Hormuz-Krise diktiert die Preise — Öl, Gold, Silber und Uran im Stresstest

Die geschlossene Straße von Hormuz treibt Rohstoffmärkte um. Während Ölpreise fallen, erholen sich Edelmetalle und Uran rückt in den Fokus.

Silber Preis Aktie
Kurz & knapp:
  • Silber überwindet 80-Dollar-Marke
  • Gold gestützt durch Zentralbankkäufe
  • Brent-Öl fällt sieben Prozent
  • Putin bietet Uran-Einlagerung an

Ein einziger Meereskorridor hält fünf Rohstoffmärkte in Atem. Die seit Ende Februar faktisch geschlossene Straße von Hormuz zwingt Öl, Edelmetalle und Uran in ein gemeinsames Korsett aus Kriegsangst und Friedensdiplomatie — mit jeweils völlig unterschiedlichen Reaktionen. Während Brent und WTI in einer Woche sieben Prozent verloren, tastete sich Silber zurück über die 80-Dollar-Marke. Gold profitiert von Zentralbankkäufen, und Uran rückt durch Putins jüngstes Einlagerungsangebot ins Zentrum der Nukleardiplomatie.

Silber: Zurück über 80 Dollar — trotz erdrückendem Zinsdruck

Silber notierte am Freitag bei 80,27 USD je Feinunze. Ein minimales Tagesminus von 0,07 Prozent, das den Blick auf die größere Dynamik verstellt: Gegenüber dem Vormonat legte das Edelmetall um gut sechs Prozent zu, im Jahresvergleich steht ein Plus von über 146 Prozent.

Die Rückkehr über die psychologisch wichtige 80-Dollar-Marke — der höchste Stand seit Mitte März — wurde durch Optimismus über ein mögliches US-Iran-Friedensabkommen befeuert. Ein wöchentliches Plus von mehr als sieben Prozent war die Folge. Die Logik dahinter: Sinkt das Eskalationsrisiko, entspannen sich Energiepreise, und die Zinserwartungen mildern sich.

Trotzdem liegt Silber seit Ausbruch des Konflikts noch immer rund 15 Prozent im Minus. Die Hormuz-Blockade trieb Energiekosten auf historische Niveaus, was Inflation und Zinsängste schürte — Gift für ein zinslos gehaltenes Edelmetall.

Die Federal Reserve beließ den Leitzins jüngst bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Bemerkenswert war die Abstimmung: Vier Mitglieder wichen vom Konsens ab. Ein derart tief gespaltenes Gremium sahen die Märkte zuletzt Anfang der neunziger Jahre. Fed-Mitglied Neel Kashkari brachte sogar weitere Anhebungen ins Spiel und verwies auf den andauernden Hormuz-Konflikt als Inflationsrisiko.

Auf der Angebotsseite zeichnet sich das sechste Defizitjahr in Folge ab. Die physische Investmentnachfrage soll 2026 um ein Fünftel auf 227 Millionen Unzen klettern — das globale Angebot wächst nur marginal. Das Gold-Silber-Ratio hat sich bei rund 61 eingependelt, nachdem es vom Tief bei 43 zurückfederte.

Gold: Zentralbanken kaufen — der Markt zögert

Spot-Gold pendelte zuletzt um die Marke von 4.715 bis 4.729 USD je Feinunze. Im Monatsverlauf ein leichtes Minus von knapp einem Prozent, im Jahresvergleich aber weiterhin fast 42 Prozent im Plus.

Auch Gold notiert mehr als zehn Prozent unter dem Stand zu Beginn des Iran-Konflikts. Die gleiche Mechanik wie bei Silber: explodierende Energiepreise, Inflationserwartungen, steigende Zinsen. All das drückt auf den klassischen sicheren Hafen.

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Vergangene Woche kletterte Gold dennoch über 4.700 Dollar. Der Auslöser: Berichte über ein einseitiges Memorandum of Understanding, das die USA über pakistanische Vermittler an Teheran übermittelt haben sollen. Es sieht die formale Beendigung des Konflikts und die schrittweise Wiedereröffnung von Hormuz vor. Sinkende Ölpreise linderten die Inflationssorgen — und gaben Gold Luft.

Der eigentliche Anker bleibt die Zentralbanknachfrage:

  • China kauft seit mehr als 17 Monaten ununterbrochen Gold
  • Global wurden im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen erworben — über dem Fünfjahresdurchschnitt
  • Diese Käufe sind kein Zufall, sondern strategische Diversifikation weg vom Dollar

Technisch bleibt die Lage konstruktiv. Solange der Preis über 4.722 USD hält, rücken die Widerstände bei 4.752 und 4.776 USD in Reichweite.

Brent Crude: Sieben Prozent Wochenminus — und trotzdem dreistellig

Die Brent-Futures fielen in der vergangenen Woche um rund sieben Prozent auf etwa 101 Dollar je Barrel. Trumps Bekräftigung, der Waffenstillstand mit dem Iran halte trotz neuer Gefechte, drückte die Preise. Am Freitag stabilisierte sich Brent bei knapp 101 Dollar — ein Plus von 1,2 Prozent am Tag, das den Wochenverlust aber kaum milderte.

Die Internationale Energieagentur liefert den Kontext für die anhaltend hohen Niveaus. Ihre Einschätzung: Der Konflikt entzieht dem globalen Markt rund 14 Millionen Barrel pro Tag. Sie bezeichnete die Lage als die „größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“. Die VAE fingen parallel Raketen und Drohnen in der Nähe der Meerenge ab.

Der Ausblick ist zweigeteilt. Die EIA erwartet einen Höchststand im zweiten Quartal bei 115 Dollar je Barrel. Für das vierte Quartal rechnet sie mit Preisen unter 90 Dollar, für 2027 im Durchschnitt mit 76 Dollar. Selbst bei einer Einigung zwischen Washington und Teheran dürften Rückstaus bei Frachtgut, beschädigte Infrastruktur und die nötige Minenräumung die Normalisierung um Monate verzögern.

WTI-Rohöl: Unter 100 Dollar — mit angespanntem Fundament

WTI-Futures schlossen die Woche bei rund 95 Dollar je Barrel, nahezu unverändert am Freitag. Die Woche endete dennoch mit einem Verlust von etwa sieben Prozent. Erneute Gefechte zwischen US- und iranischen Streitkräften säten Zweifel an der Dauerhaftigkeit des fragilen Waffenstillstands.

Die Lagerbestände sprechen eine deutliche Sprache. Die EIA meldete einen Rückgang der US-Rohölvorräte um 6,2 Millionen Barrel bei gleichzeitigen Rekordexporten von 6,44 Millionen Barrel pro Tag. Globale Ölinventare haben einen rekordverdächtigen Abbau erlebt — ein Puffer, der mit jedem weiteren Tag dünner wird.

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Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING, brachte die Lage auf den Punkt: Rund 13 Millionen Barrel pro Tag an gestörter Versorgung würden größtenteils durch Lagerbestände ausgeglichen, die sich rapide verringern. Das mache den Markt mit jedem weiteren Tag anfälliger.

Händler balancieren zwischen Diplomatiehoffnung und Eskalationsrisiko. Solange Hormuz geschlossen bleibt, fehlt dem WTI-Markt jede Basis für eine nachhaltige Entspannung unter die 90-Dollar-Marke.

Uran: Putins Schachzug und die KI-Nachfrage

Am Samstag erklärte Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer außerordentlichen Pressekonferenz, Moskau sei bereit, angereichertes Uran aus dem Iran abzutransportieren und einzulagern. Er erinnerte daran, dass Russland bereits 2015 iranisches angereichertes Uran übernommen habe. Teheran habe Moskau vertraut — und Russland sei bereit, diese Erfahrung zu wiederholen.

Die Diplomatie scheiterte bisher an einem Detail: Washington habe plötzlich gefordert, das Uran ausschließlich auf US-Territorium zu verbringen. Daraufhin habe der Iran seine Position verschärft. Ein Patt mit Folgen für den Nuklearmarkt.

Uran notierte zuletzt bei 86,20 USD je Pfund — nahezu unverändert zum Vortag, aber 22,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Preis bewegt sich seit Wochen in einer engen Spanne.

Abseits der Geopolitik treibt ein struktureller Megatrend die Nachfrage:

  • Meta unterzeichnete Vereinbarungen für bis zu 7,8 Gigawatt Kernkraftkapazität zur Versorgung von KI-Rechenzentren
  • Microsoft schloss Verträge zur Reaktorerneuerung mit über 800 Megawatt exklusiv für KI-Operationen
  • Die US-Regierung lockerte Vorschriften für Uranumwandler und -anreicherer und vergab frische Verträge über 2,7 Milliarden USD an Centrus

Branchenschätzungen gehen davon aus, dass die globale Urannachfrage bis 2030 um rund 28 Prozent steigen könnte. Die Kombination aus geopolitischer Neuordnung der Brennstoffversorgung und dem Hunger der Tech-Giganten nach verlässlicher Grundlast bildet ein Fundament, das kurzfristige Preisschwankungen kaum erschüttern.

Fünf Rohstoffe, ein Nadelöhr

Eine seltene Konstellation prägt den Markt: Ein einziger geopolitischer Engpass beeinflusst gleichzeitig alle fünf Rohstoffe. Öl reagiert direkt auf jede Eskalation und Deeskalation. Silber und Gold werden über den Umweg steigender Energiepreise und Zinserwartungen in Mitleidenschaft gezogen. Uran folgt seinem eigenen Takt, geriet aber durch Putins Einlagerungsangebot in den Strudel der Iran-Diplomatie.

Für die Edelmetalle bleibt die Fed-Politik der entscheidende Hebel. Solange keine Zinssenkungen in Sicht sind, fehlt Gold und Silber der monetäre Antrieb für nachhaltig höhere Kurse. Brent und WTI hingegen profitieren von jedem Rückschlag in den Verhandlungen — und würden bei einem echten Durchbruch scharf korrigieren. Das US-Zentralkommando meldete zuletzt abgefangene iranische Angriffe und defensive Gegenschläge, während die Trump-Administration auf Teherans Antwort wartet.

Hormuz bleibt der Dreh- und Angelpunkt. Jeder Tag, an dem die Meerenge geschlossen bleibt, frisst Lagerbestände auf, nährt Inflation und hält Zentralbanken unter Druck. Ein Durchbruch in den Verhandlungen würde nicht nur den Ölmarkt, sondern die gesamte Rohstofflandschaft neu sortieren.

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