Zwei Prozent Plus beim Öl, während Gold und Silber gleichzeitig nachgeben – so ein Auseinanderdriften sieht man an den Rohstoffmärkten selten. Normalerweise ziehen Krisenherde Edelmetalle und Energiepreise gemeinsam nach oben. Diese Woche schlägt der Markt einen anderen Weg ein, und Kupfer schaut sich das Ganze fast unbeteiligt von der Seitenlinie an.

Der Grund liegt in der Straße von Hormus. Die verhärteten Fronten zwischen Washington und Teheran treiben Brent Crude und Rohöl WTI kräftig nach oben, während Gold nach seiner jüngsten Rekordphase konsolidiert und Silber nach einer heftigen Rallye Luft ablässt. Kupfer bewegt sich unterdessen nahe seinem Jahreshoch – getrieben von ganz eigenen Angebotsproblemen, die mit dem Nahost-Konflikt nichts zu tun haben.

Gold: Konsolidierung trotz nachlassendem Zinsdruck

Der Goldpreis notierte am Dienstagvormittag bei rund 4.365,79 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,53 Prozent gegenüber dem Vortagswert von 4.388,97 US-Dollar. Charttechnisch hat das Edelmetall die 200-Tage-Linie unterschritten und befindet sich in einer Korrekturphase. Die 4.500er-Marke gilt als nächster wichtiger Widerstand.

Fundamental zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Einerseits gewinnt Gold Unterstützung, weil die Erwartungen an kurzfristige Zinserhöhungen nachlassen. Gleichzeitig verschiebt sich die physische Nachfrage in China und Indien zunehmend vom Schmuck hin zu reinem Anlagegold – ein Strukturwandel, der sich in den Zahlen deutlich zeigt.

Die chinesische Schmucknachfrage sank im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Nachfrage nach Barren und Münzen um 67 Prozent auf einen Quartalsrekord von 207 Tonnen. Anleger kaufen also weiterhin Gold – nur eben nicht mehr in Form von Ketten und Ringen, sondern als Wertspeicher.

Bei den großen Häusern mehren sich zugleich vorsichtigere Töne. Goldman Sachs senkte im Juni sein Kursziel für Ende 2026, HSBC und J.P. Morgan folgten im Juli mit ähnlichen Korrekturen nach unten. Eine mögliche Entspannung an der Straße von Hormus könnte den Inflationsdruck über sinkende Ölpreise dämpfen – zugleich aber auch die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen schwächen.

Silber Preis: Nach der Rallye kommt die Verschnaufpause

Silber musste nach seinem jüngsten Höhenflug spürbar Federn lassen. Am Dienstagmorgen notierte der Preis bei 64,71 US-Dollar je Feinunze, ein Abschlag von 1,60 Prozent gegenüber dem Vortagswert von 65,76 US-Dollar. Nur einen Tag zuvor hatte das Metall noch mit 0,83 Prozent Plus auf 64,20 US-Dollar zugelegt – die Schwankungsbreite fällt damit deutlich größer aus als bei den meisten anderen Edelmetallen.

In der Anlegercommunity wird die Entwicklung kontrovers diskutiert. Kursziele reichen von kurzfristig 65,25 US-Dollar bis zu langfristigen Fantasien um 158 oder 163 US-Dollar. Skeptiker warnen jedoch, dass die Erholung gefährdet sei, sollte die Hormus-Krise Inflation und Zinserhöhungen weiter anheizen.

Strukturell bleibt der Silbermarkt anfällig für starke Ausschläge. Zwar ist die weltweit verfügbare Silbermenge in Tonnen gemessen größer als bei Gold, in US-Dollar bewertet ist der Markt aber deutlich kleiner. Genau das erklärt, warum schon vergleichsweise kleine Kapitalbewegungen große Kurssprünge auslösen können.

Brent Crude: Vierter Gewinntag in Folge

Brent Crude zog kräftig an und notierte zuletzt bei 89,84 US-Dollar je Barrel, ein Tagesplus von 2,27 Prozent gegenüber dem Montagsschluss bei 87,85 US-Dollar. Auf Wochensicht steht damit ein Zuwachs von 14,17 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es 8,06 Prozent – die vierte Gewinnsession in Folge setzt sich damit fort.

Der Auslöser bleibt derselbe: Die Hoffnungen auf ein US-Iran-Abkommen zur vollständigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus schwinden, trotz frischer Bemühungen Washingtons, die Treibstoffversorgung zu erhöhen. Verschärft wird die Lage durch historisch niedrige US-Lagerbestände: Die Bestände der Strategic Petroleum Reserve sind auf unter 300 Millionen Barrel gefallen, das niedrigste Niveau seit Januar 1983.

Zusätzliche Nervosität sorgt für Unsicherheit an den politischen Fronten. US-Präsident Trump verlangte von Iran Entschädigung für alle im Konflikt getöteten Menschen, nachdem Teheran erneut Reparationsforderungen als Teil der Verhandlungen erhoben hatte. Mit Blick auf den langfristigen Chart bleibt der Ölpreis dennoch weit von seinem 52-Wochen-Hoch bei 126,41 US-Dollar entfernt – der Abstand beträgt aktuell noch fast 29 Prozent.

Rohöl WTI: Höchststand des Monats erreicht

Auch die US-Sorte WTI zog deutlich an und notierte bei 84,36 US-Dollar je Barrel, ein Plus von 2,7 Prozent und damit der höchste Stand seit Monatsbeginn. Bereits am Montag hatte WTI rund fünf Prozent zugelegt und bei 82,13 US-Dollar geschlossen – die Bewegung reiht sich in eine Serie deutlicher Ausschläge ein.

Zusätzlichen Druck auf das Angebot erzeugt eine politische Entscheidung mit langer Vorgeschichte. Die Trump-Administration verlängerte am Montag die Aussetzung eines Schifffahrtsgesetzes, das den Warentransport zwischen amerikanischen Häfen eigentlich auf US-Schiffe beschränkt. Der Schritt folgte auf Daten, wonach die US-Rohölbestände auf ihr niedrigstes Niveau seit mehr als vier Jahrzehnten gefallen sind.

Die diplomatische Gemengelage bleibt widersprüchlich. Der iranische Außenminister erklärte, Teheran führe derzeit keine direkten Gespräche mit den USA – während Washington zuvor signalisiert hatte, ein Abkommen stehe kurz bevor. Genau diese Unsicherheit hält die Ölpreise in Atem.

Kupfermarkt: Nahe Rekordniveau trotz Gegenwind aus China

Kupfer bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau und notierte zuletzt bei 6,67 US-Dollar je Pfund, ein moderates Plus von 0,57 Prozent gegenüber dem Vortagsschluss bei 6,64 US-Dollar. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 6,87 US-Dollar beträgt nur noch 2,81 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Zuwachs von 18,53 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 50,30 Prozent.

Strukturell bleibt der Markt angespannt. Wichtige Minen kämpfen mit Produktionsproblemen – die Betriebe in einem Teil von Codelcos Flaggschiffmine El Teniente könnten bis zu zwei Jahre lang ausgesetzt bleiben, was die Versorgungsbedenken zusätzlich verstärkt. Gleichzeitig sorgt das Exportverbot der Demokratischen Republik Kongo für Kupferkonzentrat weiterhin für Unsicherheit auf der Angebotsseite.

Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein differenziertes Bild. Kupfer profitiert von der Modernisierung von Stromnetzen und dem Ausbau von Rechenzentren, da der globale Wandel hin zu Elektrifizierung und künstlicher Intelligenz den Verbrauch weiter antreibt. Chinas Importe von unraffiniertem Kupfer und Kupferprodukten fielen im Juli dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 11,5 Prozent auf 425.000 Tonnen – ein Dämpfer für die kurzfristige Nachfrage.

Verschärft wird die Marktverzerrung durch drohende US-Zölle. Im Juli kamen mehr als 200.000 Tonnen Kupfer in US-Häfen an, der größte monatliche Zufluss seit über einem Jahrzehnt. Händler bunkern das Metall offenbar vorsorglich, bevor mögliche Handelsbarrieren greifen.

Vergleichende Sektordynamik: Energie- und Metallmärkte laufen aus dem Takt

Die aktuelle Woche offenbart eine klare Divergenz zwischen den fünf Rohstoff-Werten:

  • Brent und WTI laufen im Gleichschritt und verbuchen binnen einer Woche zweistellige Prozentgewinne – getrieben von der Eskalation an der Straße von Hormus.
  • Gold und Silber geraten trotz geopolitischer Unsicherheit unter Druck, weil sinkende Zinserwartungen und technische Korrekturen nach starken Vorwochen-Gewinnen die Oberhand gewinnen.
  • Kupfer reagiert kaum auf die Nahost-Spannungen und folgt stattdessen eigenen Angebots- und Nachfragefaktoren – von Minenausfällen in Chile bis zu Handelsverzerrungen durch drohende US-Zölle.

Diese Entkopplung ist ungewöhnlich, weil Gold traditionell von genau jenen Krisenherden profitiert, die derzeit die Ölpreise treiben. Der Rohstoffmarkt spaltet sich damit derzeit in mindestens zwei parallele Erzählungen: eine geopolitisch getriebene Energie-Story und eine strukturell geprägte Metall-Story, die kaum miteinander korrelieren.

Rohstoffmärkte zwischen Kriegsangst und Zinsfantasie

Für die Ölmärkte bleibt die Entwicklung an der Straße von Hormus der entscheidende Faktor. Verschärft sich der Deadlock zwischen Washington und Teheran weiter, dürften Brent und WTI ihre Aufwärtsdynamik fortsetzen. Ein glaubwürdiger Kompromiss könnte dagegen ebenso schnell zu einer Gegenbewegung führen, wie es in den vergangenen Wochen bereits mehrfach der Fall war.

Bei Gold und Silber entscheidet sich, ob nachlassende Zinserwartungen ausreichen, um die technische Korrektur zu stoppen, oder ob weitere Gewinnmitnahmen folgen. Der Kupfermarkt dürfte angesichts der ungelösten Minenprobleme in Chile und der anhaltenden Nachfrage aus dem KI- und Elektrifizierungssektor strukturell unterstützt bleiben – auch wenn schwächere Chinadaten kurzfristige Rücksetzer auslösen können.