Ein einziges Analysten-Memo hat den Silbermarkt am Freitag erschüttert, während die anhaltende Blockade der Straße von Hormuz Rohöl in dreistellige Regionen treibt. Der Rohstoffmarkt Mitte Mai 2026 folgt nicht einer, sondern zwei Preislogiken — und die reißen die einzelnen Commodities in entgegengesetzte Richtungen.
Silber: UBS demoliert den Investmentcase
Der Freitagshandel war brutal. Silber stürzte um über 9 Prozent ab und schloss bei 77,55 USD je Feinunze. Ein Verlust dieser Größenordnung an einem einzigen Tag — das ist selbst für ein volatiles Edelmetall außergewöhnlich.
Auslöser war eine fundamentale Neubewertung durch UBS. Die Analysten Wayne Gordon und Dominic Schnider reduzierten ihre Schätzung des globalen Angebotsdefizits für 2026 drastisch: von rund 300 Millionen Unzen auf nur noch 60 bis 70 Millionen Unzen. Eine Revision um 80 Prozent, die den bisherigen Bullencase für das Metall praktisch zerlegt.
Die Begründung: Höhere Preise bremsen die Nachfrage aus dem Photovoltaik-Bereich, Silberwaren und Schmuck leiden ebenfalls. Gleichzeitig sind die bekannten ETF-Bestände um fast 70 Millionen Unzen gefallen. UBS senkte die Schätzung der Investitionsnachfrage von über 400 auf 300 Millionen Unzen.
Die Kurszielkaskade fällt entsprechend:
- Q2 2026: von 100 auf 85 USD
- September 2026: von 95 auf 85 USD
- Jahresende 2026: von 85 auf 80 USD
- März 2027: von 85 auf 75 USD
Andere Häuser sehen die Lage weniger düster. Die Citigroup hält an einem Ziel von 110 USD für das zweite Halbjahr fest, Bank of America erwartet einen Jahresdurchschnitt von knapp 86 USD. Die Divergenz unter den Analysten ist so groß wie selten zuvor. UBS selbst räumt ein, dass starke Goldpreise einen Boden für Silber bilden dürften — das Gold-Silber-Verhältnis sollte sich dem Bereich 75 bis 80 annähern.
Gold: Die 5-Prozent-Rendite als Gegenwind
Auch Gold geriet am Freitag unter Druck. Der Kurs durchbrach die 4.600-Dollar-Marke nach unten und schloss bei 4.555,80 USD — ein Tagesverlust von 2,61 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 3,49 Prozent.
Die Mechanik dahinter ist klar. Ein erstarkter US-Dollar verteuert Gold für internationale Käufer. Gleichzeitig überschritten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen die 4,5-Prozent-Marke. Zinstragende Anlagen werden gegenüber dem renditelosen Edelmetall schlicht attraktiver.
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Die Fed bleibt restriktiv. Die Märkte haben eine Zinssenkung in diesem Jahr praktisch vollständig ausgepreist — einige Händler wetten sogar auf eine Zinserhöhung bis Dezember. Die heißeste US-Erzeugerinflation seit über drei Jahren, befeuert durch die Hormuz-Krise, lässt der Notenbank kaum Spielraum.
Langfristig halten die großen Häuser an bullischen Jahresendprognosen fest: Goldman Sachs sieht 5.400 USD, J.P. Morgan und Wells Fargo sogar 6.300 USD. Kurzfristig herrscht allerdings Pessimismus. Eine aktuelle Kitco-Umfrage zeigt: 77 Prozent der befragten Wall-Street-Experten rechnen mit weiter fallenden Preisen in der kommenden Woche.
Strukturelle Stütze liefert die Zentralbanknachfrage. Die People’s Bank of China meldete im März ihren 17. aufeinanderfolgenden monatlichen Goldkauf und erhöhte die Bestände auf 2.313 Tonnen.
Brent Crude: Die Hormuz-Prämie bleibt intakt
Brent schloss am Freitag bei 109,26 USD je Barrel — ein Tagesplus von 3,35 Prozent und ein Wochengewinn von knapp 8 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis nahezu verdoppelt.
Die Internationale Energieagentur beziffert den Rückgang der Rohöl- und Kraftstoffflüsse durch die Straße von Hormuz auf rund 4 Millionen Barrel pro Tag. Selbst bei einer Lösung des Konflikts im kommenden Monat dürfte der globale Ölmarkt bis Oktober materiell unterversorgt bleiben.
Saudi Aramco-CEO Amin Nasser verschärfte die Warnung: Sollte die Blockade über Mitte Juni hinaus andauern, könnte eine Normalisierung des Marktes bis 2027 dauern. „Wenn die Straße von Hormuz heute öffnet, werden immer noch Monate vergehen, bis sich der Markt neu ausbalanciert“, so Nasser.
UBS rechnet mit einem graduellen Rückgang der Risikoprämie. Die Bank prognostiziert Brent bei durchschnittlich 100 USD im Juni, 95 USD im September und 90 USD zum Jahresende. Voraussetzung ist allerdings eine Deeskalation — und die ist derzeit nicht in Sicht.
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Rohöl WTI: Elf Prozent Plus in einer Woche
WTI folgt derselben geopolitischen Dynamik wie Brent, allerdings mit noch stärkerer Amplitude. Der Kurs kletterte am Freitag um 3,44 Prozent auf 105,42 USD je Barrel. Das Wochenplus beläuft sich auf über 10 Prozent. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar sind WTI und Brent jeweils um mehr als 45 Prozent gestiegen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 83 Prozent — ein extremer Wert.
Diplomatisch sendet Washington widersprüchliche Signale. Präsident Trump erklärte zunächst, die USA bräuchten die Straße von Hormuz nicht geöffnet. Kurz darauf forderte er gemeinsam mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping deren Öffnung. Die Bemühungen zur Konfliktlösung stocken weiterhin.
Sollte die Blockade enden, erwarten Analysten einen unmittelbaren Preisrückgang von 10 bis 20 Dollar. Lieferkettenengpässe und Infrastrukturschäden würden den Markt aber angespannt halten und Brent wahrscheinlich im Bereich von 80 bis 90 Dollar verankern.
Kupfer: Zwischen KI-Fantasie und Konjunktursorgen
Kupfer gab am Freitag kräftig nach — minus 4,81 Prozent auf 6,25 USD je Pfund. Auf Wochensicht blieb der Preis praktisch unverändert, was die Freitagsbewegung als klassische Gewinnmitnahme nach einer starken Vorwoche einordnet.
Die langfristigen Treiber bleiben intakt. Chinas industrielle Aktivität zeigt sich widerstandsfähig, der Verbrauch in Stromnetzen und KI-bezogener Infrastruktur ist robust. Die anhaltende Rally bei KI-Aktien hat die Erwartungen an fortgesetzte Investitionen in Rechenzentren verstärkt — jedes einzelne davon ein kupferintensives Großprojekt.
Auf der Angebotsseite verschärft der Iran-Konflikt die Lage indirekt. Störungen bei der Verfügbarkeit von Schwefelsäure, einem zentralen Nebenprodukt der Kupferverhüttung, wecken Sorgen. Das chinesische Exportverbot für Schwefelsäure könnte bei ganzjähriger Geltung rund 200.000 Tonnen der chilenischen Kupferproduktion gefährden — ein Prozent des weltweiten Angebots.
Goldman Sachs hält an einer Durchschnittsprognose von 12.650 USD pro Tonne für 2026 fest und rechnet weiterhin mit einem Angebotsüberschuss von 490.000 Tonnen. Die Nachfrage aus Clean-Energy- und Technologiesektoren gleicht die Schwäche im Immobilien- und Bausektor bislang aus.
Geopolitik gegen Geldpolitik — der Rohstoffmarkt im Zangengriff
Mitte Mai 2026 lassen sich die Rohstoffmärkte in zwei klar getrennte Lager aufteilen:
- Öl folgt der Geopolitik. Die Hormuz-Blockade stellt den größten Ölversorgungsschock in der Geschichte des Marktes dar. Brent hat seit Kriegsbeginn um mehr als 55 Prozent zugelegt.
- Edelmetalle folgen der Geldpolitik. Stärkerer Dollar, steigende Renditen, heiße Inflation, ein neuer Fed-Vorsitzender und ein ergebnisloser Trump-Xi-Gipfel — fünf Faktoren, die Gold und Silber diese Woche nach unten drückten.
- Kupfer steht zwischen beiden Welten. Langfristig durch den Energiewandel und KI-Infrastruktur gestützt, reagiert das Industriemetall kurzfristig empfindlich auf jeden Hinweis einer schwächeren Konjunktur.
Die entscheidende Variable für alle fünf Rohstoffe bleibt dieselbe: die Dauer der Hormuz-Blockade. Für Silber rückt zusätzlich das FOMC-Meeting vom 16. bis 17. Juni in den Fokus. Ein hawkisches Signal, das die aktuelle Zinspause bestätigt, würde die Konsolidierung bis ins dritte Quartal verlängern. Ein Hinweis auf eine Lockerung im September hingegen könnte dem Metall erheblichen Aufwind geben. Gold bleibt strukturell durch die unermüdliche Zentralbanknachfrage abgesichert — aber kurzfristig hat die 5-Prozent-Rendite das lautere Argument.
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