Der Goldpreis gibt am heutigen Freitag nach, bleibt aber im Kontext der vergangenen Wochen bemerkenswert stabil hoch. Zuletzt notiert die Feinunze bei 4.540,48 US-Dollar, ein Rückgang von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Die eigentliche Geschichte hinter dem Edelmetall spielt sich derzeit jedoch nicht an den Terminmärkten ab, sondern in den Tresoren der Notenbanken.
Zentralbanken kaufen so viel wie nie zuvor im zweiten Quartal
Der World Gold Council bestätigte Ende Juli, dass Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 netto 288,9 Tonnen Gold erwarben – ein Plus von 62 Prozent gegenüber den 177,9 Tonnen im Vorjahresquartal. Es ist die stärkste Q2-Gesamtzahl in der Datenreihe der Organisation.
Angeführt wurde die Käuferliste von Polen mit 51 Tonnen; das Land arbeitet auf ein selbstgesetztes Reserveziel von 700 Tonnen hin. Chinas Zentralbank steuerte 33 Tonnen bei, der größte Einzelquartals-Kauf des Landes seit Ende 2023. Bloomberg berichtete Anfang August, dass Chinas Notenbank inzwischen 21 Monate in Folge Gold akkumuliert hat.
Diese strukturelle Nachfrage von staatlicher Seite unterscheidet sich deutlich von den schwankungsanfälligeren privaten Anlageflüssen. Während Gold-ETFs im zweiten Quartal insgesamt noch 45 Tonnen Netto-Abflüsse verzeichneten, vor allem aus nordamerikanischen Fonds, hat sich das Bild seither gedreht. Der SPDR Gold Trust meldete allein am 7. August rund 637 Millionen US-Dollar an Netto-Zuflüssen.
Bis zum 26. August wuchs der Bestand des Fonds auf 1.045,50 Tonnen, ein Zugewinn von 10,84 Tonnen binnen einer Woche, begleitet von Netto-Zuflüssen in Höhe von 1,97 Milliarden US-Dollar. Benzinga zufolge führte der SPDR Gold Trust damit zeitweise sämtliche ETFs weltweit bei den Netto-Zuflüssen an und steigerte sein verwaltetes Vermögen um 0,79 Prozent auf 150,9 Milliarden US-Dollar.
Physische Nachfrage aus China zieht an
Auch auf der physischen Seite zeigt sich in China ein deutliches Signal: Die Netto-Goldimporte über Hongkong stiegen im Juli um rund 11 Prozent gegenüber dem Vormonat, getragen von stärkerer Investitionsnachfrage.
Bemerkenswert ist dabei ein Detail vom Markt selbst: In Shanghai kostete Gold zuletzt 22 US-Dollar je Unze weniger als am europäischen Spotmarkt – der negative China-Spread hat sich damit erneut ausgeweitet, was auf ein lokales Nachfrageungleichgewicht hindeutet.
Auf der Angebotsseite mahnt S&P Global-Analyst Paul Manalo zur Vorsicht bei der langfristigen Versorgungslage. Seiner Prognose zufolge erreicht die weltweite Goldförderung 2026 mit 110 Millionen Unzen ihren Höhepunkt, bevor sie bis 2028 auf 103 Millionen Unzen zurückgeht. Grund sei der massive Rückgang bedeutender Neufunde: Seit 2020 habe es lediglich fünf größere Entdeckungen mit insgesamt 17 Millionen Unzen Gold gegeben.
Ausblick: Fed-Politik bleibt Taktgeber
Kurzfristig dürfte der Goldpreis weiter stark an den Erwartungen zur US-Geldpolitik hängen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September wird derzeit auf 38 Prozent taxiert, während Marktteilnehmer eine Erhöhung bis Dezember mit über 70 Prozent Wahrscheinlichkeit einpreisen.
Mit einem Abstand von 34 Prozent zum 52-Wochen-Tief von 3.384,54 US-Dollar und einem Plus von 33 Prozent auf Zwölfmonatssicht bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt, auch wenn der Goldpreis derzeit rund 19 Prozent unter seinem im Januar markierten Rekordhoch von 5.598,58 US-Dollar notiert. Die nächste FOMC-Sitzung am 15. und 16. September dürfte richtungsweisend werden.
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