36.664,5 Tonnen Gold liegen inzwischen in den Tresoren der Zentralbanken. Das ist ein neuer Rekord. Der Goldpreis selbst gibt derzeit leicht nach und notiert bei rund 4.044 US-Dollar je Feinunze.
Diese Diskrepanz ist auffällig. Während der Kurs kurzfristig schwächelt, bauen Notenbanken weltweit ihre Reserven strukturell weiter aus.
Marktwert erreicht neue Dimension
Die aktuellen Bestände entsprechen 16,7 Prozent des gesamten jemals geförderten Goldes. Historisch wurden schätzungsweise 219.890 Tonnen aus der Erde geholt. Auf Basis des LBMA-Preises vom 21. Juli 2026 ergibt sich ein Marktwert von rund 4,78 Billionen US-Dollar.
Pro Kopf gerechnet ergibt das eine ungewöhnliche Zahl: Jedem Menschen weltweit stehen rechnerisch 4,42 Gramm Gold zu. Das entspricht einem Gegenwert von etwa 576 US-Dollar.
Bei den größten Einzelhaltern hat sich wenig verändert. Die USA führen weiterhin mit 8.133 Tonnen, das sind 22,2 Prozent aller Zentralbank-Reserven weltweit. Der Marktwert dieser US-Bestände liegt bei rund 1,06 Billionen US-Dollar.
Polen kauft am aggressivsten
Ein Land sticht bei den Neukäufen besonders hervor: Polen. Die polnische Notenbank kaufte im ersten Quartal 2026 netto 31 Tonnen Gold hinzu und war damit erneut größter Käufer weltweit. Ihre Reserven wuchsen auf 582 Tonnen, der Zukauf entspricht einem Wert von rund 4 Milliarden US-Dollar.
Die Kaufserie ging weiter. Bis Ende Mai verzeichnete Polen bereits den vierten Monat in Folge mit zweistelligen Nettokäufen. Die Reserven kletterten auf 614 Tonnen – nahe am erklärten Ziel von 700 Tonnen.
Auch insgesamt bleibt die Nachfrage der Notenbanken robust. Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken netto 244 Tonnen Gold. Das liegt über dem Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt.
Gold verdrängt US-Anleihen
Die Central Bank Gold Reserves Survey 2026 des World Gold Council liefert einen bemerkenswerten Befund. Gold hat US-Staatsanleihen als weltweit größtes Reserveaktivum überholt. 89 Prozent der befragten Institute erwarten in den kommenden zwölf Monaten einen weiteren Anstieg der globalen Goldreserven.
Der Anteil der Notenbanken, die eigene Aufstockungen planen, erreichte mit 45 Prozent einen Rekordwert. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 43 Prozent.
Über die vergangenen vier Jahre kauften Zentralbanken im Schnitt 1.000 Tonnen Gold pro Jahr. Das ist doppelt so viel wie im Durchschnitt des vorangegangenen Jahrzehnts. Shaokai Fan, Global Head of Central Banks beim World Gold Council, bringt es auf den Punkt: „Zentralbanken sind weiterhin sehr positiv gegenüber Gold eingestellt. Tatsächlich positiver als je zuvor.“ Fan verweist darauf, dass die Aufstockungspläne trotz anhaltender geopolitischer Spannungen zunahmen.
Kurzfristig unter Druck
Der aktuelle Preisrückgang hat andere Ursachen. Gold fiel zuletzt in Richtung 4.040 US-Dollar und setzte damit einen fast zweiprozentigen Rückgang der Vorsitzung fort. Steigende Ölpreise infolge der Nahost-Krise nährten Erwartungen einer strengeren US-Geldpolitik.
Auch die Fed-Zinserwartungen belasten den Markt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in der kommenden Woche liegt bei 34 Prozent. Für September ist die Wahrscheinlichkeit bereits auf über 78 Prozent gestiegen.
Analysten sehen darin keinen Widerspruch zur strukturellen Nachfrage. Die Zentralbank-Käufe gelten als Stabilitätsfaktor, der von kurzfristigen Zins- und Ölpreis-Schwankungen unabhängig bleibt. Genau diese zwei Ebenen – kurzfristiger Kursdruck und langfristiger Nachfrageaufbau – bestimmen derzeit das Bild am Goldmarkt.
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