Öl über 100 Dollar, Gold und Silber im Zinsschraubstock — Rohstoffe driften auseinander

Brent und WTI steigen dank China-Zusage und Hormuz-Krise, während Gold und Silber unter steigenden US-Renditen und einem starken Dollar leiden.

Silber Preis Aktie
Kurz & knapp:
  • Brent über 108 Dollar gestiegen
  • Gold fällt unter 4.600 Dollar
  • Silber leidet unter Renditeanstieg
  • Kupfer mit Gewinnmitnahmen nach Rekord

Chinas Zusage, amerikanisches Öl zu kaufen, treibt Brent und WTI weiter nach oben. Gleichzeitig drücken heiße Inflationsdaten und ein erstarkender Dollar Gold, Silber und Kupfer nach unten. Selten war die Kluft zwischen Energierohstoffen und Metallen so deutlich wie an diesem Freitag.

Silber: Goldman Sachs zeigt auf die Renditen

Der Silberpreis steht unter spürbarem Druck. Sowohl die zwei- als auch die zehnjährigen US-Renditen sind diese Woche scharf nach oben ausgebrochen — eine direkte Folge der heißen Inflationsdaten. Ein Erzeugerpreisindex von 6 Prozent, der heißeste Wert seit fast vier Jahren, traf auf einen Markt, der sich das gesamte Jahr über stillschweigend auf ein lockereres geldpolitisches Umfeld eingestellt hatte.

Goldman Sachs identifizierte genau diesen Mechanismus als zentralen Treiber des Rücksetzers: Steigende Realrenditen bei parallelem Dollaranstieg entziehen dem zinslosen Edelmetall die Attraktivität. Die Fed steht dabei in der Zwickmühle — eine Zinserhöhung scheint politisch kaum durchsetzbar, selbst wenn die Inflation weiter anzieht.

Strukturell bleibt Silber allerdings gestützt. Das fundamentale Marktdefizit wird für 2026 auf 46,3 Millionen Feinunzen geschätzt. ING sieht den Jahresdurchschnitt bei 78 Dollar mit Spitzen nahe 85 Dollar, TD Securities erwartet einen graduellen Rückgang auf 70 Dollar bis Ende 2027. Die LBMA-Analystenumfrage liegt im Schnitt bei 79,57 Dollar je Feinunze — ein Preisniveau, das vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Das Gold/Silber-Ratio bei rund 58 signalisiert, dass Silber relativ zu Gold zuletzt wieder etwas an Boden verloren hat, nachdem es von einem Tief bei 43 zurückgekommen ist.

Gold: Unter 4.600 Dollar trotz Rekordnachfrage der Zentralbanken

Gold notiert heute bei 4.555,90 Dollar je Feinunze — ein Tagesverlust von 2,14 Prozent und der dritte Rücksetzer in Folge. Im vergangenen Monat hat das Edelmetall über 5 Prozent eingebüßt und liegt damit deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Die Ursache ist eindeutig. Am Mittwoch beschleunigten die US-Großhandelspreise im April auf das schnellste Tempo seit 2022, angetrieben durch höhere Energie- und Handelskosten im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt. Die Verbraucherinflation kletterte auf 3,8 Prozent — den höchsten Stand seit Mai 2023. Die Konsequenz: Zinssenkungserwartungen für dieses Jahr sind praktisch vom Tisch.

Gold gilt traditionell als Inflationsschutz. Höhere Zinsen belasten jedoch das nicht-renditetragende Asset direkt. Die CME Group beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung auf 3,25–3,50 Prozent im Juni auf gerade einmal 4,2 Prozent. Über 70 Prozent der Händler preisen mittlerweile eine Zinserhöhung bis April 2027 ein.

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Einen stabilen Boden liefert die institutionelle Nachfrage. Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken netto 244 Tonnen Gold — ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Polens Zentralbank führte die Liste mit 31 Tonnen an, auf dem Weg zum Ziel von 700 Tonnen. Die globale Goldnachfrage erreichte inklusive OTC-Investitionen einen Rekord von 1.230,9 Tonnen.

Die Analystengemeinschaft bleibt langfristig bullisch:

  • Reuters-Konsens (31 Analysten): Durchschnittsprognose 2026 auf 4.916 Dollar angehoben
  • J.P. Morgan: 5.055 Dollar im vierten Quartal 2026, bis zu 5.400 Dollar Ende 2027
  • Wells Fargo: 6.300 Dollar als Jahresendziel

Die Diskrepanz zwischen kurzfristigem Druck und langfristiger Zuversicht ist bemerkenswert.

Brent Crude: Chinas Öl-Zusage befeuert die Rallye

Der internationale Benchmark Brent Crude legte heute 1,85 Prozent zu und notiert bei 108,52 Dollar je Barrel. Die Wochenbilanz fällt mit über 7 Prozent Plus noch eindrucksvoller aus. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis fast verdoppelt.

Der frische Impuls kam vom Trump-Xi-Gipfel. Präsident Trump erklärte, China habe zugestimmt, Öl aus den USA zu kaufen — ein Signal mit doppelter Wirkung. Einerseits stärkt es die Nachfrageseite, andererseits unterstreicht es die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormuz.

Die Schlüsselschifffahrtsroute bleibt unter einer doppelten Blockade. Diese Woche wurden erneut Schiffsangriffe und -beschlagnahmungen gemeldet, obwohl Teheran offenbar begonnen hat, den Transit für einige chinesische Schiffe zu erlauben. US-Außenminister Marco Rubio forderte China auf, seinen Einfluss auf den Iran zu nutzen.

Die IEA warnt, dass die Rohöl- und Kraftstoffflüsse durch die Straße von Hormuz im März und April um rund 4 Millionen Barrel pro Tag zurückgingen. Der globale Ölmarkt könnte bis Oktober erheblich unterversorgt bleiben — selbst wenn der Konflikt im nächsten Monat gelöst wird. Saudi-Arabien meldete parallel, dass seine Ölproduktion auf den niedrigsten Stand seit 1990 gefallen ist.

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Kupfer: Allzeithochs wecken Gewinnmitnahmen

Kupfer hat heute den stärksten Tagesverlust im Rohstoffkorb verzeichnet. Mit einem Minus von 3,88 Prozent fiel der Preis auf 6,32 Dollar je Pfund — nur wenige Tage nachdem das Metall neue Allzeithochs bei 6,63 Dollar markiert hatte. Händler nahmen nach der jüngsten Rallye Gewinne mit und bewerteten die Angebots-Nachfrage-Dynamik neu.

Die langfristige Story bleibt intakt. KI-getriebene Rechenzentren, Netzmodernisierungen und die globale Energiewende treiben die strukturelle Nachfrage. Als Industriemetall steht Kupfer jedoch unter dem gleichen Dollar-Druck wie die Edelmetalle — ein starker Greenback macht das in Dollar gehandelte Metall für Käufer außerhalb der USA teurer.

Ein neues Angebotsrisiko zeichnet sich ab: China hat angekündigt, die Exporte von Schwefelsäure ab Mai einzuschränken, um die inländische Versorgung zu schützen. Rund 15 Prozent der globalen Kupferproduktion hängen direkt von der Verfügbarkeit dieses Vorprodukts ab.

Bei den Analysteneinschätzungen dominiert vorsichtiger Optimismus. J.P. Morgan sieht einen Jahresdurchschnitt von 12.075 Dollar je Tonne mit möglichen Spitzen von 12.500 Dollar im zweiten Quartal, benennt aber Rückfallpotenzial auf 11.100 Dollar bei bärischen Makroszenarien. Die Bank of America rechnet mit 11.313 Dollar für 2026 und 13.500 Dollar bis 2027.

WTI: Dreistellig und auf Wochenkurs von plus 7 Prozent

WTI-Rohöl-Futures kletterten über 103 Dollar je Barrel und liegen damit auf Kurs für einen Wochengewinn von mehr als 7 Prozent. Seit dem Beginn des Konflikts Ende Februar sind WTI und Brent um über 45 Prozent gestiegen — eine der schärfsten geopolitischen Risikoprämien der vergangenen Jahrzehnte.

Die strukturelle Unterversorgung verschärft sich. Saudi Aramco-CEO Amin Nasser warnte, dass der Ölmarkt bis 2027 brauchen werde, um sich zu normalisieren, sollte die Straße von Hormuz über Mitte Juni hinaus blockiert bleiben. Die IEA beziffert den kumulierten Angebotsausfall seit der Schließung auf 12,8 Millionen Barrel pro Tag.

Goldman Sachs wies darauf hin, dass die globalen Ölinventare zwar noch nicht auf kritisch niedrigen Niveaus liegen, das Tempo der Abbauraten und die ungleichmäßige regionale Verteilung jedoch Sorgen vor lokalen Engpässen auslösen. Leicht zugängliche Puffer bei Raffinerieprodukten — insbesondere Naphtha, LPG und Kerosin — werden demnach schnell aufgebraucht. Citi fasste die Lage knapp zusammen: „Ölpreise waren volatil und können weiter steigen, wenn die US-Iran-Verhandlungen schwierig bleiben.“

Zwei Welten, ein entscheidender Engpass

Die Spaltung im Rohstoffmarkt folgt einer klaren Logik:

  • Energie (Brent, WTI): Profitiert direkt von der Hormuz-Blockade, knappem Angebot und frischer China-Nachfrage. Die Risikoprämie bleibt hoch.
  • Edelmetalle (Gold, Silber): Leiden unter steigenden Renditen und einem starken Dollar. Die Inflationsabsicherungsfunktion wird vom Zinseffekt überlagert.
  • Industriemetalle (Kupfer): Zwischen den Fronten — langfristige Nachfragetreiber treffen auf kurzfristigen Dollar-Gegenwind und Gewinnmitnahmen nach Allzeithochs.

Die entscheidende Variable für den gesamten Sektor bleibt die Straße von Hormuz. Jede Annäherung in den US-Iran-Verhandlungen könnte die Ölpreise schlagartig korrigieren — und damit auch den Inflationsdruck mildern, der aktuell Gold und Silber bremst. Für Gold und Silber ist der Fed-Pfad mittlerweile wichtiger als die Geopolitik. Sollte sich die Erwartung einer Zinserhöhung bis 2027 verfestigen, bleibt der Gegenwind für Edelmetalle strukturell. Beim Kupfer liefert China den entscheidenden Impuls: Trotz geopolitischer Gegenwinde blieb die chinesische Industrieaktivität zuletzt robust, der Verbrauch in Stromnetzen und KI-Infrastruktur stabil. Der Rohstoffmarkt steht nicht vor einer Beruhigung — er steht vor einer Richtungsentscheidung.

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