Die Notenbanken bleiben der zentrale Nachfragefaktor für Gold – doch das Tempo ihrer Käufe hat sich zuletzt spürbar verlangsamt. Nach Angaben des World Gold Council kamen die weltweiten Zentralbanken bis September auf ein Kaufvolumen von rund 130 Tonnen im laufenden Jahr, verglichen mit etwa 160 Tonnen im gleichen Vorjahreszeitraum.
Das Signal ist eindeutig: Trotz eines starken zweiten Quartals lässt der strukturelle Nachfragepfeiler nach, der den Goldpreis in den vergangenen Jahren getragen hat.
Besonders deutlich zeigt sich der Kontrast zum zweiten Quartal 2026, in dem die Notenbanken laut World Gold Council netto 288,9 Tonnen kauften – ein Plus von 62,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und mehr als das Fünffache des ersten Quartals mit 56,5 Tonnen.
China und Polen zählten zu den treibenden Käufern, mit einem Zuwachs von 20 beziehungsweise 8 Tonnen seit Jahresbeginn. Im Mai hatten neben Polen mit 18 Tonnen auch Usbekistan und Kasachstan zweistellige Zukäufe gemeldet.
Umfragewerte deuten auf anhaltendes Interesse
Dass die Kauflaune der Notenbanken grundsätzlich intakt bleibt, zeigt eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken im Juni: 45 Prozent der Institute planten demnach weitere Goldkäufe – der höchste je erfasste Anteil seit Beginn der Erhebung 2018. Die Diskrepanz zwischen dieser hohen Kaufbereitschaft und dem tatsächlich schwächeren Tempo seit Jahresbeginn wirft die Frage auf, ob die Notenbanken angesichts der bereits kräftig gestiegenen Preise taktisch pausieren, statt ihre langfristige Diversifizierungsstrategie aufzugeben.
Auf der Angebotsseite bleibt die Lage stabil. Die globale Förderung erreichte 2025 nach Angaben des World Gold Council 3.671,6 Tonnen, ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Südafrika meldete für Juni sogar ein Produktionsplus von 6,2 Prozent im Jahresvergleich. Von Förderausfällen oder Streiks, die das Angebot verknappen könnten, ist derzeit nichts bekannt.
Kurzfristig dominiert die Zinserwartung
Während die Zentralbanknachfrage den mittelfristigen Rahmen setzt, bestimmen kurzfristig weiterhin die US-Zinserwartungen die Kursbewegung. Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.430,09 Dollar je Feinunze, ein Tagesminus von 1,0 Prozent.
Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 0,5 Prozent zu Buche, während sich der Preis binnen 30 Tagen um 4,3 Prozent verteuerte. Zum bisherigen Jahreshoch von 5.598,58 Dollar, erreicht Ende Januar, fehlen dem Metall inzwischen 21 Prozent.
Die Gemengelage aus nachlassendem, aber strukturell noch positivem Zentralbankinteresse und einer Fed, die zwischen Zinserhöhungssignalen und dovischen Zwischentönen schwankt, dürfte den Goldpreis auch in den kommenden Wochen in einer breiten Handelsspanne halten.
Anleger richten den Blick nun stärker auf die kommenden WGC-Daten zur Notenbanknachfrage, um zu erkennen, ob sich die Verlangsamung fortsetzt oder ob die hohe Kaufbereitschaft aus der Juni-Umfrage sich in den offiziellen Zahlen niederschlägt.
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