An den Rohstoffmärkten wird Kaffee schlagartig teurer. Der Preis für Arabica-Kaffee kletterte am Dienstag auf den höchsten Stand seit zwei Wochen. Robusta übersprang in London die Marke von 3.600 Dollar pro Tonne – ein Fünf-Wochen-Hoch.
Verantwortlich ist das Wetter in Brasilien. Starke Regenfälle in den zentral-südlichen Anbaugebieten behindern die Ernte. Meteorologen führen die ungewöhnliche Nässe auf ein aktives El-Niño-Phänomen zurück.
Die Folgen sind konkret: Der Erntefortschritt liegt weit unter dem Vorjahresniveau. Die Genossenschaft Cooxupé meldet für die Saison 2026/27 verzögerte Abläufe. Gleichzeitig steigt durch die Feuchtigkeit das Risiko für Pilzerkrankungen an den Bohnen. Das drückt auf die Qualitätserwartungen.
Lagerbestände auf Tiefstand
Parallel zu den Ernteproblemen wird die Angebotsseite knapper. Die zertifizierten Bestände an der ICE-Börse sind für beide Sorten auf kritischem Niveau.
Bei Arabica fielen die Vorräte auf ein 6,5-Monats-Tief von rund 402.700 Säcken. Bei Robusta erreichten sie mit etwa 3.700 Kontrakten fast das Zwei-Jahres-Tief.
Diese Verknappung trifft auf eine stabile Nachfrage. Die Folge: steigende Volatilität bei den Terminkontrakten. Kurioserweise zeigen sich die Inlandspreise in Vietnam derweil stabil – sie notieren zwischen 89.000 und 89.700 VND pro Kilogramm.
Rekordernte in Aussicht
Der Markt lebt von einem Widerspruch. Kurzfristig dominieren Wetterrisiken und Lieferengpässe. Mittel- bis langfristig aber rechnet das US-Landwirtschaftsministerium für Brasilien mit einer Rekordernte von 71,9 Millionen Säcken – ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Hinzu kommt regulatorische Bewegung: Ein neues Reformpaket zur EU-Entwaldungsverordnung könnte die Befolgungskosten für Importeure um bis zu 75 Prozent senken. Das würde die Handelsstrukturen langfristig verändern. Zudem belasteten am Dienstag Meldungen über einen möglichen US-iranischen Friedensschluss den gesamten Rohstoffsektor.
Die Aktie des größten Kaffeerösters der Welt, Nestlé, notierte am Mittwoch kaum verändert. Der Kaffeepreis selbst liegt bei 273,25 Dollar und damit 14 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 238,85 Dollar. Vom Hoch im Oktober 2025 bei knapp 438 Dollar trennen ihn aber noch knapp 38 Prozent.
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