wie selten zuvor.

Nach Angaben des World Gold Council kauften Notenbanken weltweit im zweiten Quartal netto 289 Tonnen Gold – ein Rekord für ein zweites Quartal und ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Polen zählte laut dem Verband zu den größten Käufern. Allein im Juni erwarben Zentralbanken zusammen 51 Tonnen, wobei Polen mit 19 Tonnen vorne lag, gefolgt von China mit 15 Tonnen und Usbekistan mit 9 Tonnen. Russland und die Türkei bauten ihre Bestände dagegen ab. China hält inzwischen 2.331,52 Tonnen Gold und hat seine Reserven damit 19 Monate in Folge aufgestockt.

Südkorea kehrt nach 13 Jahren zurück

Die auffälligste Einzelmeldung der vergangenen Tage kam aus Seoul. Die Bank of Korea kündigte am Montag an, erstmals seit 2013 wieder physisches Gold zu kaufen. Zunächst investiert die Notenbank in Gold-ETFs im Ausland, parallel baut sie einen Rahmen für den Erwerb heimisch geförderten Golds über die Korea Exchange und die Korea Securities Depository auf, abgewickelt über die Produzenten LS MnM und Korea Zinc. Geplant sind vier bis fünf Tonnen pro Jahr aus inländischer Produktion. Jeong Hee-sup kündigte einen „graduellen Anstieg“ der Käufe über die mittlere bis lange Frist an. Als Gründe nannte die Notenbank geopolitische Risiken und den Wunsch nach stärkerer Diversifizierung weg vom Dollar. Aktuell hält die Bank of Korea 104,4 Tonnen Gold, das entspricht lediglich 1,1 Prozent ihrer Devisenreserven von 427,36 Milliarden Dollar – deutlich weniger als bei vielen anderen großen Notenbanken. Bereits zwischen 2011 und 2013 hatte Korea rund 90 Tonnen Gold nahe einem damaligen Hoch gekauft; diese Bestände sind seither erheblich mehr wert geworden.

Paulson setzt auf Minenaktien statt auf Barren

Auch auf der Investorenseite bewegt sich etwas. Der Hedgefondsmanager John Paulson sieht den Beginn eines langfristigen Bullenmarktes bei Gold, bevorzugt für dessen Umsetzung aber Minenaktien und insbesondere Explorationsfirmen gegenüber physischem Metall. Paulson übernahm per Aktientransaktion einen 40-Prozent-Anteil am Donlin-Gold-Projekt in Alaska und wird künftig Co-Chairman von NovaGold. Die bisherigen NovaGold-Aktionäre halten nach der Transaktion 65 Prozent, Paulson 35 Prozent. Das Donlin-Projekt verfügt über rund 40 Millionen Feinunzen an Ressourcen, NovaGold wird derzeit mit etwa 4,2 Milliarden Dollar bewertet.

Analysten uneins über die weitere Richtung

Für die kommenden Monate gehen die Einschätzungen der Experten weit auseinander. Der World Gold Council rechnet für die zweite Jahreshälfte mit einem Goldpreis um 4.100 Dollar je Feinunze, bei einer Zuspitzung geopolitischer Risiken hält er einen Anstieg auf 4.500 bis 5.000 Dollar für möglich. Der „In Gold We Trust“-Report geht sogar von bis zu 8.900 Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts aus. OANDA-Analyst Kelvin Wong sieht bei einer Entspannung im Nahen Osten weiteres Aufwärtspotenzial für das Edelmetall. Kurzfristig dürfte der Preis nach Einschätzung von Marktbeobachtern stark von den anstehenden US-Arbeitsmarktdaten abhängen: Sowohl der ADP-Bericht am Nachmittag als auch die offiziellen Beschäftigungszahlen am Freitag gelten als richtungsweisend dafür, wie die US-Notenbank im September mit den Leitzinsen umgeht. Die Terminmärkte preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 59 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein, nachdem dieser Wert am Vortag noch bei 67 Prozent gelegen hatte.